Zweispitz mit weißer Federpracht: Nach zwölf Jahren als Oberst des Bataillons wird Michael Kohlschein beim Schützenfest im kommenden Jahr Kommando, Hut und Schärpe an seinen Nachfolger, den die Warburger Schützen am Samstag wählten, weitergeben. - © Saskia Jochheim
Zweispitz mit weißer Federpracht: Nach zwölf Jahren als Oberst des Bataillons wird Michael Kohlschein beim Schützenfest im kommenden Jahr Kommando, Hut und Schärpe an seinen Nachfolger, den die Warburger Schützen am Samstag wählten, weitergeben. | © Saskia Jochheim

Warburg Schützen: Oberst Michael Kohlschein legt den Befehl nieder

„Abtreten, wenn es am schönsten ist“

Saskia Jochheim
Anna-Lena Ryczek

Warburg. Michael Kohlschein sitzt am Schreibtisch. Der Computerbildschirm zeigt die Internetseite des Warburger Schützenvereins. Alle wichtigen Daten und Fakten sind dort vermerkt, Beginn und Ende aller Amtszeiten festgehalten. Vor der Tastatur liegt ein kariertes Blatt Papier, daneben ein Bleistift. Auf dem Papier hat er versucht, seine Gedanken zusammenzufassen: Was möchte ich sagen? Wem möchte ich danken? In den vergangenen zwölf Jahren hatte Kohlschein das Kommando über die rund 500 Warburger Schützen. Hoch zu Ross erteilte er schneidige Befehle, war es seine Stimme, die über dem Paradeplatz ertönte. Er erinnert sich noch genau an den Tag, an dem er die Wahl zum Oberst annahm: "Das war 2006, am Abend der Generalversammlung", denkt er zurück. Ob er seinen Posten übernehmen wolle habe ihn der damals scheidende Oberst Robert Michels schon im Vorfeld gefragt, die Wahl durch das Bataillon besiegelte dann den offiziellen Beginn seines Amtsantrittes. Und das für die folgenden vier Jahre. Zumindest erstmal. Was auf ihn zukam, war ihm bewusst: "Schließlich war ich in den vorherigen 14 Jahren Adjutant unter Oberst Michels, da weiß man doch ziemlich genau, wie es funktioniert", sagt Michael Kohlschein. Ziemlich genau wusste der damals frisch gebackene Oberst auch, wie man sich selbst in schwierigen Situationen im Sattel hält: "Als junger Mann habe ich selbst Pferde besessen, bin aktiv geritten", sagt er. Und was das Erteilen von Befehlen angehe, habe er sich eine weitere Erfahrung aus seiner Jugend zunutze machen können: "Ich war bei der Bundeswehr, daher wusste ich, wie das mit dem Befehle-Geben so läuft", sagt er augenzwinkernd. »Pferde und Kutschen sind gestaltende Elemente im Festzug« Denke er an die Anfänge seiner Laufbahnen als Adjutant und als Oberst zurück, so habe sich im Vergleich zu heute gar nicht so viel verändert. Und das sei auch gut so. "Ich finde es nach wie vor sehr schön, dass wir Pferde und Kutschen mit dabeihaben. Sie sind als gestaltende Elemente im Umzug und im Parademarsch sehr wichtig und verleihen unserem Fest diesen so besonderen Rahmen", sagt er und lächelt - nicht ganz ohne Stolz. Sein schönstes Erlebnis als Chef des Militärischen im Warburger Verein habe er ungefähr zur Mitte seiner Amtszeit gehabt: "Das war auf dem Jubiläums-Schützenfest 2011", sagt Kohlschein. Damals habe ein Parademarsch mit einer Teilnehmerzahl von weit mehr als 500 Schützen stattgefunden. Darunter waren Fahnenabordnungen der Gastvereine aus dem gesamten Kreis Höxter. "Es war wirklich ein tolles Bild, alles hat funktioniert und allen hat es Spaß gemacht", erinnert er sich und sein Blick schweift in die Ferne. Hinter Oberst Michael Kohlschein liegen drei Amtsperioden. Zwei weitere Male hatte ihn das Bataillon zu seinem Oberst gewählt. Und Michael Kohlschein hatte jedes Mal die Wahl angenommen. Aber nun soll Schluss