Gelassener Blick in der Konventskapelle: Schwester Birgit Kaltmeier ist Provinzvikarin der Salvatorianerin und Leiterin des Seniorenzentrums St. Johannes in Warburg. Heute werden ihr viele zum 70. Geburtstag gratulieren. - © Dieter Scholz
Gelassener Blick in der Konventskapelle: Schwester Birgit Kaltmeier ist Provinzvikarin der Salvatorianerin und Leiterin des Seniorenzentrums St. Johannes in Warburg. Heute werden ihr viele zum 70. Geburtstag gratulieren. | © Dieter Scholz

Warburg Schwester Birgit wird 70

Geburtstag: Für die Warburger Katholiken ist die ehemalige Gemeindereferentin "unsere Schwester Birgit". Ihren Dienst versieht sie im Zentrum der Salvatorianerinnen

Dieter Scholz

Warburg. Auch der heutige Tag wird für sie im Oratorium mit einer Meditation beginnen: Die Besinnung, die Sammlung und das persönliche Gebet am Morgen sei ihr sehr wichtig geworden, sagt Schwester Birgit Kaltmeier. Daraus schöpfe sie Kraft. Die Oberin der Salvatorianerinnen in Warburg feiert heute ihren 70. Geburtstag. Neben der Leitung des Schwesternkonvents im Therese-von-Wüllenweber-Haus an der Landfurt und des Seniorenzentrums St. Johannes ist die ehemalige Gemeindereferentin als Provinzvikarin, Stellvertreterin der Oberin ihrer Ordensgemeinschaft in Deutschland, tätig. "Meine dritte Amtsperiode", bemerkt sie. Gewählt wird jeweils für drei Jahre. Sie wird gebraucht, nicht nur auf Grund ihres ausgesprochenen organisatorischen Talents. Sitzungen im Haupthaus der Schwestern in Horrem, im Falle der weltweiten Gemeinschaft in Rom oder bei der Paderborner Ordenskonferenz kosten Zeit. Bis zum Abschied im Sommer 2011 war Schwester Birgit Gemeindereferentin im Seelsorgerteam der Gemeinde St. Johannes Baptist in der Neustadt. Vor 40 Jahren hatte sie der damalige Personalchef des Erzbistums, Weihbischof Leo Drewes, um die Mitarbeit gebeten. "Eigentlich nur aushilfsweise", sagt Schwester Birgit. "Bis 1982 habe ich tatsächlich immer wieder inständig gehofft, versetzt zu werden", erinnert sie sich. Doch mit dem Amtsantritt von Pfarrer Heinz Eickhoff sei dies gänzlich verflogen. In allen Begegnungen die Menschenfreundlichkeit Gottes spüren lassen Mit dem Seelsorger aus dem Sauerland verband sie ein inniges Verständnis, das auch unter den Gläubigen Vertrauen schaffte. Im Pfarrhaus schätzte sie besonders die verlässlichen Absprachen im Team. "Der Pfarrer war immer kritisch, aber stets wohlwollend, ließ selbstständiges Arbeiten ohne reinzureden zu", blickt sie zurück. Die junge Salvatorianerin war zuvor schon keine Unbekannte in der Hansestadt. Die gelernte Heimerzieherin arbeitete von 1971 bis 1977 im Jugenddorf St. Petrus Damian. Nach dem Studium der Religionspädagogik an der Katholischen Fachhochschule in Paderborn und dem Anerkennungsjahr kam sie in die Pfarrseelsorge. "Verbindungen schaffen", das sei eine ihrer herausragenden Stärken, hatte Neustadt-Pfarrer Eickhoff, der im Oktober vergangenen Jahres verstarb und auf ihrem Lebensweg eine schmerzhafte Lücke hinterließ, über ihren Elan und ihre tatkräftige Art immer gesagt. Die Güte und die Menschenfreundlichkeit Gottes in allen Begegnungen spüren zu lassen, das sei die Motivation, so die in Münster geborene Ordensfrau. Im theologischen Gespräch und in der Seelsorge. Dabei nahm und nimmt sie kein Blatt vor den Mund: Sie weiß für sich genau, wo es lang geht. Auch, wenn?s mitunter unbequem ist. Ihre Art schätzten über die Gemeinde und den Ordenskonvent hinaus auch diözesane Gremien wie der Pastoralrat, deren Vorstand sie drei Jahre lang angehörte, oder der Arbeitskreis des Bistums für die Berufe der Kirche. Ausruhen und die Beine hoch legen gab es im Dienst für das Bistum kaum: Aufgaben der Caritas, der Sakramentenpastoral, die Arbeit mit Katecheten, Krankenpastoral, seelsorgliche Einzelbegleitung - die Mitbegründerin der Warburger Hospizbewegung fühlte sich in vielen Arbeitsfeldern in der Pflicht. Eine gehörige Portion an Verantwortungsbewusstsein ist ihr seit jeher eigen. Sich auf einmal errungenen Lorbeeren ausruhen, war und wird nicht ihr Ding sein. Weiterbildung in der Gesprächsführung, eine Ausbildung in Klinikpastoral in Heidelberg, eine weitere Ausbildung in Gestaltpädagogik und "heilender Seelsorge" in Regensburg ließen das Mitglied der Fachgruppe "Mentorinnen" in der Berufsausbildung der Gemeindereferenten zur gefragten Ausbilderin junger Berufsanfänger werden. In den vier Jahrzehnten in der Warburger Gemeinde hat Schwester Birgit neun Gemeindereferenten ausgebildet und mehrere hundert ehrenamtliche Mitarbeiter in ihrem Engagement unterstützt. Vor 50 Jahren war Schwester Birgit in die Kongregation der Salvatorianerinnen eingetreten. Heute leben 20 Schwestern im Haus an der Landfurt. Ausgestattet mit einem feinnervigen Sinn für die Nöte und Anliegen anderer, ist sie wie zu Zeiten in der Pfarrei das Netz, das vieles zusammenhält. Kaum etwas bringt die humorvolle Frau und dem tiefchristlichen Glauben aus der Fassung. "Das Leben ist weit mehr, als wir sehen", sagt sie. Begegnungen mit Gott: Eine Erfahrung, die sie nicht nur in der Meditation als ein bewusstes Mehr erlebt.

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