Fast Zaun an Zaun: Links ist das Gelände des Blechspezialisten WIB zu sehen, gleich wenige Meter daneben haben vor einer Woche die Arbeiten für die geplanten Flüchtlingsunterkünfte begonnen. - © Katharina Engelhardt
Fast Zaun an Zaun: Links ist das Gelände des Blechspezialisten WIB zu sehen, gleich wenige Meter daneben haben vor einer Woche die Arbeiten für die geplanten Flüchtlingsunterkünfte begonnen. | © Katharina Engelhardt

Warburg Unternehmer schreibt offenen Brief an Kanzlerin Merkel

Im Industriegebiet Oberer Hilgenstock haben die Arbeiten für zwei geplante Flüchtlingsunterkünfte begonnen

Katharina Engelhardt

Warburg. Drei Meter trennen das Gelände des Warburger Unternehmens WIB GmbH im Industriegebiet Oberer Hilgenstock von dem Gelände, auf dem zurzeit zwei neue Flüchtlingsunterkünfte entstehen. In weniger als sechs Monaten sollen die Häuser bezugsfertig sein und jeweils bis zu 120 Schutzsuchenden Obdach bieten. Christian Ischen-Böhlen passt das gar nicht. "Wir sind sehr nervös momentan, wir sorgen uns schlicht und ergreifend um den Fortbestand unseres Betriebs", sagt der Warburger Unternehmer, der sich jetzt mit einem offenen Brief an Bundeskanzlerin Angela Merkel gewandt hat. Christian Ischen-Böhlen ist Geschäftsführer von WIB, einem Betrieb für Blechbearbeitung, der seit fünf Jahren an der Straße Kleebrede im Industriegebiet Nord ansässig ist. Die Sorge des Geschäftsmannes: die Sicherheit. "Die Maschinen in meiner Halle sind teuer und viele Materialien, mit denen wir arbeiten, sind auf unserem Gelände im Grunde für jedermann zugänglich", sagt Ischen-Böhlen. Zwar schützt ein hoher Metallzaun vor unbefugten Gästen, auch Kameras überwachen das Gelände, "aber im Arbeitsalltag steht das große Tor dauerhaft offen, da kann jeder hineinspazieren", so der Unternehmer. "Das können wir nicht permanent überwachen." Christian Ischen-Böhlen treibt aber nicht nur die Sorge um das Unternehmen um. Auch die Sicherheit der künftigen Nachbarn beschäftige ihn: Auf dem Hof lägen scharfkantige Bleche, "und wir arbeiten mit zum Teil hochempfindlichen und gefährlichen Stoffen. Wir werden nunmehr Sorge dafür tragen müssen, dass die neuen Anwohner nicht zu Schaden kommen", schreibt er in dem Brief an die Kanzlerin und spricht dort weiter von "kostenintensiven Sicherheitsmaßnahmen" und bittet um finanzielle Unterstützung. Dass er die von der Stadt nicht erwarten kann, weiß er. "Wir haben Verständnis für diese Sorgen", sagt Bürgermeister Michael Stickeln. "Aber wir müssen die Menschen irgendwo unterbringen und egal wo wir das tun, gibt es immer Betroffene - ob es die Nachbarn im Wohnhaus sind oder die Eltern von Grundschulkindern, in deren Turnhalle eine Notunterkunft eingerichtet wird." Ischen-Böhlen will die Kameraüberwachung aufrüsten und lässt die Kosten für ein automatisch gesichertes Tor prüfen. Am liebsten wäre dem Firmenchef jedoch ein Securitydienst, der rund um die Uhr auf dem Nachbargelände vor Ort ist. "Das halte ich nach dem derzeitigen Stand nicht für notwendig, schließe es aber auch nicht kategorisch aus", sagt Bürgermeister Michael Stickeln. Man müsse jeden Fall "individuell prüfen und abwägen", zeigt sich der Rathaus-Chef gesprächsbereit. Eine Antwort des Bundeskanzleramts steht aus. Lediglich eine Eingangsbestätigung habe WIB erhalten. Der offene Brief enthält übrigens auch eine Einladung an Merkel. Ende Februar wird sie zur Stippvisite beim Heringessen der CDU in Volkmarsen erwartet. Vor diesem Hintergrund "würden wir es begrüßen, wenn Sie sich selbst einen Überblick vor Ort verschaffen würden", schreibt Ischen-Böhlen.

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