Der Ampel-Check: Chefarzt Dietmar Hohmann (v.l.), Dr. Nicolai Nitzsche und Intensivpfleger Daniel Gottschalk werden in Zukunft weitere Präventionsmaßnahmen durchführen. - © Helios
Der Ampel-Check: Chefarzt Dietmar Hohmann (v.l.), Dr. Nicolai Nitzsche und Intensivpfleger Daniel Gottschalk werden in Zukunft weitere Präventionsmaßnahmen durchführen. | © Helios

Warburg Lärmampel soll Patienten auf der Warburger Intensivstation vor Delirium schützen

Lärmampeln zeigen an, wenn der Geräuschpegel zu hoch ist - weitere Präventionsmaßnahmen eingeleitet

Warburg (nw). Ständig piept ein medizinisches Gerät, die Aufzugtür geht auf, das medizinische Personal unterhält sich und das Licht ist zu grell. Ausgerechnet dort, wo die Körper kranker Menschen so gut überwacht werden, gerät das Gehirn in Gefahr. Rund 80 Prozent aller auf der Intensivstation künstlich beatmeten Patienten erleiden ein Delirium (umgangsprachlich auch Delir) – eine Bewusstseinsstörung mit einer eingeschränkten Fähigkeit, die Aufmerksamkeit zu richten, aufrechtzuerhalten oder zu verlangen. Als Delir bezeichnet man die Veränderung der kognitiven Funktionen, wie Gedächtnisstörung, Desorientiertheit und Sprachstörung, oder die Entwicklung einer Wahrnehmungsstörung, die nicht besser durch eine schon vorher bestehende, manifeste oder sich entwickelnde Demenz erklärt werden kann. Patienten, die sich im Delirium befinden, sehen Dinge, die nicht da sind. Sie können sich nicht erinnern, was passiert ist und warum sie im Krankenhaus sind. Ein Delirium kann über Wochen andauern Die Dauer und der Schweregrad eines Delirs sind sehr unterschiedlich. Im Gegensatz zur Demenz setzt das Delir plötzlich ein und dauert eine relativ kurze Zeit an, von Tagen bis hin zu Wochen. „Beim Delir gibt es außerdem eine schwerwiegendere Störung der Aufmerksamkeit und mehr Fluktuation im Bewusstseinsniveau als bei der Demenz", erklärt Dietmar Hohmann, Chefarzt der Anästhesie und Intensivmedizin im Helios Klinikum Warburg. Die Ursachen eines Delirs können ganz unterschiedlich sein. Mal ist es Schlafenzug, mal eine Infektion, eine Operation oder auch ein erhöhter Lärmpegel. „Um unsere Patienten möglichst vor einem Delir zu schützen, haben wir verschiedene Präventionsmaßnahmen ergriffen", so Hohmann. Auf der Intensivstation hängt nun eine sogenannte Lärmampel, die bei zu hohem Geräuschpegel die Farbe von grün auf rot ändert. Hohmann ergänzt: "Wir möchten damit uns selbst immer wieder daran erinnern, möglichst leise zu arbeiten." Auch Intensivpfleger Daniel Gottschalk will Patienten besser vor einem Delirium schützen. Er hat sich im Rahmen seiner Weiterbildung mit dem Thema auseinandergesetzt und vieles bei laufendem Betrieb auf der Station verändert. „Wir achten besonders darauf, dass die Patienten keine Schmerzen haben und möglichst früh mobilisiert werden. Je eher Patienten mobilisiert werden, desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie ein Delirium entwickeln." Außerdem würden nachts alle Tätigkeiten, die nicht zwingend im Patientenzimmer stattfinden müssen, außerhalb durchgeführt. Die Displays der Geräte würden abgedunkelt sowie die Dokumentationsutensilien vor das Zimmer geschoben, um ansatzweise eine Nachtruhe zu schaffen, so Gottschalk. Besucher können kommen, wann und so oft sie möchten Neben Ruhe sei Orientierung besonders wichtig. In jedem Zimmer seien deshalb eine Uhr und ein Kalender angebracht worden. „Deswegen dürfen Besucher und Angehörige so oft zu Besuch kommen, wie sie möchten. Wir haben keine festen Besuchszeiten mehr", erklärt Daniel Gottschalk. „Besuch ist ohnehin ein wichtiges Thema. Viele unterschätzen den positiven Einfluss, den Besuche auf die Orientierung und die Stressbelastung des Patienten und damit auf auch auf die Delir-Häufigkeit und den Heilungsverlauf haben. Ich finde, man kann diesen Aspekt gar nicht genug betonen. Ein Patient, der nicht besucht wird, ist klar im Nachteil", so Daniel Gottschalk weiter. In der Krankenhausbehandlung nimmt Delir an Relevanz zu, ist aber für Angehörige, Pflegekräfte und auch Ärzte wegen des komplexen Erscheinungsbildes nicht immer leicht zu erkennen. Daher hat das Helios Klinikum das Thema Delir als medizinisches Wissensziel für dieses Jahr festgelegt. Ziel: Das Bewusstsein für ein Delir soll gestärkt werden. Dementsprechend sollen alle Mitarbeiter der Helios Kliniken in diesem Jahr speziell auf dem Gebiet geschult werden. Das Klinikum Warburg an der Hüffertstraße verfügt in sieben Fachachteilungen und einer Belegabteilung über insgesamt 153 Betten. Rund 270 Mitarbeiter versorgen dort jährlich über 7.000 stationäre Patienten.

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