Frühsommerliche Kulisse: Wer von Süden aus in die Warburger Altstadt fährt oder geht, der passiert die Altstadtbrücke. Stadteinwärts liegt zu ihrer Rechten die Diemelaue, an der sich Fußgänger, Radfahrer und Hundebesitzer bei schönem Wetter entspannen. Im Hintergrund sieht man die Kirchtürme der Alt- und Neustadt. - © Jan Ahlers
Frühsommerliche Kulisse: Wer von Süden aus in die Warburger Altstadt fährt oder geht, der passiert die Altstadtbrücke. Stadteinwärts liegt zu ihrer Rechten die Diemelaue, an der sich Fußgänger, Radfahrer und Hundebesitzer bei schönem Wetter entspannen. Im Hintergrund sieht man die Kirchtürme der Alt- und Neustadt. | © Jan Ahlers

Warburg Eine halbe Stunde: Volontär besucht Diemelaue in Warburg

Hundespielplatz vor den Toren der Stadt

Jan Ahlers

Warburg. Was für eine Idylle. Links von mir plätschert die Diemel sanft vor sich hin, rechts wehen die Gräser sachte im Wind. Ich schlage die Beine überkreuz und mache es mir auf der breiten Bank, die eher schon eine Liegefläche ist, bequem. Die Sonne brennt Anfang Mai bereits mit aller Kraft, mir wird schnell warm. Hier lässt es sich aushalten, denke ich mir. Im Hintergrund erhebt sich die eindrucksvolle Kulisse der Stadt. Unten die Altstadt mit ihrer Pfarrkirche St. Marien und dem Chattenturm, der sich hinter den blühenden Bäumen und Sträuchern nur erahnen lässt. Oben die Neustadt mit den Resten der Stadtmauer, dem Gotteshaus Maria im Weinberg und der großen St.-Johannes-Baptist-Kirche. Es ist friedlich hier in den Mittagsstunden. Manches Mal würden sich hier Hundebesitzer über missachtete Anleinpflichten, fehlende Kotbeutel für die Vierbeiner und weitere Kleinigkeiten streiten, wurde mir gesagt. Davon kann ich nichts sehen. Gerne hätte ich mich noch länger an diesem Ort entspannt Die als Hundespielwiese angedachte, kurz gemähte Wiese ist verwaist, als ich sie betrete. Ich schaue vorsichtig, ob nicht doch eine Dogge, ein Labrador oder ein Pinscher etwas hinterlassen hat - ein solches unfreiwilliges Andenken am Schuh bleibt jedem gerne erspart. Doch der Boden ist rein. Und siehe da, an der Brücke für den Straßenverkehr kommt auch schon eine Frau mit Hund aus der Ferne angedackelt. Erst beim genaueren Hinsehen fällt mir auf: Dem Tier, vielleicht ein Yorkshire Terrier, fehlt ein Vorderbein. Ich staune. Denn der kleine Vier-, pardon, Dreibeiner kommt mit seinem Schicksal sehr gut zurecht. Fröhlich flitzt er kurz über die Wiese, dann geht es weiter flussabwärts. Hin und wieder säumen Spaziergänger den Weg, ein paar Schulkinder radeln offenbar nach Unterrichtsschluss nach Hause. Doch nicht jeder Schüler fährt mit Muskelkraft: Plötzlich kündigt sich mit lautem Knattern ein Trio an, dass auf dem Moped nach Hause brettert. Schlagartig ist die Idylle hinüber und Benzingeruch steigt in die Nase, als sich die drei geschätzt 16-Jährigen entschließen, die Hundewiese für eine kleine Pause zu benutzen. Sie fahren auf das Grün, stellen ihre Zweiräder ab und entspannen. "Lass' aber gleich weiterfräsen", fordert ein Junge. "Komm' mal klar", wird ihm entgegnet. Das ist nicht meine Welt, denke ich mir. Die sind eben noch ein paar Jahre jünger und werden die Natur irgendwann noch angemessen zu schätzen wissen. Weil das Moped-Trio sich entschließt, doch noch einen Moment länger zu verweilen, endet mein Besuch in der Diemelaue nach einer halben Stunde mit etwas Missmut. Gerne hätte ich mich noch länger an diesem Ort entspannt. Hier ließe sich auch ein Buch lesen, vielleicht sogar eins schreiben. Als ich die Diemelaue verlasse, kommt mir ein älterer Herr mit gleich drei Hunden entgegen. Einer zieht wie verrückt an seiner Leine. "Nun lass' gut sein!", brummt das Herrchen. Doch er zieht und zieht, bis er sein Ziel erreicht hat: Frisches, kühles Wasser aus der Diemel. Und plötzlich hätte ich gute Lust, schnurstracks ins Freibad zu wandern.

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