Paradiesisch: Der Wald ist nicht nur ein Paradies für den Mensch, wenn er ihn denn mal betritt. Luchse leben dort, verschiedene Arten von Fledermäusen. Und Käfer. - © Katharina Engelhardt
Paradiesisch: Der Wald ist nicht nur ein Paradies für den Mensch, wenn er ihn denn mal betritt. Luchse leben dort, verschiedene Arten von Fledermäusen. Und Käfer. | © Katharina Engelhardt

Scherfede Besucher sollen Wisente bald intensiver erleben können

Katharina Engelhardt

Scherfede. Mehr Nähe zu den Tieren, einen besseren Einblick in das Gehege und vielleicht eine neue Wegeführung: Der Hammerhof plant eine Umgestaltung des Wisentgeheges – und zwar möglicherweise bis tief hinein in ein Areal, das 60 Jahre lang von Menschenhand unberührt geblieben ist. „Wir möchten unsere Wisente und den Wald noch erlebbarer machen", stellt der Leiter des Waldinformationszentrums, Jan Preller, in Aussicht. Den Anstoß zu dieser Idee hat gewissermaßen der Kollege gegeben, Wisentwart Hans-Josef Böning. Und weil er das genau weiß, schaut er seinen Chef fröhlich an: „Wenn ich ihm nicht ständig und immer wieder mit meiner Begeisterung über den Wald des Wisentgeheges in den Ohren gelegen hätte, wäre er nie mitgekommen", sagt der 58-Jährige augenzwinkernd. WISENT ALS GESTALTER Die Rede ist von dem gewaltigen Waldstück, dem Hauptbestandteil des 55 Hektar großen Wisentgeheges am Hammerhof. Seit 60 Jahren lebt dort eine der beiden Wisentherden, völlig ungestört und ohne Einflussnahme. Das Ergebnis: Die Tiere haben in diesem Waldareal ganz besondere, kaum vergleichbare Verhältnisse geschaffen – die auch aus wissenschaftlicher Sicht höchst interessant seien, weiß Jan Preller. „Wir greifen in diesen Bereich so gut wie gar nicht ein", erklärt der Hammerhofchef. Fällarbeiten werden ausschließlich an den Randbereichen vorgenommen, „und auch nur, wenn mal ein Baum über den Zaun ragt", erklärt er. Und selbst betreten die Mitarbeiter das Gelände nur, wenn ein Tier vermisst wird oder verletzt ist. „Ansonsten halten wir uns komplett aus der Natur heraus." Und weil das so ist, musste wohl auch erst Wisentwart Böning seinen Chef dazu anstoßen, sich eingehender mit dem Gelände zu befassen. WERTVOLLE RESSOURCE Die Erkenntnis, dass hier eine wertvolle Ressource brachliegt – für Besucher sowie für Wissenschaftler – reifte dann ganz schnell. „Dieser Wald hat seinen ganz eigenen Zauber", schwärmt Preller und Böning ergänzt: „Es ist wie in einem Paradies." Sanfte Hügel, leichte Hanglage: Dem Besucher offenbart sich eine Waldlandschaft wie aus dem Bilderbuch. Mit ganz wenig Unterholz und Buschwerk: „Weil die Wisente jungen Pflanzennachwuchs abknabbern", erklärt Hans-Josef Böning. Aus Sicht eines Försters übrigens eine suboptimale Situation, denn ein normaler Wald braucht die stete Verjüngung. „Auch wenn die Größe des Areals riesig erscheint, bleibt es ein Gehege. Deshalb können wir solche Dinge anders bewerten", erklärt Jan Preller. Hainbuchen wachsen dort, Ahorne, Eichen natürlich. Hier und da lugen Felsvorsprünge aus der hügeligen Waldlandschaft – Sandsteinfels, der in seiner löchrigen Außenwand vielen Insekten und Kleintieren Schutz bieten. „Unsere Anlage hat eine so spannende Topografie, dass wir über neue Wege nachdenken wollen, wie wir unsere Besucher daran teilhaben lassen können." Dafür habe man sich Hilfe geholt. Tierparkplaner seien bereits vor Ort gewesen. Außerdem stand ein Besuch der Projektvertreter „Zukunftsfit Wandern" des Kulturlands Höxter ins Haus. WANDERGEBIET Die bestehenden Wanderwege sollen optimiert und komplett neu ausgeschildert werden. „Wir können noch nicht sagen, ob es eine gänzlich veränderte Wegeführung geben wird oder eine in kleinen Details modifizierte", sagt Preller. „Auf jeden Fall möchten wir Beobachtungsmöglichkeiten schaffen, die Besuchern das Erlebnis intensiviert." Auch für Wissenschaftler wird Preller die Tore des paradiesischen Wisentwaldes häufiger öffnen. Vor wenigen Wochen haben Käferforscher aus Bielefeld das Artenvorkommen vor Ort untersucht und dabei ganze Nächte im Wald verbracht. Die Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft der westfälisch-lippischen Entomologen zeigten sich angesichts der vielfältigen Insektenlandschaft hellauf begeistert, so Preller. Gefördert werde das Artenreichtum durch Totholz, besonders stehendes, auf dem sich ganze Insektengemeinschaften entwickeln können. Auf zwei Jahre haben die Entomologen ein Programm aufgelegt, dass sich vorerst ausschließlich mit der Arteninventur befassen wird. Das passt in jedem Fall zur Grundidee der Agenda von Jan Preller: wissenschaftlich noch mehr über das Gelände zu erfahren. Und das Wisent weiter als Aushängeschild des Hammerhofes zu stärken.

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