CDU-Bundestagsabgeordneter Dr. Carsten Linnemann, CDU-Landtagsabgeordneter Daniel Sieveke, Generalvikar Alfons Hardt, der Paderborner Landrat Manfred Müller, Monika Brunert-Jetter, CDU-Landtagsabgeordnete aus Siegen, Hubertus Fehring, CDU-Landtagsabgeordneter aus Eissen, Europapolitiker Elmar Brok, Johannes Potthast, Kuratoriumsvorsitzender der Landvolkshochschule, Erzbischof Hans-Josef Becker, Rainer Deppe, CDU-Landtagsabgeordneter aus Overath, Festredner Steffen Kampeter, Monsignore Prof. Dr. Konrad Schmidt, Leiter der Landvolkshochschule Hardehausen, CDU-Landtagsabgeordnete Maria Westerhorstmann, Paderborns Bürgermeister Heinz Paus und Gabriele Beckmann (v. l.). Die Vorsitzende des Kreislandfrauenverbands Höxter-Warburg hielt das Schlusswort. - © FOTO: REINHARD ROHLF
CDU-Bundestagsabgeordneter Dr. Carsten Linnemann, CDU-Landtagsabgeordneter Daniel Sieveke, Generalvikar Alfons Hardt, der Paderborner Landrat Manfred Müller, Monika Brunert-Jetter, CDU-Landtagsabgeordnete aus Siegen, Hubertus Fehring, CDU-Landtagsabgeordneter aus Eissen, Europapolitiker Elmar Brok, Johannes Potthast, Kuratoriumsvorsitzender der Landvolkshochschule, Erzbischof Hans-Josef Becker, Rainer Deppe, CDU-Landtagsabgeordneter aus Overath, Festredner Steffen Kampeter, Monsignore Prof. Dr. Konrad Schmidt, Leiter der Landvolkshochschule Hardehausen, CDU-Landtagsabgeordnete Maria Westerhorstmann, Paderborns Bürgermeister Heinz Paus und Gabriele Beckmann (v. l.). Die Vorsitzende des Kreislandfrauenverbands Höxter-Warburg hielt das Schlusswort. | © FOTO: REINHARD ROHLF

KREIS HÖXTER/PADERBORN "Freiheit durch Regeln schützen"

Steffen Kampeter Gastredner beim Landvolk / Letzte Kundgebung mit Monsignore Konrad Schmidt

VON PETER HASENBEIN

Kreis Höxter/Paderborn. Dafür ist die Landvolkshochschule Hardehausen bestens bekannt: Beim Thema der Libori-Kundgebung ist der Veranstalter nicht zimperlich. Stets wartet er mit pointierten Formulierungen auf. "Liegt unser Staat auf der Intensivstation?" lautete denn auch diesmal die drastische Frage, der sich Festredner Steffen Kampeter stellte.

Der Staatssekretär im Bundesfinanzministerium stimmte der markanten Formulierung sogar zu, beruhigte die 750 Gäste in der Maspernhalle aber postwendend: "Bisher ist es uns gut gelungen, mit der schweren Krise fertig zu werden."

Eine feine Gelegenheit für den CDU-Bundestagsabgeordneten, die Politik der Regierung ins rechte Licht zu rücken. Und der 47-Jährige packte die Gelegenheit beim Schopfe. Sein Fazit: Mit dem Patienten Staat geht es steil bergauf. Während man offiziell noch von einer 1,4-prozentigen Steigerung des Bruttosozialproduktes ausgehe, hält Kampeter sogar "gut zwei Prozent" für möglich – und eine Arbeitslosigkeit von unter drei Prozent. Selbst das Ausland sei voll des Lobes über den "Motor Deutschland".

Vier Botschaften hatte der Christdemokrat im Gepäck. Erstens: Der Grund, warum Deutschland rascher aus der Krise gekommen sei, liege an "klaren Ordnungsvorstellungen". Im Mittelpunkt dabei: Die Rückbesinnung auf die Regeln der sozialen Marktwirtschaft. Und: "Maß und Mitte nicht aus den Augen verlieren."

Der Mann aus Minden ließ keinen Zweifel daran, dass die milliardenschwerenSchutzschirme für Banken und Euro-Staaten "richtig waren". Dass es obendrein ein Jobwunder gegeben habe, liege allerdings nicht an der Politik allein. Das sei in erster Linie ein Verdienst der Tarifparteien, gab Kampeter die Blumen weiter. Allerdings hätten auch Maßnahmen wie das Konjunkturprogramm entscheidend mit zum Erfolg beigetragen.

