Ausgeklügelte Technik: Shahin Sadatolhosseini hat sein Gepäck ins Rhönrad geschnallt. Entscheidend ist dabei die gute Balance. Sechs Umdrehungen schafft das Rhönrad, ohne dass er auf gerader Strecke neuen Anschwung geben muss. Die an einer Querstrebe der Reifen angebrachte Halterung dient als Kamerastativ. - © Hubert Rösel
Ausgeklügelte Technik: Shahin Sadatolhosseini hat sein Gepäck ins Rhönrad geschnallt. Entscheidend ist dabei die gute Balance. Sechs Umdrehungen schafft das Rhönrad, ohne dass er auf gerader Strecke neuen Anschwung geben muss. Die an einer Querstrebe der Reifen angebrachte Halterung dient als Kamerastativ. | © Hubert Rösel

Warburg Ein Aachener reist 7.000 Kilometer mit dem Rhönrad nach Teheran

Eine lange Reise auf stählernen Reifen

Hubert Rösel

Warburg. Dieses Reisemittel ist mehr als exotisch: Shahin Tivay Sadatolhosseini (44) will von Aachen nach Teheran reisen, und zwar zu Fuß, begleitet von einem Rhönrad. Shahin Sadatolhosseini ist seit dem 22. Dezember unterwegs und wird insgesamt rund 7.000 Kilometer zurücklegen - am 21. Dezember will er wieder in Aachen zurück sein. Auf seinem Marsch ist das Rhönrad für Shahin mal Tragesel, dann wieder Schneckenhaus und Regenschutz. Manchmal wird es auch zum Kamerakran umfunktioniert. Auffällig ist es jedenfalls überall sofort dort, wo Shahin mit dem Sportgerät entlangrollt. Wie vergangene Woche, als der Iraner auf einer kleinen Landstraße zwischen Warburg und Calenberg unterwegs war. Dort wurde eine Warburger Wandergruppe auf ihn aufmerksam. Shahin hat immer ein Lächeln auf den Lippen, kommt schnell ins Gespräch mit den Menschen, denen er am Wegesrand begegnet. Shahin Sadatolhosseini ist in Teheran geboren. Mit 14 Jahren kam er nach Deutschland und lebt seit 1985 in Aachen. Dort entdeckte er den Rhönradsport und war begeistert, vereint er doch für ihn Akrobatik, Tanz und Ästhetik. "Das Rhönradturnen wurde zu einem ständigen Lebensbegleiter, Fixpunkt und einer konstanten Inspirationsquelle meiner beruflichen und künstlerischen Tätigkeiten und somit zum Zentrum meiner Aachener Identität", erklärt Shahin. So blieben auch sportliche Erfolge nicht aus, die mit der Teilnahme an der Rhönrad-Weltmeisterschaft in Deutschland, die 2011 in Arnsberg stattfanden, ihren Höhepunkt fanden. Seit langem reifte in ihm der Wunsch, seine persische und deutsche Identität durch einen Marsch in sein Heimatland zusammenzubringen. Das Rhönrad als Kreis symbolisiert seinen Lebenslauf - in Teheran geboren, möchte er erstmals wieder seinen Geburtsort besuchen. Auf dem Weg dorthin will Shahin viele Menschen kennenlernen und auch selber viele Impulse setzen. Durch das Rhönrad als ungewöhnliches Sportgerät, das in Osteuropa wenig bekannt ist, sollen persönliche Begegnungen und interessante Gespräche entstehen. Die gesamte Reise will der 44-jährige Fotograf, Rhönradartist und bis zu seinem Aufbruch als Choreograph und Künstler tätige Shahin in Fotos und Videos festhalten. Sein Ziel: Nach Beendigung des Abenteuers soll alles in Buchform und einem Film veröffentlicht werden. Verlauf und Eindrücke seiner Reise können aktuell unter www.rolleast.de verfolgt im Netz werden. Die einst geplante Route veränderte sich ab Köln, schwenkte ab durchs Bergische Land, über Wuppertal und weiter durch das Sauerland. Und auf seinem Weg, etwa 350 Kilometer nach seinem Start von Marsberg kommend, passierte er vergangene Woche eben auch Warburg als letzten Zipfel in NRW, bevor er die Landesgrenze zu Hessen überquerte. Shahin war an diesem Abend erfolglos geblieben, eine feste Unterkunft zu bekommen. So nächtigte er an einem Feldweg zur Holsterburg in seinem zum "Schneckenhaus" umfunktionierten Rhönrad. Am nächsten Tag führte ihn sein Weg weiter über Ersen bis Niedermeiser, wo er eine freundliche Aufnahme mit Übernachtung bei einer Familie fand. Das sei genau das, was er sich für seine Reise wünsche, sagt Shahin: "Viele Begegnungen und Gespräche mit den unterschiedlichsten Menschen." Sein weiterer Weg wird Shahin Sadatolhosseini über Kassel, Eisenach, Erfurt und weiter nach Dresden führen. Von Deutschland geht es über Tschechien, Österreich, Ungarn, der Slowakei auf der Balkanroute bis in die Türkei und von dort über den Kaukasus bis in den Iran.

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