Neun Geigen, drei Bratschen, drei Celli und ein Kontrabass: Das Dogma Chamber Orchestra auf der Bühne der Schulaula. - © Dieter Scholz
Neun Geigen, drei Bratschen, drei Celli und ein Kontrabass: Das Dogma Chamber Orchestra auf der Bühne der Schulaula. | © Dieter Scholz

Warburg Dogma Chamber Orchestra begeistert Warburg

Die 16 Musiker bringen Klassisches aus der Sicht junger Künstler für ein Publikum von heute

Dieter Scholz

Warburg. Für einen Atemzug hält Mikhail Gurewitsch inne, dann jagt der Bogen auf den Saiten der Geige nach unten, setzt die erste Achtel, das Adagio der Bachschen Melodie aus dem Brandenburgischen Konzert G-Dur nimmt ihren Lauf. Eine Musik, in der sich nicht nur Klassikfans mit Wohlbehagen baden. Was folgt, sind knapp zehn Minuten Lebensfreude aus dem Barock. Mit dem Stück gelingt es den Musikern des Dogma Chamber Orchestra in der Aula des Gymnasium Marianum spielend, nach der Pause ihr Publikum wieder einzufangen. Die Komposition spielt das Kammerorchester in Originalbesetzung, je drei Geigen, Bratschen, Celli und der Generalbass. Die Dynamik im Detmolder Ensembles überzeugt vollends. Ein immens erfrischender Bach. Insgesamt ein spannendes Programm, das die 16 Musiker des zweifachen Echo-Preisträgers am Freitagabend in Warburg vorstellten. Beginnend mit dem Pizzicati-Präludium aus der E-Dur-Suite op. 63 des Amerikaners Arthur Foote über Stücke von Schostakowitsch, Bach und Mendelssohn-Bartholdy bis zum Schlussakkord einer Eigenkompostion des Orchesterleiters Mikhail Gurewitsch. Das Dogma Chamber Orchestra wurde 2004 von seinem ersten Violinisten und Konzertmeister Mikhail Gurewitsch gegründet. Unter seiner Leitung kommen seitdem junge, aber bereits international erfahrene Musiker zusammen, um gemeinsam klassische Musik zeitgemäß auf die Bühne zu bringen. Feine Klänge bietet dafür Footes Suite. Fast gläsern im Ausdruck erreichen die Instrumente das Ohr. Da ist nichts Schweres zu hören. Es ist das wohl bekannteste Stück für Streichorchester des Amerikaners aus den späten Jahren des ersten Jahrzehnts im 20. Jahrhundert. Vielleicht wegen der markanten Stellen, die von den Streichern statt mit dem Bogen gestrichen im treibenden Sechs-Achtel-Takt mit den Fingern gezupft werden. Klassik und Jazz: "die amerikanische Musik findet ihre eigenen Wege", bemerkt Gurewitsch. Dmitri Schostakowitsch hat das Streichorchester gleich eine ganze CD gewidmet. Die Musik des 1975 verstorbenen Russen steht den jungen Musikern. Nicht nur weil ihr Leiter in derselben Stadt geboren wurde wie der Komponist. Den Musikern geht es ebenso um den unverfälschten Zugang zur klassischen Musik, wie auch um die Suche nach inhaltlich neuen Wegen. Und da zeigen sie Mut. Schostakowitsch hat seine 24 Präludien op. 34 fürs Klavier geschrieben. Auf das Stück macht Gurewitschs Vater vor Jahren den heute 39-Jährigen aufmerksam. Grigory Korchmar hat die mitunter nur 30 Sekunden dauernden Petitessen für Streichorchester arrangiert. Erst vor drei Jahren veröffentlicht, sorgen sie im Warburger Gastspiel mächtig für Spannung. Mit den 13 ausgewählten zeigt das Orchester den Facettenreichtum des Werks. 26 Jahre ist Schostakowitsch alt, als er die Präludien komponiert. "Da musste er sich entscheiden, Klaviervirtuose oder Kompositeur", gibt Gurewitsch den Zuhörern in der Aula eine Verständnishilfe vor. Das letzte Stück: Felix Mendelssohn-Bartholdy, die Streichersinfonie Nr. 12 in g-Moll, die der junge Romantiker als 14-Jähriger schrieb. Ein geschmeidiger Vortrag, der das jugendlich Forsche des Stücks aus den Zeiten heraushebt. Vor fünf Jahren, beim ersten Auftritt in Warburg, war das Dogma Chamber Orchestra noch ein Geheimtipp. Seitdem feiert das Ensemble einen Erfolg nach dem anderen. Die Musiker musizieren stehend, betonen so die Freude und Leichtigkeit am Spiel. Eine weitere knappe Minute gibt es aus den Präludien Schostakowitschs als Zugabe, bevor Gurewitschs eigene Komposition "Springtime" als jazzangehauchte Klammer zum Beginn den entdeckungsreichen Abend beschließt.

realisiert durch evolver group