Zu Gast in Warburg: Die Regisseurin Karin Kaper stellte im Cineplex-Kino ihr Filmprojekt "Wir sind Juden aus Breslau" vor. Bei einem Stadtrundgang informierte sie sich über das Leben der Juden in Warburg. - © Hermann Ludwig
Zu Gast in Warburg: Die Regisseurin Karin Kaper stellte im Cineplex-Kino ihr Filmprojekt "Wir sind Juden aus Breslau" vor. Bei einem Stadtrundgang informierte sie sich über das Leben der Juden in Warburg. | © Hermann Ludwig

Warburg Kulturforum, Museumsverein und Familie Schlinker präsentieren
 den Film „Wir sind Juden aus Breslau“

Hermann Ludwig

Warburg. Die Erinnerung wach halten, das ist das Ziel des Filmprojekts "Wir sind Juden aus Breslau", den die Regisseurin Karin Kaper auf Einladung des Kulturforums und des Museumsvereins und der Kinobetreiberfamilie Schlinker im Warburger Cineplex vor mehr als 100 Zuschauern gezeigt hat. "Es war eine sehr gute Veranstaltung mit langen intensiven Gesprächen nach dem Film", bilanzierte die Regisseurin, die den Film gemeinsam mit ihren Lebenspartner Dirk Szuszies verwirklicht hat. Die Weltpremiere wurde am 6. November 2016 im Kino Nowe Horyzonty in Breslau (heute Wroc?aw) im Rahmen der Kulturhauptstadt Europas gefeiert. "Das war ein bewegender Tag", erinnert sich Kaper, die seitdem regelmäßig auf Tour ist, um den Film zu zeigen und mit Zuschauern zu diskutieren. "Im April wird der Film mit hebräischen Untertiteln auch in sechs Kinematheken in Israel gezeigt, dabei werden dann auch einige Protagonisten des Films anwesend sein", so Kaper. Die 14 Protagonisten des Filmes mit ihren familiären Wurzeln in Breslau erzählen in beeindruckender Weise ihren Lebenslauf, der Schlaglichter wirft auf die Gräuel des Holocaust und der Vertreibung. "Wir hätten im Prinzip 14 Filme über jeden Einzelnen machen können", berichtete Karin Kaper von der Entstehungsgeschichte. "Es war höchste Zeit für diesen Film, damit wir ein Erinnerungsdokument haben", sagt Kaper, die Maria Luft und der Historikerin Katharina Friedla von der Gedenkstätte Yad Vashem dankbar für die Unterstützung ist. Einer der Protagonisten, Fritz Richard Stern, ist mittlerweile verstorben. Katharina Friedla hat mit ihrer Doktorarbeit über "Juden in Breslau" die wissenschaftliche Basis gelegt und die Kontakte vermittelt. Die Slavistin und Autorin Maria Luft hatte die Idee zum Film geliefert. In dem Filmprojekt sollte anhand der facettenreichen Einzelschicksale ein breit gefächerter Eindruck dieser Zeit vermittelt werden, erläutert Kaper. Vier der Zeitzeugen reisten mit dem Filmteam in ihre alte Heimat Breslau und trafen sich dort an Schauplätzen ihres eigenen Lebens mit je acht Jugendlichen aus Polen und Deutschland. Dieser rege Gedankenaustausch ist auch ein bewegender Aspekt des Films. "Der Film soll auch die Jugendlichen erreichen, auch in Polen", sagt Kaper mit Blick auf die politische Entwicklung in Polen. "Es gibt aber auch eine Gegenbewegung zum Rechtsruck in Polen", erklärte Karin Kaper mit Blick auf den Marsch der gegenseitigen Achtung. Im Herbst ist eine Kinotour durch Polen geplant, "um die demokratischen Kräfte zu stärken", sagte Kaper. Für das Projekt haben die Filmemacher jeden Einzelnen an ihren neuen Lebensorten in England, USA und Israel besucht und die Lebenslinien nachgezeichnet. Für Aufmerksamkeit sorgte jetzt Anita Lasker-Wallfisch, die in dem Film mit ihrer Schwester Renate Lasker-Harpprecht zu sehen ist, mit ihrer bewegenden Rede zum Holocaust-Gedenktag im Bundestag in Berlin. "Gerne wären wir dabei gewesen, aber die Werbung für das Filmprojekt ist enorm wichtig", so Kaper.

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