Nils und Mika (v.l.) beobachten ihre Schwester Klara, die mit Hilfe ihrer Mutter Nadine Hundacker-Spier einen Nikolausstiefel aus Zinn gießt. - © FOTO: MADITA PEINE
Nils und Mika (v.l.) beobachten ihre Schwester Klara, die mit Hilfe ihrer Mutter Nadine Hundacker-Spier einen Nikolausstiefel aus Zinn gießt. | © FOTO: MADITA PEINE

Steinheim Eine fast vergessene Kunst

Josef Lücking zeigt im Möbelmuseum, wie sich Figuren aus Zinn gießen lassen

Steinheim. Es ist eine Kunst, die schon fast in Vergessenheit geraten ist. Und doch gibt es noch einige, die sie beherrschen. Josef Lücking ist einer von ihnen. Seit drei Jahrzehnten beschäftigt er sich mit der Kunst des Zinngießens, und gibt sein Können anlässlich der Krippenausstellung im Steinheimer Möbelmuseum an Interessierte weiter.

Mit einem kleinen Engel fing es an: Vor 30 Jahren goss Lücking seine erste Figur aus Zinn. Der Engel ist noch immer seine Lieblingsfigur, doch sein Repertoire hat sich seitdem deutlich vergrößert. "In der Regel stelle ich dünne Anhängern her. Ich habe aber auch schon eine ganze Krippe aus Zinn gegossen."

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Wer sich im Zinngießen bei Josef Lücking versuchen möchte, kann bis Mittwoch, 19. Dezember, jeweils mittwochs und sonntags von 14 bis 17 Uhr im Möbelmuseum Steinheim vorbeischauen.

Er gibt sein Wissen kostenlos weiter.

Da die Begeisterung für die Kunsttechnik groß ist, sind Voranmeldungen empfehlenswert.

Weitere Informationen bei Johannes Waldhoff, Tel.: (0 52 33) 85 52. (mad)

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Im Möbelmuseum Steinheim möchte er die kleinen und großen Besucher für die Technik des Zinngießens begeistern. Interessierten zeigt er, wie sich aus dem Metall Anhänger mit weihnachtlichen Motiven herstellen lassen. Inmitten der rustikalen Möbel des Museums hat Lücking dazu einen Tisch aufgebaut, auf dem viele kleine Formen mit Motiven wie Engel oder Sterne liegen.

In einem kleinen Zinnofen erhitzt er eine Zinnstange, bis sie geschmolzen ist. Während sie schmilzt, bestäubt er mit Talkum, einem weißen Pulver, die aus zwei Teilen bestehenden Formen, damit sich die Figuren später leicht herauslösen lassen. Mit Hilfe von zwei Holzstücken presst er die Form zusammen und fixiert das Ganze mit einer Schraubzwinge. Das flüssige Zinn wird mit einer Kelle in eine Öffnung der Form gegossen. Schon nach etwa einer halben Minute lässt sich die Zinnfigur aus der Form lösen. Doch Vorsicht: Das kleine Kunstwerk ist noch glühend heiß und muss noch eine Weile auskühlen.

Zuerst die mit Talkum bestäubten Formen mit einer Schraubzwinge zwischen zwei Brettchen festklemmen.
Zuerst die mit Talkum bestäubten Formen mit einer Schraubzwinge zwischen zwei Brettchen festklemmen.

So einfach sich die Technik anhört, so bringt sie doch ein paar Schwierigkeiten mit sich. "Wenn man zu schnell gießt oder den Fluss den Zinns unterbricht, verteilt sich das flüssige Metall nicht gleichmäßig in der Form und die Figur misslingt", erklärt Lücking. "Es ist immer spannend, ob eine Figur gelingt oder nicht. Auch bei den Profis verunglückt ab und zu eine Zinnfigur", sagt er weiter.

Das sei nicht weiter schlimm. "Das Schöne beim Zinngießen ist ja, dass man misslungene Werke einfach wieder einschmelzen und für neue Figuren wiederverwerten kann", sagt Lücking. "Bei vielen entsteht gerade dadurch der Ehrgeiz, weitere Figuren gießen zu wollen, bis sie gänzlich mit ihrem Werk zufrieden sind", sagt der ehemalige Grundschullehrer weiter. Dieses Phänomen sei sowohl bei den kleinen als auch bei den großen Interessierten zu entdecken.

Wer farbenfrohe Zinnfiguren verschenken oder an den Weihnachtsbaum hängen möchte, kann diese nach dem Besuch im Möbelmuseum problemlos zu Hause bemalen. Dazu eignen sich unter anderem Deck- oder Acrylfarben.

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