?Warburg Keine Zeit zu verlieren

Eine halbe Stunde (4): Der Schützenplatz ist Warburgs größter Parkplatz. Die Menschen, die sich dort aufhalten, haben alle ihre eigene kleine Geschichte zu erzählen

Von Alexander Lange Warburg. Wer hierher kommt, kommt nicht ohne Grund: Der Schützenplatz ist der größte Parkplatz der Stadt. Insgesamt 250 Autos finden hier zwischen den weißen Linien Platz. Die meisten Menschen kommen, um ihre alltäglichen Einkäufe zu erledigen, um zu Fuß in die Stadt zu gehen oder eine Kleinigkeit zu essen. An diesem Tag scheint die Sonne prächtig. Der restliche Schnee auf der Wiese und den geparkten Autos schmelzen langsam vor sich hin. Ein romantisch anmutendes Bild. Doch auf dem Parkplatz herrscht großer Trubel. Wenig Zeit, um die Sonnenstrahlen zu genießen. Eine Frau eilt hastig zu ihrem Auto, wirft die Einkäufe in den Kofferraum und startet in Windeseile den Motor. "Weiter geht?s, keine Zeit zu verlieren", scheint sich die Dame zu denken. Ihrem feuerroten Pkw teilt sie den Gedanken mit einem kräftigen Tritt aufs Gaspedal mit. Doch ihr Stellplatz bleibt nicht lange frei. Ein junger Mann in Arbeitskleidung stellt seinen Kleinwagen ab und hastet zur benachbarten Imbissbude. Nach fünf Minuten kommt er mit einer Packung Pommes Frittes zurück. So ein Parkplatz steckt doch voller kleiner Geschichten des Alltags, denke ich mir. Von den gegenüberliegenden Supermärkten trottet ein vollbärtiger Mann zurück auf den Parkplatz. Stress hat er anscheinend nicht, die eingekauften Milchtüten trägt er auf seinem Arm, ehe er sie auf der Rückbank seines Opels ablegt. Anschließend geht er zurück zum Supermarkt, kommt 15 Minuten später wieder: Dieses Mal mit Brot auf dem Arm - hatte er wohl vergessen. Macht ja nichts. Am unteren Ende des Schützenplatzes steht ein Elektroauto, geparkt an der öffentliche Aufladestation für solche Modelle. Einige Schüler bleiben kurz vor dem schicken Tesla-Wagen stehen. Ob sie sich über die Technik unterhalten? Oder das Design? Elektroautos gefallen nicht jedem. Gut für die Umwelt sind sie aber allemal. Denn beim Blick über den Schützenplatz wird mir klar, wie viele Autos unterwegs sind. Und das sind nicht nur die emissionsarmen Hybride, sondern auch die "Abgas-Schleudern" aus vergangenen Jahrzehnten. Alle machen Lust auf frühlingshafte Temperaturen Sogar ein hellblauer Trabbi steht an diesem Tag auf dem Schützenplatz. Ein Kultauto, keine Frage. Doch dann ein seltener Anblick: Zwei Radfahrer kreuzen die Hauptstraße, trotzen mit Schal und Handschuhen dem eiskalten Wind bei Minusgraden. Auf dem Bürgersteig stehen zwei Rentner mit Sonnenbrille. Alle machen Lust auf frühlingshafte Temperaturen, auf sommerliche Landschaften und farbenfrohe Natur. Im Kontrast dazu stehen die vielen hundert Autos. Kurze Zeit stimmt mich das nachdenklich: Sollte man nicht öfter mal das Auto stehen lassen und sich zu Fuß oder mit dem Rad fortbewegen? Der Natur und den kommenden Generationen würde man sicherlich einen großen Gefallen tun. Manchmal müsste man wirklich den inneren Schweinhund überwinden. Aber manchmal geht es eben auch nicht ohne Auto.

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