Noch bis Ende der Sommerferien geschlossen: Der Grüne Knollenblätterpilz wurde auf dem Außengelände der Kita Heinturmwichtel in Ossendorf entdeckt. Die nachhaltige Entfernung des Pilzes ist kaum möglich.
Noch bis Ende der Sommerferien geschlossen: Der Grüne Knollenblätterpilz wurde auf dem Außengelände der Kita Heinturmwichtel in Ossendorf entdeckt. Die nachhaltige Entfernung des Pilzes ist kaum möglich.

Ossendorf Giftpilz auf Außengelände einer Warburger Kita entdeckt

Zur Zeit keine Betreuungszeit/Stadt sucht nachhaltige Lösung

Katharina Engelhardt

Gut aufgepasst: Bei einem ihrer täglichen Kontrollgänge entdeckte am Dienstag eine Mitarbeiterin der Kita Heinturmwichtel in Ossendorf Pilze auf dem Außengelände des Kindergartens. Sie hatte gleich den richtigen Riecher: Mit dem Verdacht, möglicherweise den hochgiftigen Knollenblätterpilz entdeckt zu haben, wandte sie sich sofort an die Stadt als Trägerin der Kita. Diese alarmierte umgehend einen Pilzsachverständigen, der sich  vor Ort einen Eindruck verschaffte. „Wir haben ziemlich schnell die Rückmeldung bekommen, dass es sich tatsächlich um den giftigen ’Grünen Knollenblätterpilz’ handelt", sagt der erste Beigeordnete der Stadt, Klaus Braun. Dieser gelblich-grüne Pilz gehört zu den gefährlichsten Sorten Europas – er ist tödlich giftig. „Der Hautkontakt ist zwar unbedenklich", erklärt die Pilz-Sachverständige Marieluise Bongards vom Naturwissenschaftlichen Verein in Bielefeld.„Der Genuss aber kann tödlich sein, der Verzehr eines einzigen Pilzes kann eine ganze Familie lebensgefährlich vergiften." Feuchtwarmes Wetter Bongards und ihre Kollegen werden immer häufiger wegen des Knollenblätterpilzes zurate gezogen: In diesem und dem vergangenen Jahr habe der Verein in ganz OWL vermehrt Meldungen erhalten, denen zufolge sich der Pilz auf  baumbewachsenen Grünanlagen oder Plätzen ausbreite. Der Grund: das feucht-warme Wetter schaffe geradezu paradiesische Lebensbedingungen für die Pilze. „Zum Glück werden in der Kita zurzeit keine Kinder betreut", sagt Klaus Braun erleichtert. Der Betrieb laufe erst nach den Sommerferien wieder an. Zeit genug, um sich auf eine nachhaltige Lösung zu verständigen. Dabei könnte es kompliziert werden. Das Problem bei der Pilz-Bekämpfung bringt  Expertin Bongards auf den Punkt: „Diesen Pilz kann man nicht ausmerzen. Man kann ihn nur kontrollieren und immer wieder aufs Neue entfernen und entsorgen." Fungizide sind wirkungslos; auch die Idee, ihn einfach auszugraben, löse das Problem nicht – er fruchte immer wieder an derselben Stelle. Bongards erklärt: „Der Grüne Knollenblätterpilz lebt in einer Symbiose mit Laubbäumen, am liebsten mit Eichen. Sie gehen eine regelrechte Wurzelgemeinschaft ein und profitieren voneinander." Der eigentliche Pilz entwickelt sich unterhalb der Erde, er lebt dort weit verzweigt mit seinen mikroskopisch feinen Würzelchen und verbindet sich mit den Wurzeln des Baumes – so tauschen beide wichtige Stoffe miteinander aus. Und das, was oberflächlich zum Vorschein kommt, also der Pilz, den wir aus dem Boden wachsen sehen, ist lediglich der Fruchtkörper. „Das bedeutet, dass wir ihn oberflächlich zwar entfernen können. Ihn aber letztlich auszumerzen, ist nicht möglich", sagt Bongards. „Da müssten Sie schon die Rasenfläche plattmachen und asphaltieren." Deshalb hat die Stadt die erste Idee, den Baum, an dessen Fuß sich der Pilz ausgebreitet hat, fällen zu lassen, inzwischen wieder verworfen. Es sei einfach nicht möglich, das Wurzelwerk restlos zu entfernen. „Im Grunde bleibt nur eine einzige Möglichkeit: täglich ganz akribisch den Platz zu kontrollieren, die Pilze immer wieder zu entfernen und sicher zu entsorgen", empfiehlt die Pilzexpertin. Ansonsten bleibe nur auf eine Phase anhaltend trockenen Wetters zu hoffen: „Dann lebt der Pilz unterhalb der Erde weiter, erscheint aber nicht an der Oberfläche." Bis zum Kita-Beginn will die Stadt das Problem in den Griff bekommen. Vermutlich wird sich die Variante der täglich mehrfachen Kontrolle und Entsorgung durchsetzen. Info:  90 Prozent aller schweren Vergiftungsfälle europaweit seien auf den Genuss des Grünen Knollenblätterpilzes zurückzuführen, weiß Bongards. Ein Grund dafür könnte sein, dass er dem Champignon zum Verwechseln ähnlich sieht und viele Menschen nicht genau wissen, welchen Pilz sie da eben gepflückt haben, und ihn trotzdem essen. „Können Sie den Pilz nicht genau bestimmen, essen Sie ihn nicht!", appelliert Marieluise Bongards. Die Pilzexpertin weiß auch von kursierenden, angeblich wirksamen Hausmitteln, die giftige Pilze erkennen lassen: „Da werden Zwiebeln mitgekocht oder Silberlöffel in das Kochwasser gegeben, im Glauben,die Verfärbung lasse erkennen, ob der Pilz genießbar sei. Das ist hochgefährlich", warnt Bongards vor solchen Praktiken. Pilze gelten aufgrund neuester wissenschaftlicher Befunde als eigenes Reich und als enger mit Tieren als mit Pflanzen verwandt. Pilze ernähren sich von organischen Nährstoffen ihrer Umgebung, die sie durch Abgabe von Enzymen aufschließen und sie dadurch für sie verfügbar machen

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