Warburg Ladenschluss in der Hirsch-Apotheke

Edmund Küpper hat an der Kalandstraße geschlossen / Standort K 4-Ärztehaus jetzt im Fokus

Edmund Küpper (57) hat die Hirsch-Apotheke an der Kalandstraße geschlossen. Die Regale sind bereits ausgeräumt, wie auf dem Bild zu sehen ist. - © FOTO: JULIA BÖMER
Edmund Küpper (57) hat die Hirsch-Apotheke an der Kalandstraße geschlossen. Die Regale sind bereits ausgeräumt, wie auf dem Bild zu sehen ist. | © FOTO: JULIA BÖMER

Warburg. Umzugskisten statt Kundenschlangen im Warteraum, leere Regale statt voll bepackter Medikamentenablage hinter der Theke: Die Hirsch-Apotheke hat seit Tagen geschlossen. Inhaber Edmund Küpper gibt damit aber nicht seinen Job auf, sondern zieht um in die Räumlichkeiten im neuen Ärztehaus K 4 an der Kasseler Straße. Für viele Warburger kam die Schließung überraschend, diese Entscheidung Küppers ist allerdings das Ergebnis langer Überlegungen des 57-Jährigen.

"Ich kann nicht meine Kraft in zwei Projekte stecken", sagt der Apotheker. Vor einigen Jahren hatte er die Post-Apotheke, die sich damals noch in der Hauptstraße befand, übernommen und später ins K 4-Ärztehaus verlegt: Der zweite Standort Küppers neben der Hirsch-Apotheke, die er bereits seit 1968 führte. "Jede Apotheke muss eine Vollapotheke sein", erklärt Küpper daraufhin: Also betrieb er bisher zwei voll ausgestattete Apotheken-Standorte.

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Dann hörten drei Mitarbeiter auf: Ortswechsel, Mutterschutz, Krankheit. "Ich hätte drei Stellen neu besetzen müssen und das ist auf dem Land nicht so einfach für Apotheken", meint Küpper. Es sei schwierig, gute Apotheker aufs Land zu holen. Edmund Küpper spricht von ähnlichen Verhältnissen wie beim Landärzte-Mangel. Zwar gebe es in Warburg zurzeit noch eine hohe Apothekendichte, Küpper betont allerdings: "Apotheken gibt es viele, Apotheker aber immer weniger auf dem Land", meint er. Also habe er vor der Wahl gestanden: Zwei Standorte mit unsicherer Zukunft betreiben oder seine ganze Kraft in eine Apotheke stecken? "Dann kommen natürlich auch wirtschaftliche Überlegungen und du fragst dich: Was rechnet sich?", beschreibt Küpper.

Der Standort an der Kasseler Straße erschien ihm an dieser Stelle attraktiver als der an der Kalandstraße. "Das Gebäude der Hirsch-Apotheke ist schön, die Lage aber nicht perfekt", sagt der 57-Jährige: An der Kalandstraße gibt es nur einen Parkplatz, die Lage am Kasseler Tor sei da besser: "Momentan stehen noch die Baufahrzeuge auf den Parkplätzen, aber da wird mehr Platz sein", weiß Küpper und ergänzt: "Der Standort hat Zukunft!"

Information
Zur Geschichte

Das Gebäude an der Kalandstraße, das bis vor kurzem die Hirsch-Apotheke beheimatete, wurde bereits im 14. Jahrhundert gebaut. Der erste Besitzer war Ludwig Bolte aus Haueda.

1613 wurde das Haus urkundlich zum ersten Mal als Apotheke erwähnt.

Ludger Küpper, Großvater von Edmund Küpper, übernahm die Apothekergeschäfte 1906. Er übergab seine Apotheke 1946 an Sohn Josef. 20 Jahre später – 1986 – übernahm dann Edmund Küpper das Geschäft von seinem Vater. (jbö)

Die Hirsch-Apotheke – sie wurde 400 Jahre lang betrieben – habe eine schöne Tradition, bediene aber nicht mehr den Kunden von heute. "Heute mögen es die Kunden, ein überschaubares Ärztehaus zu besuchen, wo die Apotheke gleich mit drin und die Caféteria nebenan ist", meint Küpper. Genau diese Möglichkeiten sieht er im K 4.

Ganz leicht fällt ihm der Abschied von der Hirsch–Apotheke dann aber doch nicht: "Es hat immer etwas Emotionales, wenn du etwas aufgibst", sagt der 57-Jährige. Er blickt dabei über die meterhohen, antiken Apothekerregale, die schon ausgeräumt sind. Was mit diesen Räumen – er wohnt im oberen Geschoss des Hauses – geschieht, weiß er noch nicht: "Ich lasse erstmal alles so", erklärt er. Das Haus sei Teil einer Wohnungseigentümergemeinschaft, nicht er alleine entscheide, was mit den Räumen passiere. "Es kommt aber kein Discounter oder ähnliches rein", sagt Küpper dann mit bestimmtem Ton.

Warum die Schließung an der Kalandstraße so plötzlich für viele Warburger kam, erklärt er dann zum Schluss: "Ich bin nicht der Typ, der alles an die große Glocke hängt", sagt Edmund Küpper. Seine Kunden beruhigt er aber: "Ich bin ja nicht weg, ich zieh’ ja nur um!"

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