Akzente setzendes Verständnis: Raphaela Gromes und Julian Riem beim Warburger Meisterkonzert. - © Dieter Scholz
Akzente setzendes Verständnis: Raphaela Gromes und Julian Riem beim Warburger Meisterkonzert. | © Dieter Scholz

Warburg Warburger Konzertabend beschert furiosen Auftritt

Meisterkonzerte: Mit Raphaela Gromes, Violoncello, und Julian Riem, Klavier, entdeckt das Warburger Publikum mediterrane Kammermusik

Dieter Scholz

Warburg. Ein äußerst unterhaltsamer Abend in der Schulaula des Gymnasium Marianum: Das junge Duo Raphaela Gromes und Julian Riem ließen mit feurigen italienischen Momenten in ihrem Konzert am Samstagabend im nasskalten November sehnsüchtig über die Alpen blicken. Zwei Mal 40 Minuten voller Virtuosität und klanglich wohlgesetzter Akzente. Sympathisch der Auftritt, sympathisch das Programm: Unter dem Titel "Serenata Italiana" gab die Preisträgerin des Deutschen Musikwettbewerbs im vergangenen Jahr und ihr Begleiter am Klavier Werke italienischer Komponisten der Spätromantik zum Besten. Busoni, Martucci, Rossini, so die bekannten Namen. Dazu eine Bearbeitung des Figaro-Themas aus der Rossini-Oper "Der Barbier von Sevilla" von Mario Castelnuovo-Tedesco und ein Stück der im Alter von 104 Jahren im Januar dieses Jahres verstorbenen Komponistin Matilde Capuis. Nicht nur die leidenschaftlich dargebotenen hinreißenden Melodiebögen ihres "Animato con passione" betörten vor dem virtuosen Höhepunkt des Abends: Die jazzig angehauchte Paraphrase des berühmten "Largo al factotum" aus Rossinis "Barbier von Sevilla" riss das Publikum gar zu feiernden Bravo-Rufen hin. Dazu bedarf es nicht der großen Opernbühnen "Heute hören Sie Musik, die in Warburg sicher noch nicht zu hören war", hatte der Münchner Pianist Julian Riem zu Beginn ins Programm eingeführt. Und es sollte in der Tat abseits der grandiosen Opernkompostionen aus dem ausgehenden 19. Jahrhundert jenseits der Alpen für den Musikliebhaber eine Entdeckung werden. Den Aufgalopp markierte die Serenata op. 34 für Cello und Klavier des 16-jährigen Feruccio Busoni. Ein klassisches Ständchen "des Verehrers aus der venezianischen Gondel an die Geliebte auf dem Balkon", gab Riem das Ambiente des Stücks und damit auch die Leidenschaft des Vortrags vor. Dann die Offenbarung für den Klassikfan: Guiseppe Matuccci (1856-1909) gilt als Vorreiter italienischer Kammermusik. Gromes und Riem stellten aus seinen weniger bekannten Kompositionen die Sonate fis-moll op. 52 vor. Die Form (Allegro, Scherzo, Intermezzo, Finale) klassisch, die Harmonien schwebend, die Intonation feingliedrig. Vier Sätze, die die Seufzer des Lebens auf Cello- und Klaviersaiten klangstark in Szene setzen. Dazu bedarf es nicht unbedingt der großen Bühnen der Opernhäuser. Besonders ausdrucksstark das Spiel der jungen Cellistin Raphaela Gromes im lebhaft-sprudelnden Final-Satz. Gromes und ihr langjährigen Duopartner Riem präsentierten die Rarität mit einer faszinierenden Selbstverständlichkeit, fanden immer die ideale Balance im Zusammenspiel. Technisch brillant wusste Gromes auf ihrem Cello von Jean-Baptiste Vuillaume aus dem Jahr 1855 leichthändig jeder Phrase eine kantable Note zu geben. Ebenso zart und gleichzeitig furios virtuos Rossinis "Une larme". »Sehen Sie, deswegen bin ich hier« Im Auftritt des Figaro auf der Marianum-Schulbühne gipfelte dann das Programm. Die humoreske Charakterstudie des mit seiner Eitelkeit kokettierenden Frisörs aus der Rossini-Welt ist sicherlich ein Paradestück für die herausragende unbändige Spielfreude der Cellistin aus München. Rasant mit vehementer körperlicher Präsenz wiedergegeben: "Sehen Sie, deswegen bin ich hier, dafür lohnt sich die weite Anreise", bekannte ein Konzertbesucher aus dem badischen Freiburg im brandenden Applaus des Warburger Publikums.

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