Borgentreich Bürger setzen sich für Grüngürtel ein

Engagement: Nach Plänen der Stadt soll ein Teil der naturbelassenen Fläche der alten Borgentreicher Wallanlagen als Baufläche ausgewiesen werden. Borgentreicher Anwohner starten eine Unterschriftenaktion

Günter Schumacher

Borgentreich. In Borgentreich versucht eine Initiative von Bürgern eine Änderung des Bebauungsplans am Familienzentrum zu verhindern. Entsprechende Stellungnahmen wurden bereits bei der Stadt Borgentreich eingereicht. Nach Plänen der Stadt soll für zwei Flächen am Familienzentrum der Bebauungsplan geändert werden. Dieses soll die zukünftige Bebauung des Areals ermöglichen. Die Bebauung der Fläche B ist unstrittig, gegen eine mögliche Bebauung der Fläche A regt sich Widerstand.Eine gute Lösung für die Verkehrsführung sei wichtig Borgentreich bekommt demnächst eine neue Kindertagesstätte U3 für Kinder unter drei Jahren. Die neue Kita wird südlich des bestehenden Familienzentrums errichtet (Teil B im Bebauungsplan). „Hier besteht Konsens, so wie es gemacht wird. Wichtig ist eine gute Lösung für die Verkehrsführung zu finden und dass der Fußweg durch den Hagen erhalten bleibt“, unterstrichen die Ratsherren Hubertus Herbold (SPD) und Lorenz Sökefeld (Grüne), die das Bürgerengagement unterstützen. Gleichzeitig soll der Bebauungsplan nördlich des Familienzentrums geändert und damit ein Teil des Grüngürtels als mögliche Baufläche (Teil A) ausgewiesen werden. Und dagegen machen Anwohner und Bürger mobil: In der vergangenen Woche lud das Orga-Team um Ute Dohmann-Bannenberg, Dirk Lücke und Lisa McTaggart zu einer Informationsveranstaltung ein. Eine Unterschriftenaktion wurde gestartet.»Wir möchten, dass der Wall erhalten und als Ganzes sichtbar bleibt« Die Änderung des Bebauungsplans betrifft das Flurstück 1416 nördlich des Familienzentrums, zu dem im Westen auch der Borgentreicher Felsenkeller gehört. Unklar ist, ob es sich bei der Fläche um ein Boden- und Naturdenkmal handelt. In alten Plänen von 1982 war die Fläche als Natur- und Bodendenkmal gekennzeichnet. In neueren Plänen ist das nicht mehr der Fall. Durchgeführte Grabungen brachten keine Klarheit. Der Grüngürtel der ehemaligen Wallanlagen ist auf Luftbildaufnahmen als Zeugnis Borgentreicher Stadtgeschichte jedoch deutlich zu erkennen. „Die alten Borgentreicher Wallanlagen sind ortsbildprägend. Wir möchten, dass der Wall erhalten und als Ganzes sichtbar bleibt“, sagt Ute Dohmann-Bannenberg. So zählen zum Beispiel der Hagen, der Schützenteich, der Osthagen, der Hagen im Süden an den Maschbachwiesen und der Judenhagen zu einem noch sichtbaren Teil der alten Borgentreicher Stadtbefestigung. „Was macht unsere Stadt lebenswert? Das sind die Orgel, die Geschichte und Denkmäler, die die Geschichte bezeugen“, unterstreicht die Borgentreicherin.Kinder kennen den Grüngürtel als Abenteuerspielplatz „Wohl jedes Kind aus Borgentreich kennt den Grüngürtel als Abenteuerspielplatz und Naturentdeckungsraum“, erinnert sie sich auch an die eigene Jugend. Und so soll das auch zukünftig sein. Denn auch der ökologische Aspekt sei zu berücksichtigen. So sollen die naturbelassenen Flächen als Schutzraum für Insekten und Tiere erhalten bleiben. Die parkähnliche Gestaltung des Judenhagen im vergangenen Jahr sei da eher ein Negativbeispiel. Im dauerhaften Schutz und der Erlebbarmachung des Grüngürtels auf dem ehemaligen Schutzwall sehen die Aktiven sogar Potenzial für die Stadt. Der viel genutzte Fußweg durch den Hagen, als Verbindung von der Lehmtorstraße zur Neutorstraße, müsse daher in jedem Fall erhalten bleiben.Unterschriftenaktion wird angenommen Die Unterschriftenaktion hat bereits jetzt eine gute Resonanz gefunden. Wer sich noch in die Unterschriftenliste eintragen möchte, kann das im ehemaligen Handarbeitsgeschäft Lotze von Monika Göke in der Marktstraße tun. Die Aktiven haben bereits eine Facebook-Seite eingerichtet. Interessierte können sich unter www.facebook.com/denk.mal.borgentreich informieren. Eine Entscheidung über die Änderung des Bebauungsplans soll in der Ratssitzung am 21. November fallen. Borgentreich war im Mittelalter eine der vier Hauptstädte des Hochstifts Paderborn. Im Jahr 1280 erhielt Borgentreich die Stadtrechte. Zu dieser Zeit entstand die sechs bis acht Meter hohe Stadtmauer, die die Stadt umgab. Ihr vorgelagert waren verschiedene Wallanlagen, Gräben und Teiche. Borgentreich besaß drei Stadttore und sieben Stadttürme, von denen der Balkenturm am Schützenteich als einziger noch erhalten ist.Der Grüngürtel hat eine lange Geschichte Die Borgentreicher Stadtmauer wurde nach dem großen Stadtbrand 1806 abgetragen und das Material zum Hausbau genutzt. Die Wallanlagen sind auch heute noch gut zu erkennen und legen sich wie ein Grüngürtel um den historischen Stadtkern. In der Wallanlage am Hagen wurde von den Zisterziensermönchen, die ihren Sitz im Steinernen Haus hatten, ein Gewölbekeller erbaut. Dieser „Felsenkeller“ diente zur Lagerung von Eis und ist auch heute noch erhalten. Während der Kriegshandlungen Ostern 1945 fanden die Borgentreicher hier Zuflucht, während die Stadt großflächig zerstört wurde.

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