Das heutige Gymnasium Marianum mit der Kirche "Maria im Weinberg" war einst ein Dominikanerkloster. Auf dem Dachboden des Gotteshaus wurde vor über 80 Jahren eine bedeutende Akten zum Beschlüsse des Ordens gefunden. - © FOTO: NW-ARCHIV/HUBERT RÖSEL
Das heutige Gymnasium Marianum mit der Kirche "Maria im Weinberg" war einst ein Dominikanerkloster. Auf dem Dachboden des Gotteshaus wurde vor über 80 Jahren eine bedeutende Akten zum Beschlüsse des Ordens gefunden. | © FOTO: NW-ARCHIV/HUBERT RÖSEL

Warburg Kleinod vom Dachboden

Handschriftensammlung zur Geschichte der Dominikaner in Deutschland

Warburg (NW/sw). Im Frühjahr 1926 suchte Dr. Wilhelm Marrè, damals Studienrat am Gymnasium Marianum, den Buchbinder Holtgreve in der Altstadt auf. Dieser sollte für eine Handschriftensammlung einen stabilen Einband herstellen. "Vom Holtgreve in hellbraunes Leder eingebunden, gehört dieser Codex heute zu den Zimelien, also zu den Kostbarkeiten des Warburger Stadtarchivs", sagt Stadtarchivar Franz-Josef Dubbi.

Die Handschriftensammlung ist 22,7 Zentimeter hoch, 18,5 Zentimeter breit und 6,7 Zentimeter. Die Sammlung enthält Akten der Provinzkapitel der Dominikaner. "Provinzkapitel waren die gesetzgebenden Versammlungen einer Ordensprovinz, das heißt eines größeren, mehrere Klöster umfassenden Gebietes. Diese Beschlüsse wurden in Abschriften den einzelnen Dominikanerklöstern zugeleitet und dort viermal im Jahr den Klosterangehörigen während des Essens vorgelesen, um so alle in Kenntnis zu setzen", erklärt Stadtarchivar Dubbi.

Die an den Warburger Konvent adressierten Abschriften aus dem 16. und 17. Jahrhundert sind die einzigen Exemplare der Provinzkapitel-Akten, welche die Stürme der Zeit überdauert haben. Diese Seltenheit macht die Handschriften-Sammlung zur Zimelie, zur Kostbarkeit – die Leser nach Warburg lockt.

"Aufgrund ihrer Einzigartigkeit hat diese Quelle wiederholt renommierte Wissenschaftler ins Stadtarchiv Warburg geführt, so bereits in den zwanziger Jahren den Ordenshistoriker Dominikaner-Pater Gabriel M. Löhr, der Professor für Kirchengeschichte in Freiburg in der Schweiz war", erzählt Stadtarchivar Dubbi.

In den vergangenen Jahrzehnten widmeten Pater Alain Kordel vom Historischen Institut des Dominikanerordens in Rom und Dr. Klaus-Bernward Springer vom Institut zur Erforschung der Geschichte des Dominikanerordens im deutschsprachigen Raum mit Sitz in Köln der Warburger Sammlung ihr Interesse. Die Handschriften-Sammlung ist nun fast vollständig wissenschaftlich ediert und damit der Forschung leichter zugänglich.

"Durch die Fülle der Einzelbestimmungen und Beschlüsse können wir uns heute noch ein Bild der Ordensgeschichte in den stürmischen Jahren und Jahrzehnten der Reformationszeit sowie über die Mühen der Neuorganisation und des Wiederaufbaus machen", erklärt Franz-Josef Dubbi.

Die Überlieferungsgeschichte der so wichtigen Handschriftensammlung lässt sich in Grundzügen rekonstruieren: Im Jahr 1814 – das Dominikanerkloster war noch nicht aufgelöst – kaufte sie der passionierte Warburger Geschichtsfan Ignaz Philipp Rosenmeyer (1764-1830) einem Warburger Dachdecker ab. Möglicherweise ließ Rosenmeyer die einzelnen Blätter dann ein erstes Mal in einem Pappband zusammenfassen. "Wie die Sammlung dann in den Besitz des Marianums kam, ist – noch – ungeklärt", sagt der Stadtarchivar. Im Marianum wurde sie in den 1920er Jahren von Dr. Wilhelm Marrè auf dem Dachboden aufgefunden. Seitdem gehören die Kleinodien zum Bestand des Warburger Stadtarchivs.

     

Copyright © Neue Westfälische 2017
Texte und Fotos von nw.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Kommentare

Die Kommentarfunktion für diesen Artikel ist deaktiviert.

nw.de bietet Ihnen unter vielen Artikeln und Themen die Gelegenheit, Ihre Meinung abzugeben, mit anderen registrierten Nutzern zu diskutieren und sich zu streiten. nw.de ist jedoch kein Forum für Beleidigungen, Unterstellungen, Diskriminierungen und rassistische Bemerkungen. Deshalb schalten wir bei Artikeln über Prozesse, Straftaten, Demonstrationen von rechts- und linksradikalen Gruppen, Flüchtlinge usw. die Kommentarfunktion aus. Näheres dazu lesen Sie in unseren Nutzungsbedingungen für die Kommentarfunktion (Netiquette) und in dem Kommentar unseres Chefredakteurs Thomas Seim zur Meinungsfreiheit im Forum der NW.

realisiert durch evolver group