Hammerhof Die NW-Redaktion Warburg wird Patin von Wisentkalb Eggemine

Wisentherde mit Nachwuchs

Katharina Engelhardt

Warburg. Sie grunzt, sie schnauft und das tut sie so laut, durchdringend und furchteinflößend, dass die Besucher am Wisentgehege im Hammerhof unweigerlich zusammenzucken: „Eglantyne" heißt der Koloss, der sich auf der Wiese behäbig in Richtung Futterplatz schiebt. Für die kräftige Wisentkuh sind nur zwei Dinge im Leben wirklich entscheidend. Erstens: kiloweise Grünfutter vertilgen. Zweitens: aufs Kälbchen aufpassen. Und weder Mensch noch Wisent sollten sich ihr dabei in den Weg stellen, andernfalls könne man „für nichts garantieren", sagt Rainer Glunz, der Leiter des Wisentgeheges augenzwinkernd. Ein wildes Ein-Tonnen-Wisent? Dann doch lieber die noch unschuldige Miniaturausgabe: Das kleine Kälbchen von Mama Eglantyne ist ein Feiertagsgeschenk. Am Pfingstmontag kam das Kuhkalb im Hardehauser Gehege zur Welt und nur kurze Zeit später hatte sich ein Pate für das flauschige Wisentbaby gefunden – die Warburger NW-Redaktion hat am Dienstag offiziell eine vorerst drei Jahre dauernde Patenschaft übernommen. Deshalb durfte sie auch gleich Namensgeber sein: Als „Eggemine", angelehnt an die tägliche Wilhelmine in der Zeitung, wird das Kälbchen künftig im Herdbuch geführt. Eggeliese, Eggenews oder doch Egberta? Dabei war die Namensfindung ein durchaus langwieriger Prozess: Eggeliese, Eggenews oder doch Egberta? „Wir haben tagelang in der Redaktion Vorschläge gesammelt und am Ende demokratisch über den Namen abgestimmt", sagt Dieter Scholz. Der NW-Redaktionsleiter schaut am Dienstag nach der feierlichen Übergabe der Patenschaftsurkunde im Hammerhof gleich persönlich bei der Herde des vier Wochen alten Kälbchens vorbei. Gemeinsam mit Roland Schockemöhle, Regionalforstamtsleiter Hochstift, Jan Preller, Leiter des Waldinformationszentrums Hardehausen und Rainer Glunz, dem Leiter des Wisentgeheges, geht es zur Wiese der großzügigen Anlage, wo Wisentwart Hans-Josef Böning schon mit Futter wartet. Und die Hornträger lassen sich nicht lange bitten, trotten zielsicher in Richtung Futterraufe – darunter die qietschfidele Eggemine mit Mama Eglantyne. Ausgelassen fegt und tobt sie mit den anderen Kälbchen über das Gras. Die Ein-Tonnen-Kolosse sind in Hardehausen Touristenmagnet und Aushängeschild für den Zuchterfolg einer gefährdeten Art zugleich. Im Hammerhof pflegt man eine jahrzehntelange Erfahrung mit der Zucht der europäischen Rinderart. Schon 1958 wurden Wisente im Hammerhof etabliert und man begann mit einer zunächst kleinen, aber feinen Zucht. Von Beginn an als Beobachter mit dabei: die NW. „Seit den Anfängen der Wisentzucht in Hardehausen haben wir die Geschicke der Schwergewichte kontinuierlich mitbegleitet", weiß Redakteur Dieter Scholz. Aus dieser gemeinsamen Geschichte heraus schien es nur konsequent, sich eines Tages als Pate für den Wisentnachwuchs zu bewerben. Mittlerweile werden auf dem 60 Hektar großen Gelände des Hammerhofs zwei Herden mit insgesamt 38 Tieren artgerecht gehalten. 17 Flachlandwisente Die kleinere Herde besteht aus 17 Flachlandwisenten, einer Linie, deren Tiere reinblütige Vertreter der Unterart Bos bonasus bonasus sind. Diese vom Aussterben bedrohte Linie wurde 2004 im Hammerhof angesiedelt. Die größere Herde besteht aus Nachkommen des ursprünglichen Bergwisents, einer Unterart, die ausgerottet ist und nur noch als Mischform mit dem Flachlandwisent existiert – dieser Zucht entstammt auch die kleine Eggemine. Das Besondere an Hardehausen: „Die gleichzeitige Haltung und Nachzucht beider Wisentlinien in separaten Gattern ist in Europa einmalig", erklärt Regionalforstamtsleiter Roland Schockemöhle. Und der Zuchterfolg kann sich Jahr für Jahr sehen lassen. Sechs Kälbchen kamen in diesem Frühjahr schon zur Welt. Wie viele noch unterwegs sind? „Das wissen wir nicht", sagt Rainer Glunz und schmunzelt. Wisente tragen mittig, deshalb sei eine Babywölbung nur schwer zu erkennen. „Wir lassen uns überraschen."

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