Oft gewünschtes Motiv: Der Desenberg mit Getreidefeld und Getreidegarben (Öl auf Leinwand 1942). - © Burkhard Battran
Oft gewünschtes Motiv: Der Desenberg mit Getreidefeld und Getreidegarben (Öl auf Leinwand 1942). | © Burkhard Battran

Warburg Warburger Stadtmuesum erinnert an den Maler Gottfried Beyer

Ein Impressionist im besten Sinn

Burkhard Battran

Warburg. Es ist womöglich sogar die größte Beyer-Ausstellung, die überhaupt jemals gezeigt worden ist: 105 Gemälde aus dem 170 Arbeiten umfassenden Bestand der Sammlung der Hansestadt sind seit Sonntag im Warburger Stadtmuseum im "Stern" zu sehen. Der Künstler Gottfried Beyer selbst hat den Grundstein zu dieser Sammlung gelegt, als er seinen Bildbestand der Stadt übereignete. "Seine testamentarische Schenkung bildete den Grundstein des Sterns zum Museum. Alle, die das Stadtmuseum und dessen nun fast 30-jähriges Engagement schätzen, sind Gottfried Beyer zu tiefem Dank verpflichtet", sagte Bürgermeister Michael Stickeln in seiner Begrüßung. Und wer immer schon mal wissen wollte, warum der große Vortrags- und Ausstellungssaal im Obergeschoss des Sterns Beyer-Saal heißt, weiß nun warum. Im Laufe der Jahre ist die Beyer-Sammlung ständig gewachsen, indem aus Privatbesitz Bilder an die Stadt gingen. »Weil sie ihm persönlich wichtig gewesen sind« Gottfried Beyer war ein Vielmaler. Er musste viel malen, weil er davon leben musste. Zwar hat er von seinem 31. bis 47. Lebensjahr als Zeichenlehrer am Gymnasium Marianum gearbeitet, doch die Pension war zu gering, um davon leben zu können. Also hat Beyer Auftragsarbeiten ausgeführt. Als Motiv meistens den Desenberg. "Diese Bilder sind aber immer auch Ausdruck seiner impressionistischen Suche nach dem besten Licht", erklärte der frühere Studiendirektor Wolfgang Bialas, Kunstexperte im Museumsverein, in seiner Ausstellungseinführung. Von Claude Monet gibt es die 33 Arbeiten umfassende Bildserie der Kathedrale von Rouen. Beyers Kathedrale war der Desenberg. "Das Besondere an der Warburger Sammlung aber ist, dass ihr Schwerpunkt auf den Arbeiten liegt, die Beyer ganz für sich selbst gemalt und nicht, weil er sie hätte verkaufen wollen, sondern weil sie ihm persönlich wichtig gewesen sind oder er mit neuen Techniken und Vorgehensweisen experimentiert hat", erläuterte der Vorsitzende des Museumsvereins Rainer Mues. So hat Beyer beispielsweise 1939 Waldlandschaften gemalt, durch die das Licht geradezu durch das zarte Frühlingslaub hindurchzufließen scheint. "Gottfried Beyer ist auch technisch ein ganz brillanter Künstler", betonte Bialas. Neben dem Umgang mit Licht und Farbe ist es aber auch das Gespür für Details, die Beyers Arbeit auszeichnet. Davon zeugen besonders seine im Galerie-Saal gezeigten Künstlermappen von 1922 und 1936. Sie enthalten Drucke von Bleistiftzeichnungen, die akribisch genau erstellte Warburger Ortsimpressionen zeigen. »Hoch aufgeschossen und dünn wie eine Bohnenstange« Gottfried Beyer wurde am 3. März 1889 in Coesfeld geboren und ist in Münster aufgewachsen. Seine Eltern hatten mit Kunst nicht viel am Hut. Der Vater Alois Beyer war Sparkassenrendant. Gottfried blieb das einzige Kind der Familie. Der Vater, früh verstorben, hatte seine Familie aber gut situiert hinterlassen, so dass Gottfried Beyer seiner künstlerischen Neigung folgen konnte und in Münster und Kassel studierte. "Gottfried Beyer war hoch aufgeschossen und dünn wie eine Bohnenstange", so Bialas. Der Künstler litt an Rückenschmerzen und das Gehen fiel im schwer. Vom Malen abgehalten hat ihn das nicht. Bis wenige Monate vor seinem Tod war Beyer als Maler tätig. Er starb mit 79 Jahren am 17. April 1968 in seinem Haus auf der Hüffert, nahe dem Bittkreuz, das bis heute als "Villa Malkasten" bezeichnet wird.

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