Händler auf dem Marktplatz - © Angelina Kuhlmann
Händler auf dem Marktplatz | © Angelina Kuhlmann

Kreis Höxter Ernteeinbruch: Es gibt zu wenig Äpfel

Viele Apfelbauern sprechen von der schlechtesten Ernte seit einem Vierteljahrhundert. Eine späte Frostperiode zerstörte im April auch im Warburger Land viele Apfelblüten

Angelina Kuhlmann

Warburger Land/Höxter. In der Mosterei Peters in Willabadessen ist wenig los. Weniger als bisher. „Die letzten zwei Jahre waren gut", sagt Dirk Peters. In diesem Jahr seien einige Stammkunde aber nicht gekommen. Die schlechte Apfelernte spürt der Mostereibetreiber deutlich. In der Mosterei werden regionale Äpfel verarbeitet Seit 2014 betreiben Dirk und Karin Peters hauptberuflich die Mosterei im Stadtkern. Sie verdienen ihr Geld damit, dass sie Äpfel von Privatpersonen mosten. Das bedeutet, dass die Früchte gewaschen, gemahlen und danach gepresst werden. Der dadurch gewonnene Saft wird dann wärmebehandelt und in Saftboxen abgefüllt. Den können die Kunden trinkfertig mit nach Hause nehmen. Zusätzlich haben die Peters eigene Äpfel, deren Saft sie verkaufen.Als Mosterei sind sie also darauf angewiesen, dass Kunden mit ihren selbstgeernteten Äpfeln vorbeikommen und diese verarbeiten lassen. In den vergangenen zwei Jahren lief das richtig gut. Zum Glück, sagt Dirk Peters, haben sie da Geld zurückgelegt. Darauf sind sie in diesem Jahr angewiesen. Der Apfel-Markt steckt in einer Krise Die schwindende Apfel-Kauflust der Deutschen und die Russland-Sanktionen sind zwei Gründe, die genannt werden, wenn es allgemein um den nicht allzu rosigen Stand des Apfel-Marktes in der Bundesrepublik geht. Apfelbauern melden schon seit mehreren Jahren, dass es immer schwieriger werde, vom Anbau und Verkauf des Baumobstes in der Bundesrepublik zu leben.Unerwarteter Frost lässt Blüten absterben In diesem Jahr kommt ein weiteres Ereignis erschwerend hinzu: Ende April gab es in einigen Regionen noch mal Frost. Viele Obstblüten überstanden das nicht und starben ab. Darunter auch die Apfelblüten. Was die Apfelbauern da schon ahnten, wurde in der Erntezeit zur Gewissheit: Sie konnten deutschlandweit nur etwa die Hälfte der Ernteeinträge einfahren. Ein großer Verlust. Glaubt man den Berichten, traf das besonders auf die Obstbaugebiete im Alten Land in Niedersachsen zu. Die genauen Zahlen für Deutschland: "Bei den Äpfeln gab es einen Verlust von 60 bis 70 Prozent" Einige große Betriebe im Alten Land haben jedoch die Möglichkeit mit einer Überkopf-Bewässerung zu arbeiten, und so ein Abfrieren der Blüten zu verhindern, erzählt Marion Wittrock, Inhaberin der Obstplantagen Klaus Wittrock in Höxter. Hier in der Region könne man dagegen kaum etwas machen. Ihr Betrieb verzeichne eine schlechtere Ernte bei allen angebauten Obstsorten. „Unsere Zwetschgen konnten wir teilweise gar nicht ernten", sagt sie. Bei den Äpfeln hätte es einen Verlust von 60 bis 70 Prozent gegeben. Die fehlenden Früchte machen sich in ihren Einnahmen stark bemerkbar. Sie selber kann sich nicht erinnern, eine ähnlich Ernte erlebt zu haben. Nur ihr Vater habe berichtet, dass Mitte der Neunzigerjahre ein Kilo Äpfel mal fünf Mark gekostet habe.Auch bei den Peters von der Mosterei haben nur sieben von 30 Bäumen im eigenen Garten getragen. Ein Kunde habe angerufen und mitgeteilt, dass an keinem seiner 100 Bäume eine Frucht zu finden war. Ein herber finanzieller Einbruch Was für Privatleute mit einigen Apfelbäumen vielleicht nicht so schlimm ist, ist für Obstbauer und Mosterein in der Region ein herber finanzieller Einbruch. Den Eigenbedarf kann man immer noch im Lebensmittelgeschäft oder auf dem Markt decken: Denn noch gibt es Äpfel und außerhalb Deutschlands gibt es so oder so genug. „Wir haben Angebote aus Polen, die sagen uns, dass sie uns Äpfel tonnenweise vor die Tür kippen können", sagt Dirk Peters.Die Händler auf dem Markt sind gelassener Die Händler auf dem Warburger Markt sehen der „Apfelkrise" ebenfalls eher gelassen entgegen. „Bei meinem Angebot gibt es keinen großen Rückgang. Die Äpfel sind höchstens etwas teurer", sagt Marktbeschicker Felix Hagelüke. Durchschnittlich koste ein Kilo Äpfel bei ihm momentan 2,20 Euro. Aus Polen gäbe es die Kernfrüchte schon für 99 Cent. Die Obstbauern im Kreis Höxter und Paderborn hätten aber schon Ernteeinbußen. Ein Großhändler hat ihm gesagt, dass die geernteten deutschen Äpfel auf jeden Fall bis Ende Februar reichen würden. In einer Pressemitteilung vom Bundesministerium für Landwirtschaft und Ernährung aus dem vergangenen Jahr steht, dass Äpfel aus deutscher Erzeugung eigentlich das ganze Jahr lang verfügbar sind.Mario Behrend, Gemüsehändler aus Langenthal, ist optimistischer als Hagelüke: Er schätzt, dass die Ernte bis Juni kommenden Jahres ausreichen werde. Seine eigene Obsternte war erstaunlicherweise gut. Da es aber nicht so viele Äpfel gebe, biete er die eigenen nun auf dem Markt an, anstatt sie zur Mosterei zu bringen. „Ein Kilo kostet 30 Cent mehr gegenüber dem letzten Jahr", sagt er. Frostige Auswirkungen des Klimawandels Dem Konsument, der sein Obst im Supermarkt kauft und wenig auf die regionale Herkunft schaut, wird die schlechte Apfelernte im Land wohl kaum auffallen. Mostereien, die auf regionale Äpfel angewiesen sind und Obstbauern, die in der Region anbauen, treffen die frostigen Auswirkungen des Klimawandels jedoch stark.

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