Der Wolf: Kaum ein Tier ruft so gegensätzliche Emotionen hervor wie der Wolf. Sie reichen von Begeisterung bis Angst. Die Verantwortlichen des Waldinformationszentrum wollen die Diskussion versachlichen und mehr Wissen über den Wolf vermitteln, der bereits ausgerottet war. Foto: Jens Büttner/dpa - © usage worldwide
Der Wolf: Kaum ein Tier ruft so gegensätzliche Emotionen hervor wie der Wolf. Sie reichen von Begeisterung bis Angst. Die Verantwortlichen des Waldinformationszentrum wollen die Diskussion versachlichen und mehr Wissen über den Wolf vermitteln, der bereits ausgerottet war. Foto: Jens Büttner/dpa | © usage worldwide

Scherfede Rückkehrer auf leisen Pfoten

Infotag am Hammerhof: Rund 600 Besucher beschäftigten sich am Sonntag am Waldinformationszentrum in Scherfede mit dem Wolf. Das Programm hielt auch abwechslungsreiche Aktionen für Groß und Klein bereit

Anna-Lena Ryczek

Scherfede. Grimms Märchen trug maßgeblich zu seinem Image bei: Der Wolf wird von der Bevölkerung als bedrohlicher Bösewicht wahrgenommen. Er ist wieder da, die Wolfspopulation in Deutschland steigt stetig an und damit nehmen auch die Bedenken vieler Menschen zu. Um sachlich über den Wolf und seine Eigenschaften aufzuklären, stellte das Waldinfozentrum Hammerhof den Rückkehrer vor. Das Leben der Wölfe erlebbar machen – das hat das vielfältige Programm beim Infotag auf dem Hammerhof geschafft. Das Thema hat in Deutschland wieder große Relevanz. „Der Wolf kehrt in unsere Kulturlandschaft zurück“, wissen die Wolfsexperten. Um über den Wolf zu informieren und ihn auch von seinem Image als Bösewicht zu befreien, veranstaltete das Regionalforstamt gemeinsam mit dem Naturschutzbund NABU und mehreren Wolfsexperten aus Film und Fotografie, Kunst und Literatur am Sonntag einen Informationstag.Rund 500 Wölfeleben aktuell in Deutschland Stefan Wenzel, stellvertretender Landesvorsitzender des NABU, hebt die Veränderungen der vergangenen Jahrzehnte heraus. „Es ist langsam an der Zeit, den Wolf als natürlichen Jäger in unseren Wäldern wieder zuzulassen“, sagt Wenzel. Jeder habe Angst vor dem bösen Wolf, doch Fakt sei, dass es bisher keine Übergriffe auf den Menschen gegeben habe, so der Experte. 500 Wölfe leben aktuell in Deutschland. In NRW sind wildlebende Wölfe jedoch bisher nur vergleichsweise selten gesehene Gäste, die meist auf der Durchreise sind. „Wir möchten die Scheu vor dem Wolf nehmen, Aufklärung betreiben und die Menschen für dieses Thema sensibilisieren“, sagt Wenzel. Das Interesse beim Infotag war groß, doch so unterschiedlich die Menschen waren, die an den Aktionen teilnahmen, so unterschiedlich sind ihre Meinungen über den Wolf. Für die einen sind wilde Wölfe faszinierende Lebewesen, besonders für Landwirte und Schäfer stellen sie in erster Linie aber eine Gefahr für ihre Herden dar. „Das ist vollkommen in Ordnung, wir wollen hier niemanden bekehren“, sagt Jan Preller, Leiter des Waldinfozentrums. »Erstmals im ländlichen Raum zu sehen« Dass die Ausstellung des NABUs am Hammerhof gastiert, darauf sind die Verantwortlichen besonders stolz. „Bisher war die Ausstellung nur in den großen Zoos zu Gast. Wir freuen uns, dass diese Wolfsausstellung erstmals bei uns im ländlichen Raum zu sehen ist“, sagt Preller. Auf die Besucher wartete jedoch nicht nur die NABU-Ausstellung, sondern auch viele spannende Programmpunkte für Besucher jeden Alters. Naturfilmer Axel Gomille fing die scheuen Rückkehrer mit seiner Kamera ein und thematisierte in verschiedenen Sequenzen die Frage, „wie wir mit den neuen Nachbarn zusammenleben können“, denn vielen Menschen sei der Wolf ein Dorn im Auge. „Wölfe sind streng geschützt, illegale Tötungen sind strafbar“, klärt Gomille in seinem Film auf. Wölfe gab es früher überall in Deutschland, heute ist das Hauptgebiet in der Lausitz. Doch der Bestand wächst um bis zu 20 Prozent jährlich. „Wilde Wölfe leben in einer Kleinfamilie und sind von Natur aus vorsichtig“, weiß der Naturfilmer. Fast alle Nutztierhalter fürchteten die Rückkehr. Wolfsrisse bestärken die Landwirte in der Meinung, die Tiere wieder bejagen zu müssen. „In der Lausitz wurde an anderen Lösungen gearbeitet. Schafsherden können durch Herdenschutzhunde vor Wolfsübergriffen geschützt werden, höhere Zäune sind unvermeidbar“, wissen die Experten. Um dieses Problem genauer zu thematisieren war auch Ulf Helming, Hobbyschäfer und Wolfsbeauftragter des Schafzuchtverbands in Nordrhein-Westfalen, mit einer Schafsherde vor Ort. „Aktuell ist das Thema in NRW noch nicht so akut, doch der Wolf wird sich ausbreiten“, sagt Helming. Der Wolf sei ein Beutegreifer, deshalb würden in den Regionen, in denen Wölfe leben, andere Vorkehrungen nötig. „Höhere Umzäunungen, mehr Arbeitsstunden und anderes Material sind ein Muss“, so der Schafsexperte. Auch die Kinder kamen beim Aktionstag zum Wolf auf ihre Kosten. Ein humorvoll aufgearbeitetes Theaterstück und eine Märchenstunde über den Wolf weckten das Interesse bei den jungen Besuchern, aber auch beim Wolfscartoon zeichnen, basteln, Spuren lesen und Gipsabdrücke gießen sowie bei der Wolfs-Rallye hatten die Kinder ihren Spaß. Die Erwachsenen waren begeistert von den eindrucksvollen Bildern, die Naturfilmer Axel Gomille und sein Kollege Sebastian Koerner in den vergangenen Jahren in der Lausitz eingefangen haben. „Es hat mich total fasziniert, dass das Phänomen Wolf wieder vor unserer Haustür stattfindet“, sagt Gomille, der den Besuchern auch im Gespräch zur Verfügung stand. Stolz präsentierte der Filmemacher, Zoologe und Tierkundler den ersten Bildband über wildlebende Wölfe, der unter seiner Regie entstanden ist.

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