Ein Gastwirt mit Leib und Seele: Seit seinem 16. Lebensjahr führt Paul Tönsfeuerborn die Wirtschaft in Hohenwepel. Inzwischen ist er fast 93 Jahre alt. - © Burkhard Battran
Ein Gastwirt mit Leib und Seele: Seit seinem 16. Lebensjahr führt Paul Tönsfeuerborn die Wirtschaft in Hohenwepel. Inzwischen ist er fast 93 Jahre alt. | © Burkhard Battran

Hohenwepel Hohenwepeler ist einer der ältesten Wirte Deutschlands

Paul Tönsfeuerborn wird im April 93 Jahre alt. Für Versammlungen und Besuch stellt er sich immer noch gerne hinter die Theke. Ans Aufhören denkt er nicht

Burkhard Battran

Hohenwepel. Gastwirt Paul Tönsfeuerborn ist entrüstet. „Ich hör doch nicht auf. Im nächsten Jahr sind doch alle wieder bei mir", sagt der Wirt des gleichnamigen Gasthofs in Hohenwepel. Tönsfeuerborn wird am 27. April stolze 93 Jahre alt. Er zählt zweifelsfrei zu den ältesten aktiven Gastwirten in ganz Deutschland. Und zwar ganz alleine. Seine Frau Zilly ist 2004 gestorben, die Töchter Petra und Eva haben eigene Existenzen und selbst bald das Rentenalter erreicht. „Ich mach das gerne und ich kriege es auch noch ganz gut hin", sagt Tönsfeuerborn. Sein Gasthof hat auch keine festen Öffnungszeiten mehr, sondern nur, wenn sich beispielsweise ein Verein zur Jahreshauptversammlung angemeldet hat, eine Familienfeier stattfinden soll – oder aber wenn mittwochs um 19.45 Uhr der gemischte Chor Liederkranz zur Probe kommt. Anfang Februar ist der Liederkranz zum vorerst letzten Mal zur Probe im Gasthof Tönsfeuerborn zusammengekommen. Vorn im Thekenzimmer ist es kalt, aber hinten im Saal, wo die Probe stattfindet, ist es gemütlich warm. „Die Heizung funktioniert tadellos, eine halbe Stunde vorher mach ich sie an, damit sich die Sängerinnen und Sänger wohl fühlen", sagt der Gastwirt. Paul Tönsfeuerborn trägt noch nicht mal eine Brille. „Die Chormitglieder erkenne ich alle so und auch die Arbeit als Gastwirt kann ich ohne Brille erledigen." In Hohenwepel gibt es noch zwei Gastwirtschaften. Die andere ist die von Josef Wittkopp (77), die ebenfalls nur noch zu besonderen Anlässen öffnet. In den ungeraden Jahren finden die Liederkranz-Proben bei Tönsfeuerborn statt und in den geraden Jahren bei Wittkopp. Seit 1996 ist das so. „Vorher waren die Proben ausschließlich bei mir, aber weil der Josef aktiver Sänger ist und ich nur passives Mitglied, haben wir das so verabredet", erklärt Paul Tönsfeuerborn. Früher gab es an den Probenabenden auch noch etwas zu verdienen. Die Zeiten sind vorbei. Die Chöre sind kleiner und die Mitglieder älter geworden. „Das bisschen Wasser, das die Sänger heute bei mir trinken, deckt kaum die Heizkosten, aber darauf kommt es mir auch nicht an, ich freue mich einfach über den Besuch und den schönen Gesang", sagt der Gastwirt. Paul Tönsfeuerborn wurde 1925 in Lippstadt geboren. Vater Lorenz war auch Gastwirt. 1931 hat er seine Lippstädter Gastwirtschaft für 70.000 Mark gewinnbringend verkauft und für 28.000 Mark den heutigen Gasthof in Hohenwepel erworben. „Als es nach Krieg aussah, hat mein Vater den Gewinn aus dem Gaststättenverkauf in 1.000 Liter Schnaps und ein ganzes Zimmer voll Zigarren investiert”, erzählt Paul Tönsfeuerborn. 1941, mitten im Krieg, ist der Vater gestorben und Paul hat die Gastwirtschaft eigenverantwortlich weiterführen müssen. „Da war ich gerade 16 Jahre alt und hatte zum Glück schon eine kaufmännische Lehre gemacht", erklärt Tönsfeuerborn. Seit 77 Jahren führt Paul Tönsfeuerborn den Gasthof in Hohenwepel. Und früher lief es auch richtig gut. „Zeitweise gehörte ich zu den besten Abnehmern der Brauerei Kohlschein aus Warburg", sagt er. Der Gasthof Tönsfeuerborn ist so etwas wie das Wohnzimmer von Hohenwepel. Hier trafen sich die Vereine, wurden Geburtstage und Hochzeiten gefeiert und Versammlungen abgehalten. 1949 war Tönsfeuerborn dabei, als nach dem Zweiten Weltkrieg der Heimatschutzverein, nachdem der zehn Jahre geruht hatte, neu aus der Taufe gehoben wurde. „In diesem Gasthof hängen so viele Erinnerungen und darum ist immer wieder schön, in die Stube zu kommen und ich werde hier weitermachen, so lange ich kann”, sagt Paul Tönsfeuerborn bestimmt. Und der Kneipenwirt ist sicher, dass er im kommenden Jahr wieder für den Liederkranz seine Gaststätte aufschließen wird. Dann wird er den Saal einheizen, Mineralwasserflaschen öffnen und jeden Sänger ganz persönlich und ohne Brille begrüßen.

realisiert durch evolver group