Ein Richter in Lumpen: Theaterikone Peter Bause als Azdak auf der Bühne in Warburg. Fotos: Burkhard Battran|| - © Burkhard Battran
Ein Richter in Lumpen: Theaterikone Peter Bause als Azdak auf der Bühne in Warburg. Fotos: Burkhard Battran|| | © Burkhard Battran

Warburg Warburger Theatersaison geht mit einem modernen Klassiker zu Ende

Mit einer fabelhaften Inszenierung von Bertolt Brechts "Kaukasischem Kreidekreis" ist im ausverkauften Pädagogischem Zentrum die aktuelle Theaterspielzeit der Hansestadt zu Ende gegangen

Burkhard Battran

Warburg. Der Ursprung findet sich in der Bibel. Da gab es den weisen König Salomon, der einen Streit zwischen zwei Frauen schlichten wollte. Beide wollten Anspruch auf ein Kind geltend machen, da sie behaupteten, die Mutter zu sein. Salomon befahl, das Kind in zwei Hälften zu teilen und jeder Frau einen Teil zu geben. "Ach, mein Herr, gebt ihr das Kind lebendig und tötet es nicht", rief die eine Frau erschrocken. Da antwortete der König: "Gebet dieser das Kind lebendig; die ist seine Mutter." So steht es im Text der historischen Lutherbibel. Im amerikanischen Exil hat der bedeutende Dramatiker und Begründer des dialektischen Theaters, Bertolt Brecht, den biblischen Stoff zum Ausgangspunkt für seinen "Kaukasischen Kreidekreis" gewählt. Allerdings nicht ganz so martialisch wie von Luther überliefert. Bei Brecht malt der "Dorfschreiber Azdak" mit Kreide einen Kreis auf den Boden, stellt das Kind hinein, jede Mutter greift einen Arm, um es zu sich ziehen. Bis die eine loslässt, um das Kind nicht zu verletzen. Ihr wird das Kind dann zu erkannt. "Im Prozess kommt es nicht auf den Anspruch der Magd auf das Kind, sondern den Anspruch es Kindes auf die bessere Mutter an", hat Brecht selbst in seinen Anmerkungen zum Stück formuliert. Dabei geht es Brecht gar nicht darum, die Geschichte Salomons zu erzählen. Vielmehr ist das "Salomonische Urteil" das Finale eine Geschichte um Krieg, Machtmissbrauch, und das Leiden der Bevölkerung, wenn Herrschende nur die Selbstbereicherung im Sinn haben. Am Dienstag war die Parabel auf ungerechte Gesellschaftszustände zum Abschluss der aktuellen Theatersaison der Hansestadt Warburg im ausverkauften Pädagogischen Zentrum zu sehen. Die vom Stadttheater Amberg erarbeitet Inszenierung stand dabei für Brechtsches Theater im besten Sinn. In der männlichen Hauptrolle des "Sängers" und des "Azdaks" war der große DDR-Mime Pete Bause (77) zu sehen, der auch Regie geführt hat. Mit Brecht war Bause immer eng verbunden. In den frühen 60er Jahren reüssierte Bause mit Brechts "Flüchtlingsgesprächen". Im Westen kennt man Bause am ehesten als Lehrer Dumbeck aus "Unser Lehrer Doktor Specht" oder als Eike in "Ein Bayer auf Rügen".Im "Kaukasischen Kreidekreis" gelang Bause als "Dorfschreiber Adzak" eine Charakterrolle von großem Format. "Der Azdak ist ein völlig lauterer Mann, der einen verlumpten Menschen spielt, so wie beim Shakespeare die Weisen Narren spielen", hat Brecht über die Figur gesagt. Aber eigentlich geht der Gedanke noch weiter, denn im Kaukasischen Kreidekreis geht es auch darum, zu zeigen, wie das Recht von den Mächtigen korrumpiert wird. So lässt Brecht einen Soldaten im Stück sagen: "Immer war der Richter ein Lump, so soll jetzt ein Lump der Richter sein". Und genau diese Divergenz traf auch Peter Bause in charismatischer Weise. In der weiblichen Hauptrolle der "Magd Grusche" brillierte die Berliner Schauspielerin Marianne Thies (37). In OWL ist Thies nicht unbekannt. Zwischen 2009 bis 2014 war Thies am Landestheater Detmold und den Paderborner Kammerspielen engagiert gewesen. Seit 2014 spielt Marianne Thies auch die "Grusche" in der aufwendigen Produktion mit 13 Darstellern und einem Bühnenmusiker (Clemens Bernhard Winter).

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