Stehen mit Rat und Tat zur Seite: Hildegard Blass (v. l.) und Uta Heilemann-Kleine vom Pflegekinderdienst des Soialdienstes katholischer Frauen, Silke Merkel von der Adoptionsvermittlungsstelle Kreis Höxter, Referentin Sunitra Tuli, Skf-Geschäftsführerin Gertrud Flore, Annette Krawinkel-Zlatkov von der Adoptionsvermittlungsstelle und Huberta Nolte vom SkF-Pflegekinderdienst. - © SkF
Stehen mit Rat und Tat zur Seite: Hildegard Blass (v. l.) und Uta Heilemann-Kleine vom Pflegekinderdienst des Soialdienstes katholischer Frauen, Silke Merkel von der Adoptionsvermittlungsstelle Kreis Höxter, Referentin Sunitra Tuli, Skf-Geschäftsführerin Gertrud Flore, Annette Krawinkel-Zlatkov von der Adoptionsvermittlungsstelle und Huberta Nolte vom SkF-Pflegekinderdienst. | © SkF

Warburg/Kreis Höxter Pflegekinder bringen ihre Vergangenheit mit

Hilfe und Beratung: Im Alltag von Adoptiv- und Pflegefamilien fallen immer wieder Verhaltensweisen der Kinder auf, die für die Erwachsenen eine starke Herausforderung bedeuten

Dieter Scholz

Warburg/Kreis Höxter. Seit zwei Jahrzehnten finden im Kreis Höxter Pflegefamilien Beratung durch die Mitarbeiterinnen des Sozialdienstes katholischer Frauen (SkF) Warburg. Im Altkreis Warburg bereits seit seit 1931. Der SkF und die langjährigen Kooperationspartner von der Adoptionsvermittlungsstelle des Kreises Höxter hatten jetzt nach Brakel zu einer besonderen Veranstaltung eingeladen. Im Raum stand die Frage "Was bewirken kindliche traumatische Erlebnisse von früher in unserem Heute?". "Immer wieder fallen im Alltag von Adoptiv- und Pflegefamilien Verhaltensweisen der Kinder auf, die eine starke Herausforderung für die begleitenden Erwachsenen bedeuten", sagt SkF-Geschäftsführerin Gertrud Flore. Bei der Erforschung der Gründe stellten sich die Pflegeeltern häufig Fragen wie: "Warum ist mein Kind so bockig?, warum so ungeduldig?, warum so unkonzentriert?, warum so angriffslustig?, warum so lustlos?, warum so verweigernd?". »Jedes Verhalten eines Kindes hat einen guten Sinn« Auf all diese Fragen versuchte die Referentin Sunitra Tuli Antworten zu geben. Sunitra Tuli unterhält in Münster eine psychologische Praxis. Sie war lange Jahre als Beraterin von westfälischen Pflegefamilien tätig und steht als Diplom-Psychologin, Systemische Familientherapeutin und Traumapädagogische Begleiterin für Adoptiv- und Pflegefamilien zur Verfügung. Tuli stellte in ihren Ausführungen dar, wie sich traumatische Erlebnisse im körperlichen, kognitiven und psychischen Bereich sowie auf der Beziehungsebene auswirken. "Jedes Verhalten eines Kindes hat einen guten Sinn", so die Referentin. Die Kinder entwickelten aufgrund traumatischer lebensbedrohlicher Situationen Überlebensstrategien, die mit dem Kind auch in die Adoptiv- und Pflegefamilien einzögen. In den Adoptiv- und Pflegefamilien besteht für die Kinder die Chance, in einem geordneten und geschützten Lebensraum die nicht angepassten Verhaltensweisen aufzulösen und zu verändern. "Die neuen Eltern haben einen sehr großen Anteil daran, dass Kinder aus der Spirale der Angst und Ohnmacht zumindest anteilig herauskommen können", meinte Sunitra Tuli. "Durch die geregelte und verlässliche Gestaltung des Alltags durch die Adoptiv- und Pflegeeltern erfahren Kinder Regeln und Strukturen, die ihnen neben der liebevollen Zuwendung Schutz und Sicherheit vermitteln." Dabei machten Adoptiv- und Pflegeeltern allerdings auch immer wieder die Erfahrung, dass es Menschen gebe, "die nicht wahrhaben wollen, dass kleine Kinder bereits Erlebnisse gemacht haben, die sich lebenslang auf ihr Verhalten auswirken", schränkte Tuli ein. "Dadurch sehen sie sich nicht selten der Unempfindlichkeit und verletzender Verallgemeinerung ihrer Zeitgenossen ausgesetzt." Dabei brauchten sie Menschen, die sie verstehen. "Unsere begleitende Fachberatung versucht Unterstützung und Hilfe zu geben", sagt Gertrud Flore. Der Warburger Sozialdienst katholischer Frauen bietet darüber hinaus für alle Pflegeeltern und Pflegekinder Gesprächskreise und Kontaktmöglichkeiten an.

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