Produktvielfalt: Prokurist Burkhard Sturm zeigt im prall gefüllten Formlight-Lager Formteile für Wohnwagen und Caravans. - © Hermann Ludwig
Produktvielfalt: Prokurist Burkhard Sturm zeigt im prall gefüllten Formlight-Lager Formteile für Wohnwagen und Caravans. | © Hermann Ludwig

Warburg Warburger Unternehmen Formlight entwickelt sich rasant

Lokale Wirtschaft: Neubaumaßnahmen des Unternehmens im Speckgraben. Geschäftsführer Michael Striewski setzt sich für den Bau der Lehrwerkstatt ein. Rasante Entwicklung seit der Übernahme im Jahre 2013. Gesamtinvestition von fünf Millionen Euro für die Zukunftssicherung

Hermann Ludwig

Warburg. "Wir modernisieren für die Zukunft", unter dieser Überschrift stehen umfassende Modernisierungs- und Neubaumaßnahmen des Unternehmens Formlight im Speckgraben. Geschäftsführer Michael Striewski freut sich über die rasante Entwicklung des Unternehmens, das vornehmlich Formteile für Wohnwagen und Reisemobile entwickelt und baut. Formlight ist als selbstständiges Unternehmen Teil der Hobby-Gruppe in Fockbek, zu der renommierte Unternehmen wie Fendt-Caravan in Mertingen gehören. Als in der Branche anerkannter Hersteller von ummantelten Profilen und Möbelteilen mit besonderen Lösungen in Leichtbauweise werden auch andere Kunden als Hobby und Fendt beliefert. "Wir haben mit unseren erfahrenen Mitarbeitern Lösungen entwickelt, die Mitbewerber nicht beherrschen", sagt Werkleiter und Prokurist Ulrich Benkel. Das Know-How im Unternehmen hat uns damals überzeugt Diese besonderen Produktlösungen waren es auch, die für die Familie Striewski den Ausschlag gaben, das Warburger Unternehmen 2013 als eigenständiges Unternehmen in die Unternehmensgruppe Hobby zu integrieren. "Für mich war damals wichtig, dass die Führungskräfte zugesichert haben, dass sie in dem Unternehmen bleiben und die Mitarbeiter und der Betriebsrat mitgezogen haben", erklärt Michael Striewski. Ein befristeter Gehaltsverzicht aller Mitarbeiter für drei Jahre und die Zusage einer Wochenarbeitszeit von 40 Stunden waren ebenfalls wichtige Starthilfen beim Neuaufbau. Die in Schleswig-Holstein ansässige Hobby-Gruppe ließ damals noch etwa 50 Prozent der Möbelteile in Italien fertigen. Mit dem Modellwechsel im Frühjahr 2013 kamen auf das Warburger Werk dann einige neue Aufträge aus der Hobby-Gruppe zu. "Die Zuverlässigkeit bei den Lieferterminen und die Qualität und Flexibilität waren damals unsere Basis", erklärt Prokurist Burkhard Sturm, der seit 2000 im Unternehmen ist. Zwei Jahre später kam Werkleiter Ulrich Benkel ins Unternehmen, der mit den motivierten Mitarbeitern das Segment Leichtbau für die Wohnwagenindustrie immer weiter zu einem Standbein des Unternehmens aufbaute. "Wir sind mit den Aufgaben und den Herausforderungen in diesem Marktsegment immer weiter gewachsen und haben uns weiter entwickelt", ergänzt Sturm. "Wir haben im wahrsten Sinne viel bewegt, keine der alten Maschinen ist noch am gleichen Platz, hinzu kommen viele moderne Maschinen, die unsere Effizienz weiter erhöhen", freut sich Benkel über eine spannende Aufgabe als Werkleiter, denn viele Umbauten erfolgten bei laufendem Fertigungsbetrieb. "Das Know-How im Unternehmen hat uns damals überzeugt, das Unternehmen komplett zu kaufen", betont Striewski, der sich enorm über die gute Zusammenarbeit freut. "Die Mitarbeiter stehen auch hinter der Geschäftsführung", sagt Striewski, der sich jetzt beim gelungenen Betriebsfest mit den Familien der Mitarbeiter riesig über einen Präsentkorb freute, den ihm die Mitarbeiter wohl auch als Geste für den Erhalt der damals 52 Arbeitsplätze überreichten. Heute beschäftigt das Unternehmen 128 Mitarbeiter. "Das war damals ein Sechser im Lotto", erinnert sich Prokurist Burkhard Sturm. "Für uns hat sich ausgezahlt, dass wir in der Fertigung von Möbelteilen für