Wie eine Wiedergängerin der Ferdinande von Brackel: Schauspielerin Maren Eggert vor Schloss Welda. - © Burkhard Battran
Wie eine Wiedergängerin der Ferdinande von Brackel: Schauspielerin Maren Eggert vor Schloss Welda. | © Burkhard Battran

Welda Tatort-Gesicht erzählt Werke von Warburger Autorin

Muttertag mit starken Frauen

Burkhard Battran

Welda. Auf heutige Verhältnisse bezogen, ist Ferdinande von Brackel (1835 bis 1905) die Rosamunde Pilcher Westfalens. Die auf Schloss Welda aufgewachsene Schriftstellerin war eine der erfolgreichsten Autorinnen des 19. Jahrhunderts. Rund 20 Romane hat sie geschrieben, die bereits zu Lebzeiten in fünf Sprachen übersetzt und teilweise in der 25. Auflage erschienen sind. "Es sind melodramatische Seifenopern, in denen es um Liebe oder Geld oder beides geht, aber auf einem sprachlich sehr hohen Niveau", erläuterte Veranstaltungsdramaturg Albrecht Simons von Bockum Dolffs. Am Sonntag hat das Literatur- und Musikfestival "Wege durch das Land" zum wiederholten Mal auf Schloss Welda Station gemacht. Rund 100 Zuhörer erlebten im ausverkauften Spiegelsaal, wo auch Ferdinande von Brackel bei eleganten Salons, Soireen und Gesellschaftsabenden aus ihren Romanen vorgelesen hat, eine Literaturperformance am Originalschauplatz. Schloss Welda ist ohne Zweifel ein Tatort der Literatur. Und da war es dramaturgisch nur folgerichtig, ein zeitgenössisches Tatortgesicht aus dem Werk von Ferdinande von Brackel vortragen zu lassen. Österreichische Autorin und Hamburger Duo begeistern Publikum Die aus dem Kieler Tatort als Kriminalpsychologin Frieda Jung einem breiten Publikum bekanntgewordene Hamburger Schauspielerin Maren Eggert (44) erschien dabei fast wie eine Wiedergängerin der Autorin, die neben ihrer großen Begabung auch ausgesprochen hübsch ausgesehen hat, insbesondere auf dem bekannten Jugendbildnis von 1852. In einem der elegantesten Quartiere des Hotel Impérial zu Genf ruhte auf dem Sofa eine junge Frau. Wie sie da lag, den kleinen, von schwarzen Spitzen umhüllten Kopf an die roten Kissen gelehnt, indes die blonden Locken weich und schwer niederfielen und die Hände mit lässiger Grazie im Schoß ruhten, bot sie, ohne schön zu sein, ein reizendes Bild dar. So beginnt der 1875 erschienene Brackel-Roman "Die Tochter des Kunstreiters", aus dem Eggert vorlas. Nimmt man die weiteren Programmteile dieser sonntäglichen Matinee hinzu, kann man von einem Muttertag der starken Frauen sprechen. Eröffnet wurde die Performance mit der von Preisen überhäuften österreichischen Autorin Teresa Präauer (39), die ihren aktuellen dritten Roman "Oh Schimmi" vorstellte, in dem sie sich als Ich-Erzählerin in einen Affenkostüm tragenden männlichen Teenager verwandelt hat. Höchst unkonventionell war auch der musikalische Beitrag mit der aus Bad Salzuflen stammenden Hamburger Songschreiberin Bernadette La Hengst (50). Zusammen mit Background-Sängerin Claudia Wiedemer präsentierte die Multiinstrumentalistin und Sängerin schräge Elektropop-Chansons, die eigentlich mehr für Hamburger Künstlerkneipen als für barocke Stucksäle gemacht zu sein schienen. "Es ist Frühling in der Stadt, wir sind das Gegenteil von satt - Liebe im öffentlichen Raum", sang das Duo und kam damit beim Weldaer Wege-Publikum bestens an, das das Duo frenetisch gefeiert hat.

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