Gedenken der Ursprünge: Eine Ausstellung wird im Frühjahr an den Stifter Prof. Gottfried Beyer (1889-1968) erinnern. Sie wird ausgewählte Werke des Warburger Kunsterziehers und renommierten Malers zeigen. Museumsleiter Franz-Josef Dubbi (l.) und Museumsvereinsvorsitzender Rainer Mues halten vor einem Gemälde Beyers dessen Selbstporträt aus dem Jahr 1939. - © Dieter Scholz
Gedenken der Ursprünge: Eine Ausstellung wird im Frühjahr an den Stifter Prof. Gottfried Beyer (1889-1968) erinnern. Sie wird ausgewählte Werke des Warburger Kunsterziehers und renommierten Malers zeigen. Museumsleiter Franz-Josef Dubbi (l.) und Museumsvereinsvorsitzender Rainer Mues halten vor einem Gemälde Beyers dessen Selbstporträt aus dem Jahr 1939. | © Dieter Scholz

Warburg Weit mehr als ein Heimatmuseum

Vor drei Jahrzehnten eröffnet, komme der Mix aus historischen und aktuellen Exponaten im Museum im „Stern“ mehr denn je an, nennt Rainer Mues, Vorsitzender des Museumsvereins, ein Geheimnis des Erfolgs

Dieter Scholz

Warburg. In der Hansestadt ist das Haus eine Institution: das Museum im „Stern". Seit fast drei Jahrzehnten werden in dem historischen Gemäuer an der Sternstraße die Geschichte und die Geschichten Warburgs präsentiert. Im September 1988 wurden in einem der ältesten Steinhäuser der Stadt die Museumssäle eröffnet. Seitdem besuchten mehr als 192.000 Besucher die Dauerausstellung und die Sonderschauen. Dass in diesem Jahr die 200.000-Besucher-Marke geknackt werde, scheint Museumsleiter Franz-Josef Dubbi allerdings noch in weiter Ferne. Denn im vergangenen Jahr zählten die Museumsverantwortlichen rund 4.500 Besucher. „Kein Rekordjahr wie 2016 mit seinen 5.600 Besuchern, aber guter Durchschnitt", sagt Dubbi. Dem pflichtet Rainer Mues, Vorsitzender des Museumsvereins bei. Besonders die Kesting-Ausstellung in den Sommermonaten habe das Interesse der Bördebewohner geweckt. Es waren knapp 800 Menschen, die sich die Fotos des beliebten Fotografen aus der Altstadt ansahen. Seine Fotos dokumentierten das Leben im Warburger Land vor einem halben Jahrhundert. "Ein Testament legte den finanziellen Grundstock" „Der Mix aus historischen und aktuellen Exponaten kommt an", nennt Mues ein Geheimnis des Erfolgs. Bildende Kunst, archäologische und lokalgeschichtliche Schauen im Beyer-Saal, wie im vergangenen Jahr die Künstler-Koffer aus der Sammlung Hussong, die 36 Landschaften Warburger Maler und Zeichner, die Pilgerausstellung oder der fotografische Blick über die Stadt aus der Luft, wecken immer wieder das Interesse. Ein Warburger Kunstlehrer war es, der 20 Jahre nach seinem Tod den Weg zur Eröffnung eines Stadtmuseums ebnete. Zuvor hätten sich bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts die Stadtvorderen „um die Einrichtung eines der historischen Bedeutung der Stadt angemessenen Museums" bemüht, schreibt Rudolf Bialas im ersten Heft der Kulturgeschichtlichen Beiträge der Kreissparkasse, das sich mit dem „Stern" und seiner Sammlung heimischer Maler beschäftigt. Im Jahr 1933 beschloss die Stadtverordnetenversammlung im Mönchehof, dem ehemaligen Stadthaus der Hardehausener Zisterziensermönche, ein städtisches Museum einzurichten. Zunächst eine provisorische Lösung. Ein außerschulischer Lernort Seit 1920 gehörte das Gebäude der Stadt, im Gemäuer saß der Fiskus. 1958 zog das Stadtarchiv ein, nachdem die Finanzbeamten ihren Neubau in unmittelbarer Nachbarschaft bezogen hatten. Im ehemaligen Kassenraum wurde eine kleinere Sammlung historischer Stücke aus unterschiedlichen Epochen der Ortsgeschichte gezeigt. Dabei gewann die Idee, im Gebäude ein Stadtmuseum einzurichten „schnell zahlreiche Freunde", schreibt Bialas. „Ein Testament legte zehn Jahre später den finanziellen Grundstock", sagt Franz-Josef Dubbi. Das Testament des Kunsterziehers und Malers Gottfried Beyer. 1968 verstorben, vermachte er sein Haus und eine stattliche Anzahl seiner Werke der Stadt. Die Auflage: In seinem am Bittkreuz schön gelegenen Wohnhaus sollte die Stadt ein Museum einrichten. Zu klein, der Testamentsvollstrecker stimmte einem Verkauf zu, dessen Erlös in die Umgestaltung des „Stern" in ein Museum floss. 1984 gründete sich der Warburger Museumsverein, Landesmittel und Zuschüsse des Landschaftsverbandes wurden eingeworben, ein Konzept, das die Ausstellungsräume als außerschulische Lernorte berücksichtigte, erstellt. Zu Beginn des Herbstes 1988 dann die feierliche Eröffnung. Vertrauen zum Haus Museumsleiter und Stadtarchivar Franz-Josef Dubbi betont die „enge Verzahnung der Warburgerinnen und Warburger mit ihrer Stadt", die den Museumsmachern entgegenkomme. Im Laufe der Jahre sei ein „bestimmtes Vertrauen" zum Haus gewachsen, sagt Dubbi. Wenn ein Ausstel-lungsthema gewählt sei, „bedarf es keinerlei Überredungskünste, um dem Museum selbst das ein oder andere Familienstück zu überlassen", sagt der studierte Historiker. Die Identifikation der Warburger mit ihrem Museum sei groß, weiß auch Museumsvereinsvorsitzender Mues. Besucherzahlen überraschen Mitunter überraschen die Besucherzahlen die Verantwortlichen. „Zur Schau über den Ersten Weltkrieg kamen mehr als 1.500, die Landwirtschaftsausstellung besuchten über 1.400", erinnert sich Dubbi. Auch manch’ ortsgeschichtliche Ausstellungswoche „fand mehr Besucher als Einwohner im thematisierten Dorf", sagt der Museumsleiter. "Unsere Energie gehört ganz den Warburgern" Dubbi leitet seit 1992 als Nachfolger von Dr. Norbert Börste die Geschicke des Museums. Zwischen 250 und 300 Sonderausstellungen fanden in den drei Jahrzehnten des Bestehens statt. So genau weiß das im Museumsbüro niemand zu sagen. Ein Festakt zum 30. Geburtstag? „Unsere Energie gehört den Warburgern, nicht dem Selbstlob", merkt Dubbi bescheiden an. „Da gibt es schon genug zu tun", schiebt Rainer Mues lächelnd nach.

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