Expertengespräch: Josef Jacobi (v. l.),Vorsitzender der Upländer Bauernmolkerei, Prof. Onno Poppinga, Milchbauer Peter Hamel, Petra Müller von Demeter, Peter Guhl, Vorsitzender der Milcherzeugergemeinschaft MEG, Ottmar Ilchmann von der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft und Jens Schaps, Direktor für Märkte und Agrarmarktanalyse der EU-Kommission. - © Hermann Ludwig
Expertengespräch: Josef Jacobi (v. l.),Vorsitzender der Upländer Bauernmolkerei, Prof. Onno Poppinga, Milchbauer Peter Hamel, Petra Müller von Demeter, Peter Guhl, Vorsitzender der Milcherzeugergemeinschaft MEG, Ottmar Ilchmann von der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft und Jens Schaps, Direktor für Märkte und Agrarmarktanalyse der EU-Kommission. | © Hermann Ludwig

Hardehausen Milchtagung in Hardehausen: Landwirte fürchten die nächste Milchkrise

Jens Schaps von der EU-Kommission weist die Milchbauern auf Kooperationsmodelle hin. Vertragsgebundene Vermarktung als Lösungsmodell

Hermann Ludwig

Hardehausen. Nach einem Jahr mit relativ guten Milchpreisen für die Erzeuger senken die Molkereien ihre Auszahlungspreise wieder. "Aktuell wird in der Europäischen Union und in Deutschland rund fünf Prozent mehr Milch erzeugt als noch vor einem Jahr", erklärte der Körbecker Biolandwirt Josef Jacobi am Montag bei der bundesweiten Tagung unter dem Titel "Verantwortung im Milchmarkt für Menge, Preis und Qualität" in Hardehausen. "In den nächsten zwei bis drei Monaten werden die Erzeugerpreise weiter sinken", erwartet Jens Schaps von der EU-Kommission weitere Preisverwerfungen, bei der die EU den Landwirten jedoch weiter zur Seite stehe. Aus der Marktkrise 2015/2016 liegen noch knapp 400.000 Tonnen Magermilchpulver in den Lagerhallen der EU. "Das Mittel der Intervention werden wir weiter nutzen", sagte Schaps, der den Wegfall der Milchquote verteidigte. "Die Milchquote hat 30 Jahre nicht funktioniert, es war immer zu viel Milch im Markt", so Schaps. Im Vorgriff auf den Wegfall der Quote seien schon 2014 enorme Milchmengen auf den Markt gekommen, die 2015 noch erweitert worden seien. Der starke Euro, dass Russland-Embargo und die gesteigerten Liefermengen hätten dazu geführt, dass der Erzeugerpreis auf 20 Cent je Kilogramm Milch gesunken sei. "Die Herstellungskosten liegen bei durchschnittlich 40 Cent je Kilogramm Milch", erläuterte Ottmar Ilchmann von der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL), "Die Milchkrise hat Existenzen gekostet, viele Betriebe tragen jetzt noch Schulden-Altlasten mit sich herum, die bei weiteren Preisreduzierungen wieder Milchviehbetriebe zur Aufgabe zwingen." Ilchmann. rief die Verbraucher dazu auf, Qualitätsmilch zu kaufen. Wenn die Landwirte auskömmliche Preise für ihr Produkt Milch bekämen, sei auch das Tierwohl gesichert. "Wenn der Kostendruck hoch ist, kann das auch zu Lasten der Tiere gehen", so Ilchmann. Überbelegungen in den Ställen seien nur eine Konsequenz, auch bei den Tierarztkosten müsse in der Not gespart werden, erklärte Ilchmann, der sich für die Weidehaltung stark macht. Die Lieferbeziehungen zwischen Milcherzeugern und Molkereien möchte die bundesweit tätige Milcherzeugergemeinschaft MEG Milch Board verändert. Deren Vorsitzender Peter Guhl setzt sich vertragliche Lösungen ein, bei der Milchmenge, Qualität und Preis verbindlich geregelt sind, um Überschussmengen bei der Milchproduktion zu verhindert. "Die vertragsgebundene Milchvermarktung kann durch eine bedarfs-, und damit marktgerechte Produktion, Krisen verhindern oder abmildern", erläuterte Guhl. Prof. Onno Poppinga stellte bei der Milchtagung ein Projekt vor, das Erfahrungen konventioneller Betriebe mit kraftfutter-reduzierter Milcherzeugung ausgewertet hat. Der Agrarwissenschaftler räumte mit der lange Zeit verbreiteten Lehrmeinung auf, dass Kraftfutter zu erheblichen Milchmehrproduktion beitrage. Eine Untersuchung habe gezeigt, dass reduzierte Kraftfuttergaben auch zur besseren Wirtschaftlichkeit der Betriebe beitrügen. Petra Müller stellte die MEG Demeter MilchBauern Süd vor, die mit der Heumilch am Markt erfolgreich ist. "Diese Milch schmeckt besonders, das hat mich begeistert", meint Biobauer Josef Jacobi, der sich dafür einsetzt, Milch als Qualitätsprodukt zu vermarkten, um bäuerliche Existenzen zu sichern. "In Körbecke gab es vor 30 Jahren noch mehr als 30 Milchbauern, heute sind es nur noch zwei", so Jacobi. Dass die Landwirte ihre Chancen besser nutzen können, betonte Jens Schaps. Landwirte sollten die Möglichkeiten der Kooperation nutzen, den rechtlichen Rahmen dazu gebe die sogenannte EU-Omnibusverordnung her.

realisiert durch evolver group