Vorstellung: Museumsleiter Franz-Josef Dubbi (v. l.), Rainer Mues, Vorsitzender des Warburger Museumsvereins, und Historiker Gotthard Kießling präsentieren die erste Ausgabe der "Warburger Geschichtshefte". Die Reihe soll der Veröffentlichung von Erinnerungen, Chroniken und Beiträgen zur regionalen Geschichte dienen. - © Dieter Scholz
Vorstellung: Museumsleiter Franz-Josef Dubbi (v. l.), Rainer Mues, Vorsitzender des Warburger Museumsvereins, und Historiker Gotthard Kießling präsentieren die erste Ausgabe der "Warburger Geschichtshefte". Die Reihe soll der Veröffentlichung von Erinnerungen, Chroniken und Beiträgen zur regionalen Geschichte dienen. | © Dieter Scholz

Warburg Neuauflage: Warburger Museum gibt Kindheitserinnerungen heraus

Das Heft "Das Paradies unserer Warburger Kindheit" war in der Ausgabe von 1992 seit langer Zeit vergriffen

Dieter Scholz

Warburg. 25 Jahre nach der Erstauflage gibt der Warburger Museumsverein die Erinnerungen von Ludwig Weingärtner, Victor Niemeyer und Theodor Niemeyer an ihre Kindheit unter dem Titel "Das Paradies unserer Warburger Kindheit" neu heraus. "Die drei Texte bieten in ihren detailreichen, von Sympathie getragenen Rückblicken ein lebendiges Bild der Vergangenheit der Hansestadt im 19. Jahrhundert", sagt Vereinsvorsitzender Rainer Mues. Mit der Neuausgabe sei der Museumsverein einem häufig geäußerten Wunsch gefolgt. "Doch ein identischer Wiederabdruck kam aus mehreren Gründen nicht in Frage", sagt Mues. Man habe daher die Gelegenheit genutzt, der Neuauflage ein zeitgemäßes Erscheinungsbild zu geben und die Texte bis auf wenige, gekennzeichnete Passagen nun vollständig abzudrucken. Die Einführung, die biografischen Notizen zu den drei Verfassern und der umfangreiche Anmerkungsapparat von Wilhelm Bockelkamp seien beibehalten und entsprechend ergänzt worden. "Sie bieten zusätzlich zu den Erinnerungen der drei späteren Juristen informative Fakten und Details zur Warburger Stadtgeschichte", weiß Museumsleiter Franz-Josef Dubbi. Knapp drei Jahrzehnte zwischen 1849 und 1876 umfassen die Erinnerungen der drei Autoren an ihre Warburger Zeit. Der 1843 geborene Ludwig Weingärtner kam 1849 nach Warburg und verbrachte in der Stadt acht Jahre. "Sein persönlicher Alltag war von der Schule geprägt, entsprechend nehmen die Schilderungen der Elementarschule und des fortführenden Progymnasiums samt Lehrern und Mitschülern einen breiten Raum ein", schildert Mues. Die Brüder Victor (1863-1949) und Theodor (1857-1939) Niemeyer kamen als Söhne des Rechtsanwalts und Notars Hans Niemeyer nach Warburg und lebten als Heranwachsende zwischen 1866 und 1876 an der Diemel. Neben den Schulerlebnissen könnten ihren Texten aber auch anschaulich entnommen werden, "wie sich die Kriegsereignisse 1870/71 auf das städtische und schulische Leben auswirkten", so Museumsleiter Franz-Josef Dubbi. "Einen breiten Raum nehmen die Schilderungen des außergewöhnlich vielfältigen kulturellen und musikalischen Lebens im elterlichen Hause und in der Stadt ein", ergänzt Mues. Theodor Niemeyers Versuch, mit zwei Mitschülern eine wissenschaftliche Vereinigung namens "Minerva" zu unterhalten, sei beispielsweise ohne Erfolg geblieben. Der Direktor des Progymnasiums verweigerte die Genehmigung. "Ob es wohl anders gelaufen wäre, wenn man damals geahnt hätte, dass mit Peter Hille eines der drei Mitglieder später als Dichter bekannt wurde?", fragt Mues. Über 40 historische Abbildungen aus dem 19. und frühen 20. Jahrhundert bereichern und ergänzen die Texte des Heftes. Das auf 20 Mal 29 Zentimeter erweiterte Format bietet den Abbildungen eine ansprechende Größe. Die Neuauflage umfasst 112 Seiten, von denen 29 Seiten Ludwig Weingärtners Text "Aus meiner Vaterstadt Warburg", 26 Seiten den Warburger Passagen aus Victor Niemeyers "Lebenserinnerungen eines Siebzigjährigen" und 18 Seiten den entsprechenden Auszügen aus Theodor Niemeyers "Erinnerungen und Betrachtungen aus drei Menschenaltern" gewidmet sind. Die Neuauflage begründet eine neue Reihe des Museumsvereins, die "Warburger Geschichtshefte", und ist im Museum und im Buchhandel zum Preis von 8 Euro erhältlich.

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