Hat im Kreis Höxter vermutlich bald ausgedient: Mehrheitlich hat der beratende Umweltausschuss des Kreises am Dienstag für die Einführung der Wertstofftonne gestimmt. Für die Verbraucher ändern sich dadurch einige Entsorgungsregeln. - © picture alliance / ZB
Hat im Kreis Höxter vermutlich bald ausgedient: Mehrheitlich hat der beratende Umweltausschuss des Kreises am Dienstag für die Einführung der Wertstofftonne gestimmt. Für die Verbraucher ändern sich dadurch einige Entsorgungsregeln. | © picture alliance / ZB

Warburg/Kreis Höxter „Intelligente Fehlwürfe“: Hartnäckige Irrtümer über den Gelben Sack

Serie - Der gelbe Sack (3): Was alles hineingehört und was nicht. Und weshalb viele Verbraucher irrtümlicherweise glauben, die leeren Joghurtbecher ausspülen zu müssen

Katharina Engelhardt

Warburg/Kreis Höxter. Erst am Dienstag war der Gelbe Sack Thema im Kreisausschuss - dass die Wertstofftonne den Gelben Sack im Kreis Höxter bald ablösen wird, gilt als ausgemacht. Mehrheitlich haben die Politiker des beratenden Umweltausschusses dafür gestimmt, dass der Sack bald in die Tonne kommen soll. Was in die Wertstoffsammlung gehört, und was nicht, ändert sich dadurch nur marginal: Wie genau die Sammlung jetzt und künftig funktioniert, erklären wir heute im dritten Teil der NW-Entsorgungsserie. Eins vorweg: Der Gelbe Sack ist kompliziert, die Handhabung alles andere als simpel, weil nicht alle Regeln sich auf Anhieb dem Verbraucher erschließen. Deshalb halten sich rund um die Wertstoffsammlung auch hartnäckige Irrtümer, "intelligente Fehlwürfe", wie es die Entsorgungsbranche bezeichnet. Der Gelbe Sack wird von der Privatwirtschaft finanziert Irrtum Nummer 1: Um die Entsorgung kümmert sich der Kreis Höxter? Nein, das ist falsch. Der Gelbe Sack ist Teil des Dualen Systems und wird von der Privatwirtschaft finanziert. Zwar bietet der Kreis auch rund um die Wertstoffsammlung Beratungsservice an, die Verträge mit den Recyclingunternehmen. Die, die die Säcke abholen und verwerten, sind privatwirtschaftliche Anbieter und Teil des Dualen Systems. Innerhalb dieses Verbunds, der aus zehn Unternehmen wie etwa Veolia oder Der Grüne Punkt besteht, zahlen der Handel und die Industrie Gebühren für die Verwertung von Verpackungen an diesen Verbund. Der wiederum finanziert mit diesen Einnahmen die Entsorgung und das Recycling des Verpackungsmülls. Auch wie dick das Material des Gelbe Sacks ist, - oft eine Kritik der Verbraucher, die sich fälschlicherweise gegen den Kreis Höxter richtet - bestimmen demnach die Unternehmen des Dualen Systems. 3,5 Millionen Säcke werden jährlich für die Haushalte des gesamten Kreisgebiets bestellt. "Aber nur ein Teil davon landet auch wieder beim Entsorger", sagt Abraham. Ein erheblicher Rest landet zweckentfremdet im Kleidercontainer, oder als Pfandflaschensammelbehälter im Müll - deshalb wird das Stöffchen immer dünner, um diese Fehlverwendung so gering wie möglich zu halten. Wer das alles weiß, der versteht auch besser den... Irrtum Nummer 2: Alles was aus Kunststoff oder Plastik besteht, gehört automatisch in den Gelben Sack? Auch das ist falsch. Zum Beispiel Kleiderbügel: "Stammen sie aus dem Haushalt, also sind es alte Plastikbügel, die sie irgendwann einmal angeschafft haben, gehören diese in den Restmüll", erklärt Hubertus Abraham vom Kreis Höxter. "Wurde der Plastikbügel aber mit einem Kleidungsstück bei einer Onlinebestellung mitgeliefert, darf er in die Wertstofftonne - weil er dann Teil einer Verpackung ist und Industrie und Handel für seine Entsorgung bereits bezahlt haben." Aber aufgepasst: Kommt die Wertstofftonne tatsächlich, darf der alte Kleiderbügel in der Wertstofftonne entsorgt werden. Die Wertstofftonne wird gemeinsam vom Kreis und dem Dualen System betrieben, anders als der Gelbe Sack, der ausschließlich Sache der Privatwirtschaft ist. Die Zahnbürste darf in die Wertstofftonne, Papierrollen nicht Deshalb dürften dann auch künftig in der Tonne "stoffgleiche Nichtverpackungen" entsorgt werden. Wie auch beispielsweise die Zahnbürste, deren Verpackung bisher im Sack entsorgt werden darf, aber die Bürste selbst nicht - obwohl sie aus dem gleichen Kunststoff wie die Verpackung besteht. Kompliziert bleibt es bei sogenannten Verbundverpackungen. Oftmals sind um Joghurtbecher Papierrollen gewickelt und landen automatisch mit im Gelben Sack, wo Papier definitiv nicht hineingehört. Auch in die Wertstofftonne gehört das nicht hinein. Beschichtetes Papier, das sich nur schwer oder gar nicht zerreißen lässt, darf im Wertstoffsystem entsorgt werden. Irrtum Nummer 3: Verpackungen müssen ausgespült werden? Nein. Verpackungen müssen lediglich löffelsauber sein - das Ausspülen ist nicht notwendig. Der Müll wird bei der maschinellen Aufbereitung im Recyclingunternehmen ohnehin gewaschen und gesäubert. "Woher dieser Mythos stammt, wissen wir auch nicht so recht", sagt Hubertus Abrahams vom Kreis Höxter. Möglich, dass Verbraucher, die den Gelben Sack in der Wohnung zwischenlagern müssen, selbst dazu übergegangen sind, die Verpackungen penibel auszuspülen, um unangenehme Gerüche zu vermeiden. "Nachvollziehbar, aber notwendig ist das definitiv nicht", stellt Abraham klar. Insgesamt 4.000 Tonnen Wertstoffmüll fallen jährlich im Kreisgebiet an. 26 Kilogramm Müll entsorgt der Bürger durchschnittlich. Davon bestehen zehn Kilogramm aus Metallen wie Raviolidosen sowie zehn Kilogramm Kunststoffe, von denen dann zwei Kilo wertstofflich verwertet werden können. Weitere acht Kilogramm bestehen aus sogenanntem Gemisch, also vermischte Kunststoffe, deren Verwertung schwierig ist - die kommen in die thermische Verwertung. "Zum Beispiel werden sie in Zementwerken verwendet, um Energie zu erzeugen, und ersetzen dort Brennstoffe wie Öl."

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