sein: "Mein Entschluss ist gefasst", sagt er, und es scheint ein bisschen so, als überzeuge er sich gerade selbst noch davon. "Nein, es bleibt dabei: Ich möchte abtreten, wenn es am schönsten ist und die Verantwortung in jüngere Hände abgeben", erklärt er mit fester Stimme. Etwas Wehmut sei natürlich dabei, gibt er ganz offen zu. "Das ist ja klar. Meine Aufgabe hat mir während der ganzen Jahre sehr viel Spaß gemacht, es hat immer alles gut geklappt und ich durfte mit tollen Leuten zusammenarbeiten", fasst er seine Zeit als Oberst zusammen. Natürlich habe der Posten als Oberst auch Arbeit bedeutet: "Kein Amt kommt ohne die entsprechende Leistung aus", sagt Kohlschein. "Und man muss natürlich immer dabei sein. Fehlen ist nicht", sagt er pflichtbewusst. Der scheidende Oberst ist sich aber auch bewusst, dass ein Oberst nichts ohne diejenigen ist, die ihm stets treu zur Seite stehen und als helfende Hände immer da sind, wenn sie gebraucht werden. "Ich möchte mich daher bei meinen Adjutanten Stefan Krefeld, Florian Becker, Jürgen Pischke, Hendrik Schulze-Niehoff, Elmar Sagel und Regine Henchen für die tolle gemeinsame Zeit bedanken", hält er fest. "Natürlich gilt mein Dank auch Michael Witte und Dirk Faupel", fügt er die beiden Schellenbaumträger hinzu. Seinem Nachfolger wünsche er eine "glückliche Hand" und vor allem "Freude an seiner neuen Aufgabe". Es sei ja kein einfacher Posten, aber doch ein sehr, sehr schöner", sagt Michael Kohlschein. Offiziell wird er noch bis 2019 Oberst des Warburger Schützenvereins bleiben. Denn erst am Schützenfest-Sonntag wird er dem neu gewählten Oberst vor dem gesamten Bataillon Hut und Schärpe überreichen. Als Oberst wird das Michael Kohlscheins letzte Aufgabe sein. Und sie wird wohl nicht zu seinen leichtesten gehören. Elmar Sagel wird als neuer Oberst die Warburger Schützen befehligen Seit 16 Jahren engagiert er sich im Verein: Am Samstagabend wählten die Warburger Schützen einstimmig Elmar Sagel zu ihrem neuen Oberst. Der 43-Jährige ist im Schützenvorstand längst kein unbeschriebenes Blatt. In ihrer Jahresversammlung hatte sich die 110 Teilnehmer zunächst dem Rückblick gewidmet und einen Einblick in die finanzielle Lage des Vereins genommen. Anschließend stand die Neuwahl einiger Vorstandsämter auf der Tagesordnung. Per Handzeichen stimmten die Mitglieder der vier Warburger Kompanien über Neubesetzungen ab. Stellvertretender Vorsitzender Christian Jansen und Schriftführer André Becker wurden in ihren Ämtern bestätigt. Auch den Kompanievertretern aller vier Kompanien schenkten die Schützen erneut ihr Vertrauen. Fritz Vesper wurde für die erste Kompanie, Andreas Kropp für die zweite, Sebastian Böhlen für die dritte und Annika Altmann für die vierte Kompanie wiedergewählt. Haupttagesordnungspunkt des Abends war die Wahl des neuen Obersts: Michael Kohlschein gab den Weg für einen Nachfolger frei. Dieser Herausforderung wollte sich Christian Sagel stellen. „Ich war jahrelang stellvertretender Hauptmann der dritten Kompanie", sagte Sagel. Beim Schützenfest im vergangenen Jahr fungierte Sagel als Oberstadjutant. „Da konnte ich bereits ein bisschen üben", so der neue Oberst. Der Ritt hoch zu Ross durch die Hansestadt dürfte beim Schützenfest 2019 also kein Problem für ihn sein. Über die Frage, warum er sich nun zum Oberst hat wählen lassen, dachte Elmar Sagel nur einen kurzen Moment nach. „Ich wollte im Verein einfach gerne Verantwortung übernehmen." Sagel ist verheiratet und Vater dreier Kinder.

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