Gesetz: Vorgeschrieben ist eine Mindestprofiltiefe von 1,6 Millimetern. - © Katharina Engelhardt
Gesetz: Vorgeschrieben ist eine Mindestprofiltiefe von 1,6 Millimetern. | © Katharina Engelhardt

Warburg Experten erklären, wie man sein Auto winterfest macht

Zwei Automobilexperten über die richtige Winterbereifung, Frostschutz für den Motor und die richtige Fahrtechnik

Warburg. Mit dem Herbst beginnt die ungemütliche Jahreszeit für Autofahrer. Die Nächte werden kühler, neblig-trüb ist's in den frühen Morgenstunden und die Fahrbahn kann allein durch Laub und Nässe ganz schön rutschig werden. "Vorsicht auf den Straßen", heißt es jetzt regelmäßig im Radio. Dabei sind noch die meisten Autofahrer mit sommerlicher Bereifung unterwegs. O-bis-O-Regel Der beste Zeitpunkt um die Winterreifen aufzuziehen? Ganz einfach: "Am besten jetzt", sagt Diplomingenieur Volker Schulze vom Sachverständigenbüro und Dekra-Partner Infatec in Warburg. Der Kfz-Fachmann empfiehlt, Winterreifen nach der sogenannten O-bis-O-Regel zu montieren: "Im Oktober sollten die Sommerreifen ab- und die Winterreifen aufgezogen werden und frühestens zu Ostern wieder gewechselt werden", sagt Volker Schulze. Damit sei man in der Regel auf der sicheren Seite. Denn der Herbst habe seine tückischen Seiten und könne Autofahrer unangenehm überraschen: "Ab September schon können die Temperaturen quasi über Nacht gen null Grad rutschen und Sie haben es frühmorgens mit gefährlicher Fahrbahnglätte zu tun", so der Sachverständige. Bessere Haftung Zum anderen: "Es müssen noch nichtmal scharfe Minusgrade sein, die einen Autofahrer in die Bredouille bringen können. Schon ab 4 Grad kann es stellenweise glatt sein, beispielsweise auf Brücken oder am Waldrand", erklärt der Auto-Experte. Vorbereitet sein lautet die Devise und frühstmöglich auf den Winterreifen wechseln. Denn der kann wirklich was: Durch seine besonders abgestimmte Gummimischung mit einem höheren Kautschukanteil haftet der Winterpneu ab Temperaturen unter 7 Grad wesentlich besser auf rutschigem oder glattem Untergrund. "Zudem hat er ein spezielles Profil, durch den der Reifen auch mit Matsch und Schnee besser zurechtkommt", erklärt Volker Schulze. Altes Gummi Solange die Profiltiefe stimmt und das Gummi nicht spröde oder rissig ist, dürfen auch ältere Winterreifen noch gefahren werden. Bei mehr als zehn Jahre alten Pneus empfehlen Automobilclubs wie der ADAC allerdings den Ersatz. Wer sich unsicher bei dem Alter seiner Reifen ist, findet an der Seite eine vierstellige Zahl, die sogenannte DOT-Nummer. Die gibt die Produktionswoche und das Jahr an. Mindestprofilbreite Laut Gesetzgeber muss der Pneu lediglich eine Mindestprofiltiefe von 1,6 Millimetern aufweisen. Volker Schulze schüttelt leicht den Kopf: "1,6 sind sehr, sehr wenig. Empfehlenswert sind 4 Millimeter", sagt er, allein schon aus versicherungsrelevanten Gründen im Falle eines Unfalls. So weit sollte es natürlich am besten gar nicht erst kommen. Volker Schulze rät jedem Autofahrer, beim Reifenwechsel in der Werkstatt gleich einen Termin kleinen Wintercheck machen zu lassen: "Lassen Sie Bremsen, Batterie und Beleuchtung prüfen." Haltbare Batterie Für die Autobatterie ist der Winter die härteste Zeit - Heckscheiben- und Standheizung und permanenter Scheinwerferbetrieb verlangen dem Gerät einiges ab. Gute Batterien halten um die sieben Jahre. "Wer allerdings nur Kurzstrecke fährt, bei dem macht sie vermutlich schon früher schlapp", so Volker Schulze. Passiert das ausgerechnet bei Minusgraden, wenn man abends von der Arbeit nach Hause fahren möchte, ist das denkbar ungünstig. Schutz für den Motor Auch die Flüssigkeiten wie Frostschutz für das Wischwasser und auch für den Motor sind ganz wichtig. Letzteres würde oft vergessen, Schulze: "Die meisten glauben, dass der flüssige Frostschutz nur für die Wischwasseranlage benötigt würde." Aber auch der Motor kann ohne ausreichend Frostschutzmittel einfrieren - "und damit hätten Sie gleich einen kapitalen Motorschaden." Sind diese "Baustellen" alle abgehakt und gute Winterreifen aufgezogen, ist es am Fahrer, möglichst unfallfrei durch den Winter zu kommen. "Passen Sie Ihre Geschwindigkeit an, überschätzen Sie sich nicht", rät Burkhard Kruse, Kfz-Meister und langjähriger Vorsitzender des Motorsportclubs Warburg. "Man weiß nie, wo es tatsächlich glatt werden kann und das gilt besonders auf wenig befahrenen Landstraßen. Achten Sie auf neuralgische Stellen wie Waldränder und Brücken, dort kann es gefährlich rutschig sein", so der Automobilexperte. Genügend Abstand Außerdem wichtig: der Sicherheitsabstand. "Besonders junge, ängstliche und unerfahrene Fahrer sollten angepasst und eher langsamer fahren. Durch Drängler nicht aus der Ruhe bringen lassen - einfach an der nächstbesten Möglichkeit rechts ranfahren und den Hintermann vorbeilassen", rät Burkhard Kruse. Bei allen glatten oder schmierig-rutschigen Untergründen sollten Fahrer stets dosiert und vorsichtig bremsen. "Wenn Sie sich erschrecken, weil es plötzlich glatt wird und auf die Bremse springen, kann dies das Auto schon aus der Spur bringen." Also immer mit der Ruhe, empfiehlt Burkhard Kruse. Und wer dann noch daran denkt, genügend Benzin im Tank zu haben und eine dicke Jacke oder Decke im Auto für den Notfall deponiert, der kommt sicher gut durch den Winter.

realisiert durch evolver group