Ahoi, Matrosinnen: Die jungen Frauen der SG Peckelsheim-Bonenburg (PeBo) kamen als hübsche Matrosinnen zum Rathaussturm nach Peckelsheim. Die Gruppe ist mehr als karnevalserprobt – bereits beim Büttenabend hatten sie für ordentlich Stimmung gesorgt. Gestern Abend standen sie in Bonenburg auf der Bühne. - © Anna-Lena Ryczek
Ahoi, Matrosinnen: Die jungen Frauen der SG Peckelsheim-Bonenburg (PeBo) kamen als hübsche Matrosinnen zum Rathaussturm nach Peckelsheim. Die Gruppe ist mehr als karnevalserprobt – bereits beim Büttenabend hatten sie für ordentlich Stimmung gesorgt. Gestern Abend standen sie in Bonenburg auf der Bühne. | © Anna-Lena Ryczek

Warburger Land Jecke Damen haben das Kommando im Warburger Land

Närrisches Treiben: Bürgermeister Hans Hermann Bluhm gibt den Rathausschlüssel gerne ab, denn für ihn sind nicht etwa die Karnevalisten verrückt, sondern "die Politiker in den Regierungshauptstädten"

Dieter Scholz
Anna-Lena Ryczek

Warburger Land. Die jecken Damen und Karnevalisten des Warburger Landes haben die Chefzimmer der Rathäuser erobert und für die kommenden tollen Tage das Regiment übernommen. Dabei leisteten die Bürgermeister in Warburg und Peckelsheim nur leisen und verhaltenen Widerstand. Warburg: Der jecke Humor schlummert neben dem schelmischen Witz übers Jahr in den Amtsstuben des Verwaltungsgebäudes an der Bahnhofsstraße. Wenn er dann zu Weiberkarneval erwacht, stürmen die Damen der Verwaltung pünktlich um 11.11 Uhr ins Bürgermeisterbüro. Mit lautstarker Party-Musik aus der Box und im Rhythmus der mitgebrachten Rasseln. "Wir wurden zu Jecken erkoren, der Spaß der Narren ist wieder geboren", in Versform auf den Lippen. Doch die Stadtspitze ist vorbereitet. Der Schlips, die spätere Trophäe der wilden Weiber, ist wohlweislich ausgewählt. "Modell Zahnpasta", sagt Rathaus-Chef Michael Stickeln und weist auf die kleinen weißen Flecken seiner braungestreiften Krawatte. Der Blick schweift zur Brust des Ersten Beigeordneten. "Die hat mir nicht mehr gefallen", gibt Klaus Braun unumwunden zu. Eins zwei Limetten-Schnäpse, dann die Schere, die Binder landen als Beweis der femininen Vorherrschaft an diesem Tag in der Schatulle. Rund eine Viertelstunde währt der Überfall am Schreibtisch des Bürgermeisters. Dann zieht die bunt gekleidete Karawane weiter und kündet vom Umsturz in den Verwaltungsfluren und den Büros der Kollegen. Peckelsheim: Dort mussten sich die Narren bis zum Nachmittag gedulden. Doch gegen 14.45 Uhr kam die wilde Jeckenschar am Rathaus an. Mit Pauken und Trompeten - und natürlich mit dem festen Willen, die Macht in der Stadt an sich zu reißen ging es zur Tür. "Narrenfreies Rathaus" stand in großen Lettern auf der Eingangstür. Das entlockte den gut gelaunten Karnevalisten allerdings nur ein Lächeln. Dann ergriffen die Prinzenpaare Finn I. (Jonietz) und Matilda I. (Rudkoski) sowie Sebastian I. (Genau) mit seiner Prinzessin Alina II. (Reiermann) die Initiative. Mit einem festen Schlag klopften sie an die Tür. "Hier kommt heute keiner rein!", brüllte Bürgermeister Hans Hermann Bluhm den Jecken entgegen. Doch weit gefehlt, es dauerte keine zwei Minuten, da war die provisorisch-papierne Tür durchbrochen und mehr als hundert feierwütige Närrinen und Narren strömten in die Zehntscheune. Zur Traumschiff-Musik im Hintergrund trugen die Vorstandsmitglieder des Pickel-Jauh ihren Wetteinsatz in den Saal. 31 Flaschen Sekt spendierten sie aufgrund einer verlorene Wette. Die durstigen Damen freute es und auch die Wunderkerzen rund um die Sektflaschen waren hübsch anzusehen. "So Herr Bürgermeister, das Spiel ist aus, rück den Schlüssel raus!", zeigte sich Kinderprinzessin Matilda wild entschlossen. Um den Schlüssel wurde nicht lang gerungen. "Ich geb' Euch den Schlüssel fast schon gern, ihr werdet weniger durcheinander bringen, als die großen Politiker", so Bluhm.

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