Grundsteinlegung 1962: Monsignore Roman Kopetz mit dem Gedenkstein aus Granit, der extra in die Kirche gebracht worden war. - © Burkhard Battran
Grundsteinlegung 1962: Monsignore Roman Kopetz mit dem Gedenkstein aus Granit, der extra in die Kirche gebracht worden war. | © Burkhard Battran

Warburg Das HPZ in Warburg wird 50

"Ein Ort der Menschlichkeit"

Burkhard Battran

Warburg. 17 von den rund 30 Erstbeziehern leben bis heute im Warburger Heilpädagogischen Zentrum St. Laurentius. Einer von ihnen ist Klaus Schiffer (52), der im Alter von zweidreiviertel Jahren in die Pflegeanstalt aufgenommen wurde. "Ich hatte hier nicht nur gute Jahre. Aber heute bin ich sehr froh, hier leben zu können, das Lauri ist meine Heimat", sagte der Bewohner der ersten Stunde. Es gab auch dunkle Jahre am HPZ. "Aus Respekt vor den Opfern soll auch in dieser Feierstunde, in der wir uns die Geschichte vor Augen führen, nicht vergessen werden, dass es auch in dieser Einrichtung Fälle von Gewalt und Leid gegeben hat", sagte Direktor Matthias Schmidt. Aber auch Bewohner Klaus Schiffer, der seit dem ersten Tag in der Einrichtung lebt, bestätigt, dass das Leben im Lauri vor allem ein gutes und behütetes Leben sei. Demnächst sogar ein behütetes Leben mit W-LAN. Für Bewohner Yannik Asselmeier (15) war es die Nachricht des Tages, als der Vorstandsvorsitzende Karl-Heinz Vogt ankündigte, dass in drei Monaten das Warburger St. Laurentius mit kabellosem Internet ausgestattet werde. "Auch wir haben gelernt, mit Smartphone und Tablet umzugehen und freies W-LAN ist für uns hier drin genau so wichtig wie für die Leute draußen auch, damit wir untereinander besser kommunizieren und Kontakt halten können", sagte der Schüler aus Steinfurt, der seit zwei Jahren im Lauri zu Hause ist. Eröffnet wurde der gestrige Festtag mit einem feierlichen Gottesdienst in der Kapelle der Einrichtung. Der Geistliche Direktor Monsignore Roman Kopetz: "Wir sind voller Dankbarkeit für das Erreichte und voller Hoffnung, unsere Stabilität und Beständigkeit auch in Zukunft erhalten zu können." In seiner Festpredigt nannte Pfarrdechant Gerhard Pieper das St. Laurentius "einen Ort der Menschlichkeit, der Menschwerdung und der Gotteserfahrung." Menschen mit Behinderung würden im HPZ durch Zuspruch Entwicklungsmöglichkeiten eröffnet. Bürgermeister Michael Stickeln lobte "das Herzblut" mit dem im HPZ gearbeitet werde. "Mit Fug und Recht darf zum heutigen Jubiläum festgestellt werden, dass das HPZ über all die Jahre ein ganz eigenes Profil gewonnen und in seiner Funktion als Therapie- und Förderzentrum eine enorme Strahlkraft entwickelt hat. Fast überflüssig zu erwähnen, dass damit zugleich die Bedeutung des Laurentiusheimes als Arbeitgeber in unserer Region beständig gewachsen ist", sagte Stickeln. Der Vorstandsvorsitzende Karl-Heinz Vogt kritisierte in seiner Festansprache, dass Menschen mit Behinderung von der Gesellschaft noch immer weitgehend ausgeschlossen würden. Daran werde auch die Inklusion nichts ändern. „Gründungsgeschichte ist so spannend wie ein Roman" Erzbischof Lorenz Jäger hat 1662 den Grundstein für das Heilpädagogische Zentrum am Stiepenweg in Warburg gelegt. Vier Jahre später, am 1. Dezember 1966, sind dort die ersten Bewohner eingezogen. „Der gesamte Schriftverkehr von damals ist noch erhalten und liest sich so spannend wie ein Roman", sagt der Vorstandsvorsitzende Geschäftsführer der Trägergesellschaft Karl-Heinz Vogt. Das Heilpädagogische Zentrum St. Laurentius Warburg mit seinen 500 Mitarbeitern ist eine Einrichtung der Caritas Wohn- und Werkstätten im Erzbistum Paderborn. In die Gründungsurkunde, die gestern von Direktor Matthias Schmidt verlesen worden war, hatte der Erzbischof hineinschreiben lassen, dass mit dem St.- Laurentius-Heim Sühne und Wiedergutmachung geleistet werden soll für das Unrecht, das behinderten Menschen im Dritten Reich widerfahren ist. Einen wesentlichen Beitrag am Aufbau des HPZ haben Ordensschwestern der Salzkottener Franziskanerinnen geleistet, deren Beitrag insbesondere auch darin bestand, die Einrichtung in der Bevölkerung zu verankern. 400 Menschen mit Behinderung leben im HPZ und angeschlossenen Außeneinrichtungen.

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