Schwingt gekonnt den Hammer: Dorothee Klotz schmiedet einen Haken, an dem sie später im Garten eine Blumenampel anbringen möchte. - © Anna-Lena Ryczek
Schwingt gekonnt den Hammer: Dorothee Klotz schmiedet einen Haken, an dem sie später im Garten eine Blumenampel anbringen möchte. | © Anna-Lena Ryczek

Schweckhausen Erster Schmiedekurs für Frauen in der restaurierten Schmiede in Schweckhausen

Heiße Eisen im Feuer

Anna-Lena Ryczek

Schweckhausen. Bereits hunderte Meter vom kleinen Schmiedehäuschen entfernt ist es zu hören: Ein hellklingendes Hämmern, das sich stetig wiederholt. Die Schweckhauser werden froh sein, den Klang mal wieder zu hören. Immer wieder halten neugierige Passanten an, werfen einen kurzen Blick in die Schmiede und nicken anerkennend. Der erste Schmiedekurs für Frauen kam am Samstag aber auch bei den Teilnehmerinnen gut an. Noch vor zwei Jahren waren sowohl die alte Schmiede als auch das Stellmacherhäuschen in einem denkbar bedauernswerten Zustand. Heute sind die beiden schmucken Fachwerkhäuser am Ortseingang der ganze Stolz der Schweckhauser. Und seit dem "Tag des offenen Denkmals" im September herrscht auch wieder reger Betrieb in den Häusern aus dem Jahr 1730. "Bis in die 1970er Jahre gab es in Schweckhausen einen Schmiedebetrieb. Heute sind wir sehr stolz, Schmiedekurse in unserem Ort anbieten zu können", sagte Ortsvorsteher Heinz-Jürgen Schmitt. Ausschließlich Frauen standen am Amboss. Unter der Leitung von Bernhard Möller, der hauptberuflich als Schmied arbeitet, gewannen die Damen einen Einblick in die Schmiedekunst. Mit sechs Frauen war der Kursus in der urigen kleinen Schmiede ausgebucht. "Mehr Teilnehmer können wir aufgrund des Platzes auch nicht annehmen", sagte Ingrid Menzel, die das Volkshochschulangebot koordinierte. Die Vorfreude der Damen auf den handwerklichen Nachmittag war groß. "Das ist mal etwas ganz anderes", sagte eine Teilnehmerin über ihre Motivation teilzunehmen. "Das geht richtig in die Arme, ihr werden es morgen merken" Auch zwei Schweckhauser Frauen mischten sich mit unter die Schmiede-Anfängerinnen. Rita Ungerland und Ingeborg Rosenbaum haben aufgrund der aufwendigen Restaurierung, die auch von der Ortsgemeinschaft gestemmt wurde, eine ganz andere Beziehung zu den beiden kleinen Häuschen. "Wir sind an so vielen Wochenenden mit Karre und Schippe hier im Einsatz gewesen, haben geschrubbt und mitgeholfen", erinnerte sich Rita Ungerland. Dass in der alten Schmiede wieder Betrieb herrscht, sei ein lang gehegter Traum der Ortsbewohner, wissen die beiden Schweckhauser Frauen. Und dass die beiden nun am ersten Schmiedekurs für Frauen im Kreis Höxter teilnehmen - natürlich "Ehrensache". Im dreistündigen Kursus bekamen die Frauen ein Gefühl fürs Schmieden des Eisens: Zunächst schrotete Schmied Möller von einer Eisenstange Stücke ab. Danach ging es für die Frauen ans Eingemachte: Das Eisen musste in die Esse, bis die Spitze zu glühen beginnt. Das Feuer ist durch eine spezielle Schmiedekohle zwischen 850 und 2.200 Grad Celsius heiß. "Dann geht es ans sogenannte Vorschmieden und Biegen", informierte Möller über die nächsten Schritte. Am Steckhörnchen wurden die Eisenstücke mithilfe eines Hammers gebogen. "Das geht richtig in die Arme, ihr werden es morgen merken", sagte der sympathische 79-Jährige mit einem verschmitzten Lächeln auf den Lippen. Nach dem Auskühlen wurde das Eisen dann noch gründlich gereinigt und geputzt. Auch die Gespräche kamen beim Schmieden nicht zu kurz. Im Stellmacherhäuschen nebenan warteten am Nachmittag Kaffee und Kuchen auf die fleißigen und hungrigen Teilnehmerinnen.

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