Vom Fach: In der Region gilt Berthold Henze als Koi-Spezialist. Der 48-Jährige aus Germete handelt mit den bunten Karpfen und weiß, dass Japan nicht das ursprüngliche Herkunftsland der Fische ist. Denn erste Erwähnungen aus dem Jahr 1.000 vor Christus stammen nämlich aus China. In Japan wurde die Zucht ausgebaut. - © Friderieke Schulz
Vom Fach: In der Region gilt Berthold Henze als Koi-Spezialist. Der 48-Jährige aus Germete handelt mit den bunten Karpfen und weiß, dass Japan nicht das ursprüngliche Herkunftsland der Fische ist. Denn erste Erwähnungen aus dem Jahr 1.000 vor Christus stammen nämlich aus China. In Japan wurde die Zucht ausgebaut. | © Friderieke Schulz

Warburg Der Warburger Berthold Henze ist Spezialist für Koi-Karpfen

Aus Liebe zum Nachwuchs (1): Aus der Leidenschaft wurde ein Nebenerwerb. Seit zwei Jahren verkauft er die bunten Fische an Liebhaber

Friderieke Schulz

Warburg-Germete. Für Fische begeistert sich Berthold Henze schon sein ganzes Leben. Mit 16 Jahren machte er den Angelschein und ging aktiv mit seiner Route los. "Einige Zeit später habe ich im Garten meiner Eltern einen Teich gebaut. Dort waren verschiedene Fische, auch Karpfen, drin. Irgendwann kam der erste Koi dazu und dann nahm alles seinen Lauf", sagt Henze. Nach und nach wurden es mehr der bunten, schönen Karpfen. "Das ist schon eine Sucht, so wie das Tätowieren", erzählt der 48-Jährige, während er auf einer Bank im Garten Platz genommen hat. Verschiedene Teiche dominieren im Gegensatz zur Grünfläche. Alles ist japanisch angehaucht und ordentlich, das Wasser, in dem die Fische leben, klar. Seine Kois strahlen Ruhe und Kraft aus und sind für den Kfz-Mechaniker ein Ausgleich zum Beruf. "Man kann sie auch aus der Hand füttern, denn sie werden relativ zahm", erzählt Henze, als er zu seinem Zuchtbecken geht. Auch deswegen käme ihm das Töten einer der Fische nicht in den Sinn. "Draußen bei Forellen oder Hechten stört mich das nicht. Aber die Kois sind anders", erklärt er. Aus der privaten Leidenschaft wurde bald ein Nebenerwerb. Dabei ist die Vermehrung der bunten Vertreter gar nicht so einfach. "Man müsste die Fische streng nach Farbvarianten trennen, um sicherzustellen, dass man nachher auch diese Arten hat", sagt Henze und erklärt, dass er sehr wachsam sein müsse, wenn die weiblichen Fische laichen. Denn so barbarisch, wie es klingt, Laich ist für die Kois eine Delikatesse. "Ein Einsatz schützt die kleinen Eier. Aus dem Wasser nehmen kann man sie nicht, sonst verpilzen sie." Um eine Chance auf ein Leben zu haben, müssen die Eier im selben Wasser verbleiben, in das sie hineingelegt wurden. "Je nach Temperatur dauert es dann drei bis fünf Tage, bis die kleinen Fische schlüpfen. Dann werden sie zunächst mit Goldfischfutter, später mit speziellem Koifutter großgezogen." Ist so ein kleiner Koi im ersten Jahr nur rund sechs Zentimeter groß, steigert er sein Wachstum in den folgen Jahren enorm. Bereits im zweiten Jahr beträgt die Länge des Fisches schon rund 20 Zentimeter. Doch abgeben tut Henze die Fische erst mit zwei bis vier Jahren und das hat seinen Grund. "Die Kois sind generell sehr empfindlich und haben hohe Ansprüche an ihr Umfeld. Die Sterberate bei jungen Fischen ist besonders hoch und auch die Farben und Farbzeichnungen verändern sich noch. Das kann übrigens bei Parasitenbefall auch das ganze Leben hinweg passieren." "Jeder Fisch hat einen ganz eigenen Charakter." Auch danach ist die Haltung für das Wohlbefinden und die Gesundheit der Fische das A und O. "Der Teich sollte mindestens fünf Kubikmeter groß sein. Pro Karpfen empfiehlt sich ein Kubikmeter Wasservolumen. Allein sollten die Fische eh nicht gehalten werden, denn sie leben in Gruppen", erklärt er. In seinem Altbestand zählt Henze rund 50 Fische - darunter echte Raritäten. "An den meisten von ihnen hänge ich", gesteht der Kfz-Mechaniker und erzählt, dass er zwar nicht weine, wenn einer der Fische tot auf der Seite schwimme: "Aber traurig bin ich schon. Immerhin werden die Fische bis zu 80 Jahre alt." Namen habe seine bunten Teichbewohner nicht, sie auseinander zu halten ist für Henze aber kein Problem. "Es gibt 20 bis 25 Varietäten mit mehr als 400 Unterarten. Jeder Fisch sieht anders aus." Dass die Fische echte Liebhaberobjekte und in ihrer Heimat Japan auch Statussymbole sind, hängt mit dem Preis zusammen. "Von 22 bis 108 Euro bewegt sich mein Rahmen. Aber es gibt, vor allem in Japan, auch Fische, die fünfstellige Beträge kosten." Aufgrund dieses Wertes ist Henzes Anlage videoüberwacht. Dabei ist die Zeichnung alles, wie Henze an einem besonders beliebten Fisch erklärt. "Der Tancho ist zum Bispiel weiß mit einem roten Punkt auf dem Kopf. Je klarer dieser ist, desto teurer der Fisch." Auch in seinem Teich schwimmt eines dieser Exemplare: "Der ist aber unverkäuflich." In seiner Leidenschaft wird Henze von seiner Freundin Biene und seinem Sohn Benjamin unterstützt. Gemeinsam mit ihm hat er den Verkauf aufgezogen. Seine Karpfen mal aufzugeben, ist für ihn sowieso keine Option. "Schließlich hat jeder von ihnen auch einen eigenen Charakter. Dieser hängt auch oft mit den Varietäten zusammen. Die einen sind gemütlicher, die anderen aktiver. Ich könnte meinen Fischen stundenlang zusehen."

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