Willebadessen Private Initiative will ein Heimatmuseum auf die Beine stellen

Die Aktiven der Historischen Gesellschaft wollen aus eigenen Mitteln ein Museum auf die Beine stellen. Auf der Suche nach einer geeigneten Räumlichkeit bitten sie die Öffentlichkeit um Unterstützung

Katharina Engelhardt

Willebadessen. Gerd Grasse lagert sie mittlerweile überall in seinem Haus, die wertvollen Exponate, die etwas zur Geschichte der Stadt beizutragen haben: Ein ledernes Ziegenhalsband mit Schellen liegt auf dem Tisch in seiner Bücherei; ein Becher aus Emaille mit dem Konterfei von Kaiser Wilhelm I., der zu dessen 100. Geburtstag angefertigt wurde, steht daneben. Außerdem ein dicker, geflochtener Strang Flachsgarn - einst gesponnen an einem der zig Spinnräder in den Häusern Willebadessens. Auch in der Scheune von Gerd Grasse, dem Kunstsachverständigen und versierten Antiquitätenhändler, lagern noch zig Schätze: "Ad hoc könnten wir mit den bereits vorhandenen Exponaten ein komplettes Wohnzimmer und eine Küche aus der Zeit zwischen 1920 und 1940 einrichten", sagt Grasse. Könnten, wohlgemerkt: Allein der Platz dafür fehlt. Schon länger bemühen sich die Aktiven der Historischen Gesellschaft Willebadessens um eine geeignete Räumlichkeit für ein Heimatmuseum. "Unser Anliegen ist die Dokumentation der historischen Entwicklung des Ortes und seiner Umgebung", erklärt Grasse. "Wir wollen, dass auch spätere Generationen nachvollziehen können, wie hier gelebt wurde." Seit vier Jahren bereits tragen die Mitglieder der Gesellschaft emsig Exponate und Dokumente zusammen, lagern sie auf Dachböden, in Scheunen und in Kellern. "Wir benötigen eine Räumlichkeit mit mindestens 100 Quadratmetern Größe", sagt der 70-Jährige. Gerne zentral. Doch: "Bisher leider Fehlanzeige", bedauert Gerd Grasse. Entweder sind die Objekte zu teuer, oder sie liegen zu weit ab vom Zentrum. Deshalb wenden sich Grasse und die Historische Gesellschaft Willebadessens jetzt an die Stadt und ihre Bürger: "Wer etwas weiß, einen geeigneten Raum vorschlagen möchte, melde sich bitte bei uns." Geplante Themenbereiche für das Museum sind unter anderem die Darstellung des Alltagslebens, etwa durch Fotoausstellungen zum Wandel des Stadtbildes, das Klosterleben in früherer Zeit, die "alte Eisenbahn", die Behmburg/Karlschanzen, die Wirtschaftsgeschichte des Ortes, etwa am Beispiel der Leiterherstellung und die Dokumentation des bäuerlichen Lebens. "Ein ausführliches Konzept für das Heimatmuseum ist auf der Homepage der Historischen Gesellschaft Willebadessen einsehbar", sagt Grasse. Neben einer Dauerausstellung sind auch Lesungen, Diskussionsforen, Präsentationen, Vorträge aus dem Kultur- und Bildungsbereich angedacht. Ein Museumscafé mit selbst gebackenen Kuchen und herzhaften Quiches soll zum Entspannen und Verweilen nach dem Museumsbesuch einladen. "Das Café kann auch für besondere Veranstaltungen genutzt und gebucht werden und trägt damit auch zur Finanzierung des Gesamtprojekts bei." Die Aktiven der Gesellschaft sind auf Spenden angewiesen, finanzieren sich bislang komplett aus eigener Tasche. Natürlich hat die Gruppe unlängst auch bei der Stadt ihre Idee vorgetragen und um Unterstützung gebeten. Bundesweit ist es in vielen Kommunen längst üblich, dass die Städte derartige Initiativen unterstützen, indem sie beispielsweise die Betriebskosten übernehmen, während die Initiative das Personal unentgeltlich bereitstellt. "Soweit sind wir in Willebadessen noch nicht", sagt Bürgermeister Hans Hermann Bluhm, der die Idee eines Heimatmuseums aber grundsätzlich unterstützen möchte. Ob sich eventuell unter den im Stadtbesitz befindlichen Gebäuden geeignete Räumlichkeiten befinden könnten, wolle man intern prüfen. "Wir würden uns freuen, wenn wir auf irgendeinem Wege etwas Unterstützung bekämen", sagt Gerd Grasse.

realisiert durch evolver group