Intensiver Blick: Amara (links) ist die erste Stute, die bei Manfred und Gabriela Dierkes in Manrode einzog. - © Friderieke Schulz
Intensiver Blick: Amara (links) ist die erste Stute, die bei Manfred und Gabriela Dierkes in Manrode einzog. | © Friderieke Schulz

Manrode Manroder züchten Alpakas

Wollspender mit ruhigem Gemüt

Friderieke Schulz

Manrode. Rund sechs Jahre ist es her, als Gabriela Dierkes das erste Mal in einem Zeitungsartikel über die Charakterzüge von Alpakas las. Sofort war das Interesse der 52-Jährigen geweckt. Durch einen Beitrag im Fernsehen ging es Ehemann Manfred Dierkes wenig später ähnlich und beide begannen, sich intensiv über Haltung und Eigenschaften der Tiere zu informieren. Neben ihren zwei Hunden hatte das Paar schon Meerschweinchen und Zwergziegen. "Tiere waren bei uns Zuhause schon immer ein Ding", sagt Dierkes lächelnd und erzählt, dass den Alpakas der Weg bereits geebnet war: "Es fehlte nur an genug Fläche für die Tiere." Deswegen blieb es auch lange Zeit beim Plan. Im dem spielte die Zucht aber von Anfang an eine Rolle. Vier Jahre lang reisten Dierkes durch das Land, hörten Seminare über die Haltung und Zucht von Alpakas und besuchten Menschen, die sich bereits mit deren Vermehrung beschäftigten. "Je mehr wir erfuhren, desto begeisterter waren wir", sagt Dierkes. Denn neben der Freude an den Tieren bietet vor allem ihre Wolle viele Möglichkeiten zur Weiterverarbeitung. Mit dem Erlös können sich die Tiere selbst finanzieren. "Nur schlachten wollen wir unsere Tiere nicht. Das würden wir nicht übers Herz bringen", sagt die Krankenschwester. Viel Zeit verging, bis das Paar aus Manrode eine Wiese erwarb und nachdem sie offiziell Landwirte wurden, eine weitere pachten konnten. "Dann wurde es endlich konkreter", berichtet Dierkes mit einem strahlenden Augen und erzählt, dass die ersten beiden Stuten vor zwei Jahren von einem Züchter aus Salzkotten gekauft wurden. "Aber Alpakas müssen mindestens zu Dritt sein", sagt der 52-Jährige und berichtet von der Fahrt nach Bremen, wo Stute Nummer drei mitsamt Fohlen in den Anhänger der Manroder stieg. "Damit begann dann unsere Zucht." Bereits im ersten Jahr erblickte das erste Alpaka-Fohlen in Manrode das Licht der Welt. Inzwischen sind es sieben. Der Wert der Tiere richtet sich übrigens nach der Qualität ihrer Wolle. "Gemeinsam mit dem Körperbau ist dies auch das Zuchtziel", sagt Dierkes. Ihr Anspruch ist also das Verbessern der Faser. Das ist eine Wissenschaft für sich. Es gibt rund 22 verschiedene Farbtypen. "Die Farbe selbst ist nicht vorhersehbar und immer eine Überraschung, aber die Faser ist planbar. Denn man schickt eine Probe der Stute und des Hengstes an ein Labor. Dort werden dann acht bis zehn Parameter bestimmt, wie die Wollqualität ist." Diese Parameter geben Aussagen zur Feinheit der Faser, ihrer Kräu-selung oder Elastizität. Ansonsten ist die Zucht gar so anspruchsvoll. Denn eine Paarungszeit gibt es nicht. "Der Eisprung wird durch den Deckakt ausgelöst, deswegen können wir die Geburt der Fohlen recht gut planen und damit ideal neben dem Beruf", erzählt das Paar. Doch nicht nur das. Auch die Geburt der Fohlen nach elf bis zwölf Monaten ist immer vormittags. "Das liegt daran, dass Alpakas eine zu kurze Zunge haben, um ihr Fohlen trocken zu lecken. In ihrer Heimat, den Anden, wird es nachts sehr kalt, deswegen muss das Fohlen bis zur Nacht trocken sein", sagen Dierkes. Deswegen mögen die Tiere auch Streicheleinheiten nicht gern, dafür fehlt einfach die positive Erinnerung an das Lecken der Mutter: "Das muss man erst trainieren." Dierkes machen dies eifrig, denn vielleicht wollen sie mit ihren Tieren irgendwann mal Trackingtouren anbieten. Immerhin sehen ihre Alpakas nicht nur toll aus, sondern haben auch einen besonderen Charakter. "Sie strahlen Ruhe aus und stören niemanden, da sie nur leise summen, um miteinander zu kommunizieren." Generell seien die zwar neugierig, aber nicht forsch und machen nichts kaputt. "Wir halten unsere Tiere in einem Offenstall." Außer einem mineralhaltigen Futter unterscheidet sich die Haltung nur kaum von Eseln und Ziegen. Sie mögen kurzes, hartes und trockenes Gras. Im Winter fressen sie Heu. "Aber man muss seine Tiere gut kennen, sonst erkennt man nicht, dass sie krank sind", sagt der Angestellte. Ihre Tiere haben Dierkes sehr gern, jedes hat schließlich einen ganz eigenen Charakter. Bis jetzt haben sie noch kein Alpaka verkauft, doch auch das wird zwangsläufig irgendwann einmal anstehen: "Man kann schließlich nicht alle Hengste behalten und muss als Züchter eben auch abgeben können", sagt der Manroder.

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