Wormeln Wormelner starten ins Jubiläumsjahr

Ortsjubiläum: In diesem Jahr feiern die Bürger ihr Dorf, das vor 1.000 Jahren als "Vurmlahum" erstmals urkundlich erwähnt wurde. Auftakt war zum Jahreswechsel der Silvesterball

Dieter Scholz

Wormeln. Zwei Jahre sei sie alt, sagt Amelie und flitzt unter ihrem schmucken rosa Paillettenhut entlang der Tischreihen in der Halle. Amelie war die jüngste unter den Gästen des Silvesterballs in der Wormelner Twistehalle. Josef Floren und Heinrich Floren mit ihren rüstigen 80 Jahren die ältesten. Die Feier zum Jahreswechsel markierte den Beginn der Veranstaltungen zur 1.000-Jahr-Feier der Ortschaft an der Twiste. Aktuell zählt das Dorf rund 740 Einwohner. "Und wir werden in diesem Jahr an mehreren Tagen gemeinsam feiern", gab Ortsvorsteher Willi Menge in seiner Ansprache die Richtung vor. In einer Urkunde aus dem Jahr 1018 wird der Ort erstmals erwähnt. Damals verschenkte der Warburger Graf Dodiko seine Güter und Ländereien an den Paderborner Bischof Meinwerk. Der einzige Nachkomme des Landadligen war bei einem Reitunfall ums Leben gekommen. Zu der Liste der Güter gehörte auch eine Mühle in Wormeln. Der Ort war unter den Namen "Vurmlahum" geführt. Erste Siedler in der Gemarkung bereits vor 7.000 Jahren "Doch bereits vor sieben Jahrtausenden dürften die ersten Ackerbauern und Viehzüchter, die Bandkeramiker aus der ältesten steinzeitlichen Kultur, eingewandert sein", bemerkt Willi Menge. Aus der Kulturepoche der Trichterbecher und Steinkistengräber im dritten Jahrtausend vor Christus seien Pfeilspitzen, Schaber und Kratzer in der Wormelner Gemarkung gefunden worden, "die sich heute im LWL-Landesmuseum für Westfalen in Münster befinden", hält der Ortsvorsteher fest. Aus der Zeit der Schnurkeramiker von 1500 vor Christus habe man ein Steinhügelgrab mit Pfeilspitzen und Becherscherben gefunden, aus der Bronzezeit stammten in der Nähe der heutigen Autobahn sechs Steinhügelgräber. "Au-ßerdem wurden Hügelgräber im Wormelner Holz am Strubberge entdeckt", sagt Menge. Und die Flurnamen "Heilige Eiche" und "Donnersberg" sprächen für altgermanische Kult- und Gerichtsstätten. 1246 kamen Nonnen ins Dorf, die wohl den Regeln der Benediktiner- und Zisterziensermönche folgten. Die Söhne des Grafen Albrecht III. von Everstein hatten ein Kloster gestiftet. Die Nonnen kamen aus Adelsgeschlechtern und bürgerlichen Familien, die den Klostereintritt ihrer Töchter mit Stiftungsgeldern bezahlten. Zu Beginn des 14. Jahrhunderts wurde eine einschiffige Kirche errichtet. Im Dreißigjährigen Krieg brannten die Klostergebäude ab, im 17. Jahrhundert erfolgte der Wiederaufbau. Der Neubau des Konventsgebäudes zu Beginn des 18. Jahrhunderts ist, abgesehen vom 1887 abgerissenen Nordflügel, bis heute erhalten. "Kloster, Kirche und Dorf blicken auf eine spannende und wechselvolle Geschichte zurück", sagt der Ortsvorsteher und verweist auf die Wormelner Chronisten Pfarrer Rummel, Curt Ritgen, Dr. Gerd Ritgen, Wilhelm Bockelkamp, Peter Even, Michael Ritgen, Bernhard Scholz, die gut 300 Jahre alten Sippenbücher aus der Feder Albert Mennes und die aktuellen Arbeiten der Mitglieder des Arbeitskreises "Dorfchronik". "Die Wormelner Bürger haben trotz erheblicher Rückschläge in Kriegs- und Hungerjahren immer fleißig, zielbewusst und hart an der Weiterentwicklung des Dorfes gearbeitet", hielt Willi Menge in seiner kurzen Ansprache fest. "Auch wir müssen dafür sorgen und bereit sein, für die Zukunft ein lebens- und liebenswertes Wormeln zu erhalten und weiter auszubauen", forderte er.

realisiert durch evolver group