Profilierte Muisker: Violinist Ulf Schneider und Cellist Martin Löhr vom Trio Jean Paul. Am Klavier spielt Eckhart Heiligers. - © Burkhard Battran
Profilierte Muisker: Violinist Ulf Schneider und Cellist Martin Löhr vom Trio Jean Paul. Am Klavier spielt Eckhart Heiligers. | © Burkhard Battran

Warburg Meisterkonzert: Das Trio Jean Paul begeistert das Warburger Publikum

Meisterkonzert: Das Trio Jean Paul begeistert das Warburger Publikum in der voll besetzten Marianum-Aula mit einem ziemlich anspruchsvollen Programm

Burkhard Battran

Warburg. Der langanhaltende und stürmische Schlussapplaus schien die drei Musiker dann doch zu überraschen. Mit so einem niveauvollen und verständigen Publikum hätten sie in der tiefsten westfälischen Provinz wohl nicht gerechnet. Pianist Eckart Heiligers (53) gab Violinist Ulf Schneider (49) und Cellist Martin Löhr (50) ein nachdrückliches Zeichen, dass man nun doch die für solche Fälle verabredete Zugabe geben müsse. Cellist Löhr musste denn auch eine ganze Weile suchen. Am Ende aber fand er die Noten des 2. Satzes aus Haydns g-Moll-Trio und so konnte auf einen durch und durch gelungenen Konzertabend der passende Schlussakzent gesetzt werden. Am Freitagabend war das weltweit renommierte Hannoveraner Trio Jean Paul zu Gast bei den Warburger Meisterkonzerten. Vor rund 25 Jahren gegründet, zählt das Ensemble heute zu den profiliertesten Kammermusik-Ensembles der Gegenwart. Und die Gegenwart spielte auch beim Warburger Konzert eine wichtige Rolle. Auch wenn im Programm ausschließlich tote Komponisten aufgeführt waren, hatte das Trio mit Mauricio Kagels "Trio Nr. 2" einen echten Gegenwarts-Brocken aufgefahren. Der argentinisch-deutsche Komponist (1931 bis 2008) ist ein wichtiger Wegbereiter der Neuen Musik des ausgehenden 20. Jahrhunderts. Im vielfältigen Oeuvre von Kagel spielt die Kammermusik aber meist eine untergeordnete Rolle, sehr zu Unrecht, wie gerade auch Kagels "Trio Nr. 2" beweist. Ich konnte nicht mehr komponieren, ich durfte es einfach nicht Alles an dem Werk scheint bescheiden: Die Besetzung, ein Klaviertrio, also klein. Die Bezeichnung "in einem Satz" scheint auf eine kurzes Werk hinzuweisen. Aber es kommt ganz anders. Knapp 20 Minuten dauert dieser eine alle Sentenzen der Existenz auslotende Satz. Am 11. September 2001, dem Tag der Anschläge auf das World Trade Center hat er das Werk beendet. Seine Tochter lebte zu der Zeit in New York und wohnte nur wenige Häuserblocks vom Ort der Anschläge entfernt. Ihr ist nichts passiert, aber für Kagel war es dennoch ein großer Schock. "Ich konnte nicht mehr komponieren, ich durfte es einfach nicht", hat Kagel, der seit den 60er Jahren in Köln gelebt hat, bei einem Schülerseminar ein Jahr vor seinem Tod gesagt. Auch wenn das Klaviertrio, das Kagel bereits vorher komponiert hat, sich inhaltlich gar nicht auf den Terroranschlag bezieht, bleibt das Werk aber dennoch untrennbar damit verbunden. Eröffnet wurde der Konzertabend mit Beethovens Klaviertrio Opus 70/2. Man spricht auch vom Schattentrio, weil es im Schatten des berühmten "Geistertrios" steht. 1809 hat Beethoven zeitgleich zwei Trios veröffentlicht. Das Opus 70/1 trat als "Geistertrio" seinen Siegeszug durch die Konzertsäle an, während das Es-Dur Trio immer nur die Opusnummer "70/2" blieb. Schon im ersten Satz trat die hohe Spielkultur des Trios Jean Pauls zu Tage. So sensibel gestaltete Übergänge bekommt man nicht alle Tage zu hören. Ein Hochgenuss waren insbesondere die beiden Allegretto-Sätze. Pianist Heiligers brillierte mit einer hinreißenden Dynamik und Violinist Ulf Schneider setzte mit seiner 1725er-Testore Geige die hohen Töne so genussvoll zärtlich, dass man sicher war, dass Beethoven doch ein Techtelmechtel mit der schönen Gräfin Erdödy gehabt hat, der er diese Komposition gewidmet hatte. So hochkarätig der Abend bis dahin schon war, stand der Programmhöhepunkt aber noch bevor. Der folgte schließlich mit Brahms G-Dur-Sextett. Geschrieben hat es Brahms für ein doppelt besetztes Streichtrio, also für zwei Geigen, zwei Bratschen und zwei Celli. Theodor Fürchtegott Kirchner, einer enger Freund von Johannes Brahms, hat es noch zu dessen Lebzeiten für kleinere Besetzung umgeschrieben und damit der Musikwelt einen großen Dienst erwiesen.

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