dieses Segment besondere Lösungen parat hatten", erklärt Ulrich Benkel. Angesichts des Preisdrucks in der Möbelindustrie hatte sich die Nische Leichtbau für den Caravan-Sektor mehr und mehr zu einer tragfähigen Basis für das Warburger Unternehmen entwickelt. Auch in Zukunft wird der Leichtbau beherrschendes Thema sein, gerade mit Blick auf die weitere Entwicklung hin zur E-Mobilität. "Wir bereiten uns darauf vor und werden Lösungen finden", meint Michael Striewski zuversichtlich. "Wir alle sind stolz darauf, dass wir die positive Entwicklung gemeinsam geschafft haben", stellt Firmenchef Striewski heraus. Zu Beginn der Übernahme wurden im Unternehmen etwa 60.000 Teile im Monat produziert, heute sind es 120.000 Möbelteile. Dabei sind die Produktionslinien ungemein flexibel. Angesichts der vielen Modellvarianten der Wohnwagen und Reisemobile gibt es eine Produktionstiefe von mehr als 10.000 verschiedenen Teilen: Dabei sind Highlights wie die durchgehende Kühlschrankfront mit Isolierschicht. Herausfordernd sind auch die diversen Formteile mit den edlen Dekoren und Materialien. Verschieden stark gewölbte Klappen sind eine technische Meisterleistung. Formteile in Vollsperrholz mit komplizierten Radiengeometrien sind beispielsweise aufgebaut aus drei Millimeter starkem Pappelsperrholz, und einer Decklage aus HDF-Decks, die bereits mit Dekorfolie ausgestattet ist. Geformt wird das alles auf einer Membranpresse. Bei einigen Formteilen beziehungsweise geraden Möbelteilen in Leichtbauweise wird in der Mittellage ein Wabenkonstrukt aus Pappe verwendet, das bei Formlight selbst zugeschnitten wird. Wenn es auf besondere Festigkeit ankommt, werden HDF-Platten oder ein spezieller Hartschaum (XPS) eingesetzt. Michael Striewski, der seit April 2015 als Nachfolger seines Vaters Harald Striewski (80) Geschäftsführer der Hobby-Wohnwagenwerk GmbH ist, bekennt sich zum Standort Deutschland und einer hohen Fertigungstiefe. Bei Hobby baut man sogar Caravan-Chassis und Rahmenverlängerungen für Reisemobile selbst. Zum Unternehmen gehört auch eine eigene Feuerverzinkerei. Die Gewinne bleiben im Unternehmen und werden investiert "Die Gewinne bleiben im Unternehmen und werden nachhaltig investiert. Wenn wir Mitarbeiter einstellen, wollen wir ihnen auch einen sicheren zukunftsfähigen Arbeitsplatz bieten", meint Michael Striewski. "Vom ersten Tag bis zum nächsten Jahr, wenn die Modernisierung abgeschlossen ist, haben wir rund fünf Millionen Euro in Warburg investiert", bilanziert der Diplom Ingenieur, dem besonders der Neubau der Lehrwerkstatt am Herzen lag. Sechs Auszubildende beschäftigt das Unternehmen, auch im nächsten Jahr werden wieder Nachwuchskräfte eingestellt. "Angesichts unserer Altersstruktur im Betrieb müssen wir neue Mitarbeiter finden. Da insgesamt Mangel an Fachkräften herrscht, bilden wir am besten selbst aus", so Striewski, dessen Unternehmen neben Facharbeitern wie Tischler und Holztechniker auch Produktionshelfer und Aushilfen sucht. "Gesucht werden auch Reinigungskräfte, um den modernisierten und sanierten Betrieb in Schuss zu halten", fügt Ulrich Benkel an. Striewski sieht für die nächsten beiden Geschäftsjahre gefüllte Auftragsbücher, auch um die Zukunft ist ihm nicht bange, zumal noch viele Ideen umgesetzt werden können. In der Caravanbranche wird wie bei den Autofirmen das Geschäftsjahr vom 1. August bis zum 31. Juli saldiert. Das erste volle Geschäftsjahr nach der Übernahme erbrachte einen Umsatz von 7,7 Millionen Euro, das gerade abgelaufene Geschäftsjahr 2017 wies einen Umsatz von 12,5 Millionen Euro aus. Bei den Unternehmen Hobby und Fendt geht Michael Striewski im nächsten Geschäftsjahr von einer Steigerungsrate von zehn Prozent aus, für Formlight erwartet er eine Steigerung beim Umsatz von 15 Prozent.

realisiert durch evolver group