Zu diesem Haydn kann man sich ruhig gratulieren: Erste Violinistin Akemi Hasegawa (v. l.), Konzertmeister Darius Durczok und Dirigent Paul Meyer. - © Burkhard Battran
Zu diesem Haydn kann man sich ruhig gratulieren: Erste Violinistin Akemi Hasegawa (v. l.), Konzertmeister Darius Durczok und Dirigent Paul Meyer. | © Burkhard Battran

Warburg Meisterkonzert: Großes Ensemble auf der Bühne

Es ist guter Brauch, zur Oktoberwoche die neue Saison zu beginnen

Burkhard Battran

Warburg. Wer beschwert sich da, es hätte keine Zugabe gegeben? Es gab zwar keine am Ende, dafür wurde sie schon vor der Pause gespielt. Manch einer war gedanklich schon bei Sekt und Mineralwasser, als Dirigent und Klarinettist Paul Meyer (52) noch einmal zum Instrument griff und ganz leise eine bekannte Melodie anstimmte. Kein Klassik-Klassiker sondern eine betörende Musicalmelodie. "Send in the Clowns", eine Ballade aus dem Jahr 1973 aus der Hand der schwedischen Meisterfeder Stephen Sondheim, 1985 in der Version von Oscar-Preisträgerin Barbra Streisand weltberühmt geworden - allerdings dort mit einem Oboen-Intro. Die schönste Version aber hat Judy Collins zehn Jahre zuvor aufgenommen - und zwar mit Klarinetten-Intro. In diese kleine Melodie legte Meyer seine ganze Instrumentalkunst. Es ist dieser vollkommen gesangliche Ton, der mehr an ein Streich- als ein Blasinstrument erinnert, der den Elsässer zum bekanntesten Klarinettisten Frankreichs gemacht hat. Und es schien als er hätte er die Worte gleich mit in seine Intonation gelegt: Isn't it rich? Are we a pair? Me here, at last, on the ground, You in mid-air. Send in the clowns. Das war aber nur eine Randnotiz in einem Festkonzert, das auch dem großen Jubiläum gerecht geworden wäre, wenn die Warburger Oktoberwoche im nächsten Jahr ihr 70-jähriges Bestehen feiert. Das Mannheimer Kurpfälzische Kammerorchester besteht ja eigentlich nur aus einem Dutzend Streichern. Für das Warburger Meisterkonzert hatte sich das Ensemble mit zahlreichen Gastmusikern mal locker verdoppelt. Darunter auch vier Bläser für die Eröffnung mit Mozarts 17. Sinfonie, die die Kurpfälzer trotz der instrumentalen Fülle luftig und transparent gestalteten. Darauf folgte mit Gerald Finzis Klarinettenkonzert das programmatische Hauptwerk des Abends, das aber nicht wirklich überzeugen konnte. Vielleicht fehlte es dem Orchester an der richtigen Führung, weil Dirigent Meyer das Werk als Solist mitgestaltete. Vielleicht ist das 20. Jahrhundert auch nicht die Ära der Kurpfälzer, die so wunderbar in der Wiener Klassik schwelgen können. Das demonstrierten die Mannheimer beim großen Finale mit Haydns D-Dur-Sinfonie. Hier spielten auch die vier Mozart-Bläser wieder mit, die zusätzlich auch noch einen Pauker mit auf die Bühne brachten und 25-köpfig in fulminant festlicher Weise die neue Meisterkonzert-Saison eröffneten. Mit minutenlangem Applaus wurde das mitreißende Hayden-Finale gefeiert, der so lange brandete, bis der letzte Musiker die Marianum-Aula verlassen hatte.

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