Verregnet: Samstagmittag trauten sich nur wenige Besucher vor die Tür. - © Anna-Lena Ryczek
Verregnet: Samstagmittag trauten sich nur wenige Besucher vor die Tür. | © Anna-Lena Ryczek

Warburg Kälkenfest mit durchwachsener Bilanz

Freitag fiel das Programm gänzlich ins Wasser. Der Sonntag war mit strahlendem Sonnenschein, zwei Bürgerspielen, Tanz und Musik ein absoluter Besuchermagnet

Anna-Lena Ryczek

Warburg. Er prasselte am Wochenende auf die Tische und Bänke, die auf dem Altstädter Marktplatz aufgebaut waren, aber noch mehr schlug der Dauerregen vielen Kälkenfestbesuchern und auch den Organisatoren aufs Gemüt. Hatte Heimat- und Verkehrsvereinsvorsitzender Klaus Stalze noch im vergangenen Jahr die Premiere mit Sonnenschein und bestem Wetter gelobt. Es sollte vorerst eine Premiere bleiben. Am Freitag fiel das geplante Festprogramm gänzlich ins Wasser, dafür war der Sonntag ein Höhepunkt bei Sonnenschein. "So ein verregnetes Kälkenfest hatten wir lange nicht mehr", raunten sich die Gäste am Samstagnachmittag an den Tischen zu. Der Regen sorgte für Unmut. Nur die Kinder, ausgestattet mit farbenfrohen Gummistiefeln, hatten kein Problem mit dem nassgrauen Wetter. Der Flohmarkt in der Kohlscheinstraße litt am Samstag ebenfalls unter den Wetterbedingungen. Die Standbetreiber, die keine Möglichkeit gehabt hätten, sich unterzustellen, kamen erst gar nicht. Am Sonntag sah die Welt in der Altstadt dann weniger trüb aus: Die Sonne zeigte sich den gesamten Nachmittag und auch der Flohmarkt in den Straßen rund um den Marktplatz zog einige Besucher zum Kälkenfest. Für viele Warburger ist die frisch gekochte Erbsensuppe vom Warburger Männerchor ein kulinarischer Höhepunkt des Festes. "Wir haben mit 15 Sängern Gemüse geputzt, Kartoffeln geschält und alles vorbereitet", sagt Paul Tos vom Warburger Männerchor. Seit rund 20 Jahren stehen die Sänger am Samstag und Sonntag zur Mittagszeit auf dem Marktplatz und verkaufen deftige Erbsensuppe. "Wir treffen uns freitags, bereiten die Erbsensuppe vor und ich stehe dann ab sechs und an der Gulaschkanone und bereite die Suppe frisch zu", so Tos, der auch als Chefkoch des Männerchors gilt. Rund 250 Portionen hatten die Sänger pro Tag im Gepäck. Der Aufwand wurde auch in diesem Jahr belohnt, auch wenn sich am Samstag viele Besucher die Suppe in Kochtöpfe füllen ließen, um sie dann daheim im Trockenen zu genießen. Die hartgesonnen, die die Suppe direkt auf dem Marktplatz löffelten, fanden unter den großen Regenschirmen und im überdachten Bühnenbereich Unterschlupf. "Alles halb so wild, wir nehmen es so, wie es kommt", sagt Tos lachend. Auch Veranstalter Klaus Stalze sah die Situation am Wochenende gelassen. "Das ist das Risiko einer Open-Air-Veranstaltung", weiß Stalze. Das Rahmenprogramm am Samstag fand wie geplant statt und zu den Warburger Ulkgeschichten waren einige Zuschauer auf den Marktplatz gekommen. In der diesjährigen Kurzaufführung ging es - ebenso wie in einem der Bürgerspiele - um die Bahn. Weil Kaufmann Heinrich Urban keinen Sitzplatz in der Bahn nach Paderborn findet, muss sich der Schelm anders helfen. Mit einer List sorgt er für ein leeres Abteil und für schallendes Gelächter auf dem Marktplatz. Den Besuchern gefiel die kleine kabarettistisch-gereimte Einlage. Am Sonntag zeigte sich Petrus dann versöhnlich. Mit den ersten Sonnenstrahlen tummelten sich auch zahlreiche Besucher zum Trödeln und Schlemmen in die Altstadt. Am Sonntagnachmittag zeigten die Schauspieler auf der Bühne das Bürgerspiel "Wie die Eisenbahn nach Warburg kam" und nahmen dabei die Eigenarten der Warburger auf die Schippe. Zuvor sorgte das Stadt- und Jugendorchester und die Jagdhornbläser des Hegerings für musikalische Unterhaltung. Krönender Abschluss der Kälkenfestzeremonie war die traditionelle "Wasserwippe". Die Verurteilung von Ziegendieb Peter Pannenstiel, erstmals gespielt von Carsten Müller, verfolgten mehrere hundert Warburger mit großer Freude. Den einzig gewollten Schauer verursachte dann Pannenstiel, als er zur Vollstreckung des Urteils drei Mal im Bottich untergetaucht wurde und dabei das Publikum richtig nass machte.

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