Zweitens: Die Welt sei überhaupt nur in die Krise geraten, weil der Finanzmarkt keine "angemessene Ordnung" gehabt habe. Logische Konsequenz: Kampeter setzt sich für klare Spielregeln und Schranken auf dem Finanzmarkt ein. Sein Credo: "Freiheit kann nur gewahrt werden, wenn sie durch Regeln geschützt wird." Credo Nummer 2: "Nur wer haftet, handelt verantwortlich."

"Wer jetzt geboren wird, hat schon 20.000 Euro Schulden"

Und so werde die Bundesregierung noch "viele Dinge" anpacken, "um die Banken mit in die soziale Marktwirtschaft einzubinden". Welche "Dinge" konkret, ließ Kampeter allerdings offen.

Drittens: Der Weg aus der Krise sei nur möglich, weil alle Staaten eng zusammenarbeiten. Alleingänge einzelner Staaten seien von vornherein zum Scheitern verurteilt. Oder anders formuliert: "Wir sind national nur handlungsfähig, weil wir international eingebunden sind."

Viertens: Auf Dauer überstehen könne man die Krise freilich nur, wenn man "auf anständige Finanzen baut". Soll heißen: Sparsamkeit ist das Gebot der Stunde. "Auch wenn die Konjunkturspritzen richtig waren und damit mehr Schulden aufgehäuft wurden, so müssen wir jetzt auf die Bremse treten", fordert Kampeter und nennt eine einprägsame Zahl: Wer jetzt geboren wird, hat bereits 20.000 Euro Schulden auf dem Buckel, macht unterm Strich 1.700 Milliarden Schulden – das sind die Schulden aller öffentlichen Haushalte zusammenaddiert.

Da sei der strikte Sparkurs schon mit Blick auf die nächste Generation "eine Frage der Gerechtigkeit". Nichts abgewinnen kann Kampeter allerdings dem Vorschlag von Bundeswirtschaftsminister Brüderle (FDP), der die Rentengarantie in Frage gestellt hatte und damit Rentenkürzungen nicht ausschließt. "Ich bin gegen Abstriche bei den Renten, das ist ein falscher Reformvorschlag", betont Kampeter.

Begrüßt hatte Monsignore Prof. Dr. Konrad Schmidt die Gäste der Kundgebung zum letzten Mal: Der Leiter der Landvolkshochule wird im Juni 2011 in den Ruhestand gehen. Schmidt unterstrich, dass weder die Bankenkrise noch die Staatenkrise bisher beseitigt worden seien. Und durch die Schutzschirme neue Schulden "in nie dagewesenem Umfang" angehäuft würden.

Das Schlusswort sprach die neue Kreisvorsitzende der Landfrauen Höxter-Warburg, Gabriele Beckmann. Sie kritisierte die zweistelligen Millionengehälter für Banken- und Konzernchefs und die Tatsache, dass Manager für gravierende Fehler viel zu selten die Verantwortung tragen müssten. Sie bedauert, dass der Werteverlust auch schon im ländlichen Raum Einzug gehalten habe.

Musikalisch umrahmt wurde die Kundgebung vom Musikverein Helmern unter der Leitung von Winfried Wächter.

Verzichten lernen und Fehler eingestehen

Auch die Wirtschaftskrise hat ihre Ursachen in einer fatalen Entwicklung: dass Menschen in immer kürzeren Abständen immer mehr besitzen wollen. So würden viele Personen über ihre Verhältnisse leben, sich mit Schulden überhäufen, "weil sie auf nichts verzichten wollen", wie Erzbischof Hans-Josef Becker bei der Begrüßung des Landvolks feststellte.

Genau darum setzte der Oberhirte einen Kontrapunkt und rückte das Wort "verzichten" in den Blickpunkt. Nur wer auf Ansprüche und Möglichkeiten verzichten könne, sei frei für einen ganz anderen Blick: Für den Blick auf sinnvolle, wesentliche und lohende Aktivitäten – und für den Blick auf die Bedürfnisse und Nöte anderer Menschen.

"Viele, die sich aufs Verzichten eingelassen haben, erfahren in der Praxis, dass ,weniger mehr ist’ und dass ihr soziales wie persönliches Leben eine neue Qualität gewinnt", betonte der Erzbischof. Seine zweite Bitte an die Zuhörer: Nicht den Versuch starten, fehlerfrei leben zu wollen.

"Es wäre entsetzlich, wenn wir rundum perfekt und ohne Fehler sein müssten", betonte Becker und kennt den besseren Weg: "Das habe ich nicht gewusst. Das kann ich nicht. Das habe ich falsch gemacht." Erst in diesen Formulierungen zeige sich ein ,fehlerfreundlicher’ und damit reifer, "weil realistischer Umgang mit dem Leben", so der Erzbischof.

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