Selbermacher: Der Osnabrücker Gitarrenvirtuose Peter Finger hat sich nicht nur das Gitarre spielen, sondern auch das Gitarren bauen selbst beigebracht. - © Burkhard Battran
Selbermacher: Der Osnabrücker Gitarrenvirtuose Peter Finger hat sich nicht nur das Gitarre spielen, sondern auch das Gitarren bauen selbst beigebracht. | © Burkhard Battran

Warburg Gitarrenvirtuose begeistert Warburger Publikum

Kulturforum: Peter Finger gastierte nach 30 Jahren erneut in Warburg. Zwei Stunden lang zog der Pionier der modernen Folkgitarre die Zuhörer in seinen Bann

Burkhard Battran

Warburg. Der Bart ist gewichen und das Haar schütter geworden. Das galt nicht nur für den Künstler, sondern auch für viele Zuhörer, die den Osnabrücker Gitarrenvirtuosen Peter Finger (62) seit über 30 Jahren nicht mehr auf der Bühne gesehen haben. "1983 war dieser große Gitarrenmeister bereits zu Gast im Kulturforum und es ist wirklich eine echte Sternstunde, diesen einzigartigen Künstler erneut bei uns zu haben", begrüßte die Kulturforumsvorsitzende Lena Volmert zu Musikfans im vollbesetzten Kufokeller. Peter Finger zählt zu den Pionieren der modernen Folkgitarre, als Fingerstyle noch Picking hieß. Entsprechend hieß sein 1973 erschienenes Debütalbum "Finger Picking". Der Name leitet sich ab aus den so genannten Fingerpicks. Das sind ursprünglich von Banjospielern verwendete Aufsteck-Plektrums, um einen kräftigeren und brillanteren Ton zu erzeugen. Seit den 60er Jahren greifen vermehrt auch Folk-Gitarristen darauf zurück. Seit 1973 hat Peter Finger 21 Platten herausgebracht. Zuletzt ist 2014 sein Soloalbum "Made of Rosewood" erschienen. Peter Finger hat ein Oeuvre, das ihn aus dem Vollen schöpfen lassen kann. Sein Warburger Konzert eröffnete Finger mit einem seiner bekanntesten Liedern, dem Song "Niemandsland" aus dem gleichnamigen Album von 1989. Zwei Stunden lang zog Peter Finger die Zuhörer im Kufokeller in seinen Bann. Seine instrumentale Gitarrenmusik geht weit über den Folkbegriff hinaus. Peter Finger ist ein kosmopolitischer Klangbotschafter der Akustikgitarre. "Ich habe mich noch nie für einen Musikstil allein entscheiden können, darum nehme ich mir aus allen Genres, was ich für meine Musik gebrauchen kann", sagt Finger. Seit 40 Jahren gehört Peter Finger zu den Protagonisten der deutschen Akustikgitarrenszene. "Dabei hab ich Gitarre eigentlich nie gelernt, ich bin von Hause aus eigentlich Violinist, aber seit meinem 14. Lebensjahr bin ich von der Gitarre fasziniert", sagt Finger. Im Leben des Musikers und Komponisten dreht sich alles um die Gitarre. Peter Finger schreibt und spielt nicht nur Gitarrenmusik. Er gibt auch eine Zeitschrift heraus, betreibt ein Musiklabel und ein Gitarrengeschäft in Osnabrück. Dort handelt er mit den erlesensten Akustikgitarren. Für ihn als Musiker, sollte man meinen, ein Schlaraffenland, aus dem er sich für seine Auftritte, einfach das beste herausholt. Bei seinem Warburger Konzert hatte Peter Finger jedoch nur eine einzige Gitarre dabei, und die hat er auch noch selbst gebaut. "Das hab ich mir auch selbst beigebracht und dieses vor zwei Jahren von mir gebaute Instrument ist mir glaube ich, ganz besonders gut gelungen, und ich werde diese Gitarre spielen, bis mir eine noch bessere gelingt", sagt Finger. Seit 2004 beschäftigt sich Peter Finger intensiv mit dem Bau von Gitarren. "Ich brauche 150 Stunden für ein Instrument und mehr als drei bis vier pro Jahr schaffe ich einfach nicht", sagt der Gitarrenenthusiast. Im Laden bekommt man seine Gitarren nicht zu kaufen, da es sich ausschließlich um individuelle Kundenanfertigungen handelt. Derzeit hat Peter Finger vier Instrumente im Bau. Sollte ihm dabei ein neues Lieblingsinstrument gelingen, könnte es passieren, dass man seine aktuell gespielte Gitarre, als Schnäppchen erwerben kann. Der Grund sind einige heftige Kratzer auf der Decke. Peter Finger: "Ich spiele seit jeher mit Fingerpicks aus Metall und da kann es immer mal passieren, dass man übers Holz schrammt und das hinterlässt dann sehr unschöne Spuren."

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