Wandern auf bekannten Wegen: Der länderverbindende Eco-Pfad "Muschelkalk im Diemeltal" mit Blick auf den Schwiemelkopf wird Teil des geplanten Diemeltal-Steiges, der mit schönen Ausblicken von den Höhenzügen bundesweit Wanderer anlocken soll. - © Foto: Fank Grawe
Wandern auf bekannten Wegen: Der länderverbindende Eco-Pfad "Muschelkalk im Diemeltal" mit Blick auf den Schwiemelkopf wird Teil des geplanten Diemeltal-Steiges, der mit schönen Ausblicken von den Höhenzügen bundesweit Wanderer anlocken soll. | © Foto: Fank Grawe

Warburg Kommunen planen neuen Wanderrundweg in Warburg

Projekt "Diemeltalsteig" soll 2018 realisiert werden

Hermann Ludwig

Warburg. Ein Rundwanderweg, der nach den Kriterien des Deutschen Wanderbundes als Qualitätswanderweg entwickelt wird, soll für Gäste und Einheimische gleichermaßen die Schönheiten des Diemeltals verbinden. Leader-Regionalmanagerin Christiane Sasse aus Lamerden hat das Projekt angestoßen, an dem sich acht Kommunen beteiligen wollen. 2018 soll der 145 Kilometer langer Rundwanderweg, der die Landkreise Höxter und Kassel miteinander verbindet, realisiert werden. Der "Diemeltal-Steig" könnte mit bis zu 65 Prozent von der EU aus dem Leader-Förderprogramm finanziert werden, den Rest müssen die Kommunen dazu steuern. 2004 hat sich Christiane Sasse, die selbst auch Wanderungen führt, die Idee zu dem Rundwanderweg, jetzt sieht sie im Leaderprogramm große Chancen, dieses Vorhaben zu realisieren. Der Steig, der über die Hänge des Diemeltals verlaufen soll, ist ausschließlich über bereits bestehende regionale Wanderrouten der acht Kommunen wie den Fulda-Diemel-Weg geplant. "Am Ende soll ein etwa 145 Kilometer langer Rundwanderweg die Besonderheiten der Naturlandschaft auf den Höhenzügen des Diemeltales verbinden", erklärt Christiane Sasse. Sie freut sich, dass mit dem Studenten Jan Kolditz ein Experte gefunden wurde, der die Wege akribisch inspiziert, um die optimale Route zu finden. Dabei wird auch der Rat von lokalen Wanderexperten gesucht, um am Ende einen Weg zu finden, der auch als Qualitätswanderroute anerkannt wird. Die genaue Route wird derzeit erarbeitet. In Warburg endet die Route im westlichen Bereich am Heinturm, offen ist die Frage, wie die Route den Desenberg einbindet, da bei einem Qualitätswanderweg nur begrenzt asphaltierte Wege zulässig sind. "Die Zertifizierung als Qualitätswanderweg ist wichtig, schließlich wollen wir bundesweit mit dem Steig werben", betont Norbert Hoffmann, Geschäftsführer der Warburg Touristik. Besonderheiten des unteren Diemeltals sind die Vielzahl von FFH-Gebieten (Fauna-Flora-Habitate mit europäischem Schutzstatus), die mit mehr als 450 Hektar im Diemeltal in einer Größe vorliegen, wie sie sonst nur in Thüringen, Bayern oder Baden-Württemberg anzutreffen sind. Diese Flächen werden als Kalkmagerrasen und Wacholderheiden bezeichnet. Der Diemeltal-Steig wird in Ostwestfalen die drei Städte Warburg, Beverungen und Borgentreich und in Nordhessen die fünf Kommunen Trendelburg, Bad Karlshafen, Liebenau, Hofgeismar und den Gutsbezirk Reinhardswald einbinden. Bei einem Gespräch der Bürgermeister mit den Fraktionsvorsitzenden wurde grünes Licht für das Projekt gegeben. "Wir arbeiten ja auch schon beim Diemelradweg länderübergreifend sehr gut zusammen, das wird bei diesem Wanderweg nicht anders sein", sagte Warburgs Bürgermeister Michael Stickeln jetzt in einer Sitzung der Warburg Touristik. Der Bürgermeister sieht im Tourismus weiteres Potenzial. Bisher sei der Diemelraum mit seinen naturräumlichen, geologischen und kulturhistorischen Besonderheiten noch unzureichend touristisch erschlossen, meint auch Christiane Sasse, die den Diemeltalsteig als herausragendes Ziel für Wander- und Naturfreunde sieht. Die Region sei insbesondere ein El Dorado für Schmetterlingsfreunde. Die Kalkmagerrasen an den Diemelhängen gehören zu den artenreichsten Biotopen in Hessen und NRW. Reiche Vorkommen an Orchideen, Enzianen und Frühblühern machen Gebiete wie den Schwiemelkopf schon jetzt für Wanderfreunde zu einem Anziehungspunkt. Regelmäßig ist Dozent Thomas Fartmann zu Gast im unteren Diemeltal. Vorkommen des Komma-Dickkopffalters und des Distel-Grünwidderchens wurden unter die Lupe genommen. "Hier gibt es viele interessante Schmetterlingsvorkommen, der Reichtum an Schmetterlingen ist in Fachkreisen bekannt", weiß Christiane Sasse. Auch die vielen Pilz- und Flechtenarten seien weit über die Ländergrenzen hinaus bekannt. Die Knäuel-Glockenblume erreicht im Kreis Höxter ihre nördliche Verbreitungsgrenze und gedeiht sowohl auf den Halb-Trockenrasen als auch in den Salbei-Glatthaferwiesen. Diese Schätze sollen auch für Wanderer erschlossen werden. Das Projekt Erlesene Natur und die Eco-Pfade haben hier schon einiges erschlossen. Neben der Erschließung der einzigartigen Kalk-Halbtrockenrasen und Kalk-Buchenwälder, gepaart mit herrlichen Ausblicken auf das Tal der Diemel gibt es in der Region auch kulturhistorische Besonderheiten: Am Startpunkt die Hugenottenstadt Bad Karlshafen, das ehemalige Kloster Helmarshausen, das Wasserschloss Wülmersen, die Schanzenanlagen aus dem Siebenjährigen Krieg, die Holsterburg bei Calenberg, der Heinturm bei Warburg mit seinem mediterranen Flair, die Hansestadt Warburg oder der Desenberg mit seiner Ruine zählen zu den Sehenswürdigkeiten mit kulturgeschichtlicher Bedeutung. "Ich freue mich auf die Verwirklichung dieses Projekts. Davon kann die Stadt Warburg wie beim Diemelradweg profitieren", sagte Stickeln. Die Region hat Christiane Sasse im Blick: "Der Wanderweg kann Impulse geben für eine regionale Wertschöpfung", so Sasse. In der Planung sind noch einige Punkte abzuarbeiten. "Wir müssen mit Grundstückseigentümern verhandeln, in Teilbereichen kann es sein, dass wir neue Wege schaffen müssen, um den Qualitätskriterien zu genügen", ergänzt Norbert Hoffmann.

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