Engagierte Eltern: Katrin Dierkes (Mitte) und Daniela Fieseler (r.) übergaben Bürgermeister Michael Stickeln die Unterschriftenlisten. Drei Wochen lang haben sie gesammelt. - © Angelina Kuhlmann
Engagierte Eltern: Katrin Dierkes (Mitte) und Daniela Fieseler (r.) übergaben Bürgermeister Michael Stickeln die Unterschriftenlisten. Drei Wochen lang haben sie gesammelt. | © Angelina Kuhlmann

Kreis Höxter Elterninitiative wehrt sich gegen Zentralisierungspläne

Einschulungsuntersuchung: Der Kreistag hat einen Antrag der Grünenfraktion bereits abgelehnt. Die Elterninitiative um Daniela Fieseler und Katrin Dierkes hat mehr als 1.000 Unterschriften zusammengetragen

Angelina Kuhlmann

Kreis Höxter. "Das ist noch nicht das Ende", sagt Daniela Fieseler. Sie ist Mutter von drei Kindern und Klassenpflegschaftsvorsitzende der Graf-Dodiko-Schule. Zusammen mit Katrin Dierkes, Schulpflegschaftsvorsitzende, hat sie in den vergangenen drei Wochen Unterschriften in Warburg und Borgentreich gesammelt. 1295 sind dabei zusammengekommen. Diese übergaben sie gestern Bürgermeister Michael Stickeln. Sie wollen das Stadtoberhaupt und den Warburger Rat auf den wirklichen "Elternwillen" aufmerksam machen. In der heutigen Ratssitzung steht das Thema auch auf der Tagesordnung. Per Eilantrag hatten Dierkes und Fieseler Ende Oktober bereits eine Petition beim Landtag gegen die Entscheidung des Kreises eingereicht. Die Unterschriften-Aktion soll ein weiterer Schritt sein, um die hiesige Politik davon zu überzeugen, dass die Zentralisierung der Voruntersuchung zum Schuljahr 2018/19 hin viele Familien vor erhebliche Probleme stellen könnte. Die weite Strecke und der Transport seien besonders für Familien mit mehreren Kindern, Alleinerziehende und auch Geflüchtete sehr aufwendig und auch teuer. Die Kinder würden in diesem Prozedere großem Stress ausgesetzt, der dann bei der Untersuchung zu Buche schlagen würde. Grund dafür, die Untersuchung zu zentralisieren, ist ein Personalmangel im Gesundheitsdienst des Kreises. Die noch verfügbaren Ärzte sollen sich voll auf die Schulanfänger konzentrieren können und sich nicht erst mit langwieriger Anfahrt und aufwendiger Vorbereitung der Untersuchung in Schulräumen beschäftigen müssen, so Ronald Woltering, Leiter des Gesundheitsdienstes. Für die Elternvertreter ist es nicht verständlich, wieso "aufgrund einer anscheinend falschen Personalpolitik über 1.000 Eltern weit fahren müssen". Bürgermeister Michael Stickeln kann die Argumente der Elterninitiative verstehen. "Ich finde ihr Engagement toll", sagt er bei der Unterschriftenübergabe. Der Kreis entscheidet, das Votum des Stadtrates hat Symbolcharakter Persönlich hätte er sich auch eine andere Lösung in Bezug auf die Schulanfängeruntersuchung gewünscht. Stickeln: "Ich hätte mich über eine Entscheidung gefreut, die einen Kompromiss enthält." Zum Beispiel könne er sich vorstellen, dass man zusätzlich zu Höxter Brakel und Warburg als Standorte für eine Erstuntersuchung anbietet. So müsse ebenfalls nicht mehr jede Schule einzeln abgedeckt werden und den Eltern können so entgegengekommen werden. "An den Räumlichkeiten würde es hier in Warburg nicht scheitern", ist er sich sicher und verweist auf das Helios Klinikum, das sicher aushelfen würde. Das Verfahren habe er in diesem Fall nur leider nicht in der Hand, merkt er an. Der Kreis entscheidet, das Votum des Stadtrates hat lediglich Symbolcharakter. "Wir können im Rat morgen beschließen, dass wir uns da bemühen. Wir können es versuchen, aber nicht erzwingen." Daniela Fieseler und Katrin Dierkes freuen sich über diese Unterstützung. Sie sehen in der Argumentation des Kreises viele Punkte, wie zum Beispiel den Schutz der Intimsphäre, kritisch. "Das wurde in den letzten Jahren auch so hingenommen", sagte Fieseler. Sie sehen es nicht ein, dass die Probleme des Kreises jetzt auf den Rücken der Kinder abgelegt werden sollen. Nachdem sie jetzt mit ihrem Petitionsantrag und der Unterschriften-Aktion an die Öffentlichkeit gegangen sind, kommen auch Anfragen aus anderen Teilen des Kreises. Zum Beispiel aus Bad Driburg. "Die überlegen selber, was sie tun können", sagt Dierkes. Über die Unterstützung der Warburger Politiker würden sich die beiden Mütter freuen. "Es wäre schön, die hier hinter uns zu haben für weitere Aktionen", sagt Dierkes. Der Landrat hätte ihre Argumente im Gespräch direkt abgewiesen und hätte keinerlei Kompromissbereitschaft gezeigt. Übrigens wurden im Vorfeld der Entscheidung zur Zentralisierung auch die Grundschulleitungen in der Region mit in die Diskussion eingebunden. Das Ergebnis: Alle stimmten für Höxter als einzigen Standort.

realisiert durch evolver group