Flüchtlingsunterkunft am Horenberg: In der ehemaligen Börde-Kaserne leben aktuell 303 Personen. - © Jens Reddeker
Flüchtlingsunterkunft am Horenberg: In der ehemaligen Börde-Kaserne leben aktuell 303 Personen. | © Jens Reddeker

Warburg Eskalation in Flüchtlingsunterkunft: Kritik am Vorgehen der Polizei

Gegen den geplanten Umzug zum Schutz der Familie in eine andere Unterkunft habe sich die Syrerin "massiv gewehrt", berichtet Beigeordneter Klaus Braun

Simone Flörke

Warburg. 607 Asylbewerber leben laut dem Ersten Beigeordneten Klaus Braun derzeit im Stadtgebiet Warburg, davon 303 Menschen in der Unterkunft Am Horenberg bei Dössel in der ehemaligen Kaserne. Dort lebte auch eine Syrerin mit ihren drei minderjährigen Kindern, bei deren Umzug es zu verbalen und körperlichen Auseinandersetzungen gekommen sein soll. Die Staatsanwaltschaft ermittelt, ob es gegen die drei Beamten einen strafrechtlichen Vorwurf gibt. Landrat Friedhelm Spieker hat ein Disziplinarverfahren in Gang gesetzt, das bis zur Klärung der staatsanwaltlichen Erkenntnisse jedoch ruht. Die Kreispolizei Höxter hat die internen polizeilichen Ermittlungen an das Polizeipräsidium Bielefeld übergeben. Neben dem Horenberg gibt es weitere 19 weitere Unterkünfte im Stadtgebiet, darunter Wohnungen ebenso wie Turnhallen - wie auch in Ossendorf. Dorthin sollte die Frau mit ihren Kindern am 9. März umziehen. Eine Verlegung "zum Schutz und zum Wohle der Familie", sagte Klaus Braun. Weil es sexuelle Belästigungen durch Mitbewohner gegeben haben soll. Denn im Gebäude 8 am Horenberg sollten nur noch männliche Einzelpersonen leben. Familien und alleinerziehende Frauen sollen laut Unterbringungskonzept in andere Unterkünfte umgesiedelt werden, erklärte der Beigeordnete am Freitag. Interne Aktenlage der Polizei zeigt Widersprüche auf Insgesamt seien von diesen Umzugsplänen 32 Menschen betroffen gewesen, die darüber unterrichtet worden seien. Im letzten Moment, als der Umzugswagen schon dort vorgefahren sei, habe sich die Syrerin gegen den geplanten Umzug nach Ossendorf in die Turnhalle "massiv gewehrt", so Braun. Weshalb man die Polizei um Vollzugshilfe gebeten habe. Die Frau habe nicht nach Ossendorf gewollt, weil es in der dortigen Turnhalle keine Möglichkeit für sie gebe, eine Tür abzuschließen. Da in Ossendorf weitere Syrer lebten, sei die Kommune davon ausgegangen, dass man sich untereinander verstehen werde. Mit dem Handyvideo des Vorfalles vom 9. März und den Vorwürfen sei dann Warburgs Bürgermeister Michael Stickeln am 15. März konfrontiert worden, berichtete der Abteilungsleiter Polizei, Jürgen Koch. Er sei von Stickeln einen Tag später kontaktiert worden. Die interne Aktenlage der Polizei zeige dem gegenüber deutliche Widersprüche, "die nicht hinnehmbar sind und aufgeklärt werden müssen", erklärte Koch. Auch Mitarbeiter der Stadt seien über den Umzug informiert gewesen. Niemand habe aber von verbalen Attacken oder Handgreiflichkeiten berichtet, so Braun. Auf dem Handyvideo, das nun zur Aufklärung von den ermittelnden Behörden angefordert wird, soll laut WDR zu sehen und zu hören sein, wie ein Polizist droht: "Wenn sie nicht mitkommt, leg ich sie in Ketten und zerre sie raus. Ist mir scheißegal. Ich habe keine Zeit und keine Lust. Ich bin auch nicht ihr Freund (. . .) ist mir auch scheißegal, ob da ein Kind ist, das packe ich auch in Ketten." Kurz darauf werde die Familie in den Polizeiwagen gezerrt. "Die in dem Video dokumentierten verbalen Entgleisungen sind nicht akzeptabel", erklärte NRW-Innenminister Ralf Jäger am Freitag und betonte: "Es wird nichts unter den Teppich gekehrt".

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