Steinheim "Auf einmal standen die Dinger da"

Illegal aufgestellte Sammelcontainer sorgen für Ärger in Steinheim

Zugelassene Container der Kolpingfamilie (l.), daneben ein Behälter für alte Schuhe, der ohne Genehmigung aufgestellt worden ist. - © FOTOS: DAVID SCHELLENBERG
Zugelassene Container der Kolpingfamilie (l.), daneben ein Behälter für alte Schuhe, der ohne Genehmigung aufgestellt worden ist. | © FOTOS: DAVID SCHELLENBERG

Steinheim. Werner Jakobi ist sauer. Der Hausmeister der Steinheimer Minipreis-Filiale ärgert sich über zwei Altkleider-Container, die auf dem Firmengrundstück abgestellt wurden. Ohne Genehmigung. "Uns hat niemand um Erlaubnis gefragt. Auf einmal standen die Dinger da."

Es sind nicht die einzigen. Auch in der Lother Straße am Rewe-Markt und in der Nieheimer Straße auf einem unbebauten Privatgrundstück stehen seit Mitte März diese beigefarbenen Container. Wer hinter dieser illegalen Aktion steckt, ist nicht bekannt. Kein Hinweis auf eine Firma oder Organisation ist auf den Metallbehältern zu sehen. Lediglich eine Telefonnummer ist auf den Containern angebracht. Unter dieser Nummer ist allerdings niemand zu erreichen. "Ich habe x-mal versucht, jemanden an die Strippe zu bekommen. Zu allen Tageszeiten. Aber da läuft nur ein Band. Und zurückgerufen wird auch nicht", ärgert sich Jakobi.

"Das ist eine Sauerei", empört sich auch Werner Günter, Geschäftsführer der Steinheimer Kolpingfamilie, über die dreiste Nacht- und Nebelaktion. "Denen geht es doch nur ums Geschäft, während wir für einen guten Zweck sammeln." Der Handel mit alten Textilien ist nämlich lukrativ: Eine Tonne Altkleider erzielt auf den entsprechenden Märkten rund 400 Euro. Für eine Tonne Schuhe gibt es bis zu 1.200 Euro.

Information

273 zugelassene Container


"Derzeit sind im Kreisgebiet 273 zugelassene Container für Altkleider aufgestellt, davon zwei Drittel von karitativen Einrichtungen", erklärt Dr. Katrin Weiß, Leiterin der Abteilung Umweltschutz und Abfallwirtschaft beim Kreis Höxter. Darüber hinaus gibt es zwei Mal im Jahr kreisweite Altkleidersammlungen unter der Federführung des Kreises Höxter in Kooperation mit den Kolpingsfamilien. Gesammelt werden Hosen, Hemden, Jacken, Mäntel, Schuhe, Taschen, Gürtel, Federbetten, Wäsche und weitere Textilien. "Dieser Service wird von den Bürgerinnen und Bürgern sehr gut angenommen", so die Abteilungsleiterin. In Steinheim findet die nächste Haushaltssammlung von Altkleidern am Samstag, 20. April, statt. "Mit diesen Angeboten ist der Kreis Höxter bei der Sammlung von Altkleidern flächendeckend versorgt", so Dr. Weiß. (mbr)

Die Kolpingfamilie sammelt seit 20 Jahren in Steinheim Altkleider. Sechs Container stehen in Steinheim und Rolfzen, zweimal im Jahr gibt es eine Haus-und Straßensammlung. "Die Textilien werden verkauft, der Erlös geht in soziale Projekte", sagt Günter. In den vergangenen Jahren seien beispielsweise Kaffeebauern in Mexiko und der Steinheimer Tisch damit unterstützt worden. Nun fürchtet Günter, dass aus Unwissenheit manche Alttextilien in die Container der dubiosen Sammler geworfen werden. Seine Bitte: "Bitte achten Sie genau auf die Aufschrift an den Containern. Unsere tragen zusätzlich das offizielle Genehmigungssiegel des Kreises Höxter."

Dieses Genehmigungssiegel ist nämlich vorgeschrieben. Und genau daran können Bürgerinnen und Bürger genehmigte Sammelcontainer leicht erkennen, betont Silja Polzin, Sprecherin des Kreises Höxter: "Die Container sind mit einem Aufkleber mit Kulturland-Logo und Strichcode gekennzeichnet. Fehlt dieser Aufkleber, ist davon auszugehen, dass es sich um illegal aufgestellte Behälter handelt." Und Dr. Katrin Weiß, Leiterin der Abteilung Umweltschutz und Abfallwirtschaft beim Kreis Höxter, macht deutlich: "Gegen das illegale Aufstellen von Sammelcontainern geht der Kreis Höxter mit allen rechtlichen Mitteln vor."

Nur dazu muss man die Verursacher ermitteln. Und das versucht zurzeit Wilhelm Meyer, Fachbereichsleiter Bürgerservice bei der Stadt Steinheim. "Eine ganz ärgerliche Geschichte", findet Meyer, "ich komme im Moment nicht weiter. Da läuft unter der angebenen Telefonnummer nur ein Band." In einem Fall ist Meyer allerdings doch erfolgreich gewesen: "Über die Telefonnummer konnten wir die Anschrift der Firma ermitteln. Wir haben sie angeschrieben und aufgefordert, unverzüglich den Container zu entfernen. Andernfalls werden wir das tun und den Container auf deren Kosten entsorgen." Das sei rechtlich einwandfrei. "Wir betrachten illegal aufgestellte Container als wilde Müllablagerung."

Wie es nun mit den anderen Containern weitergeht, weiß Meyer noch nicht. Die Stadt werde die betroffenen Grundstücksbesitzer mit ihrem Problem aber nicht allein lassen, verspricht er. "Notfalls werden wir die Container abholen und auf dem Bauhof zwischenlagern, bis wir den Besitzer ermittelt haben." Das Problem mit illegalen Sammelcontainern gibt es übrigens in vielen Städten Deutschlands. Im Kreis Höxter sind die dubiosen Container bisher offensichtlich nur in Steinheim aufgetaucht. In den anderen Städten des Kreises sind keine Fälle bekannt.

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