Umstritten: Der „Westfälische Bauer", in Steinheim besser als der „Alte Fricke" bekannt, hatte es Adolf Hitler besonders angetan, sagt Bauer. - © Josef Köhne
Umstritten: Der „Westfälische Bauer", in Steinheim besser als der „Alte Fricke" bekannt, hatte es Adolf Hitler besonders angetan, sagt Bauer. | © Josef Köhne

Steinheim Büste aus NS-Zeit im Rathaus Steinheim sorgt für Irritationen

Der ehemalige Bergheimer Dr. Thomas Bauer sieht eine Verbindung des Steinheimer Bildhauers Will Hanebal zu den Nationalsozialisten

Josef Köhne

Steinheim. In einem offenen Brief an den Bürgermeister der Stadt Steinheim verweist der in Bergheim aufgewachsene Dr. Thomas Bauer auf die angebliche Nähe des Steinheimer Bildhauers Will Hanebal zu den Machthabern des Dritten Reiches und übt gleichzeitig Kritik an den, seiner Meinung nach, verharmlosenden Veröffentlichungen des langjährigen Stadtheimatpflegers Johannes Waldhoff. Hanebal, so schreibt Bauer, sei 1937 ohne Druck in die NSDAP eingetreten und habe Skulpturen - unter anderem eine Hitlerbüste - geschaffen, die in das Denkschema der braunen Machthaber passte. Besonders heftig ist Thomas Bauer aufgestoßen, dass im Foyer des Rathaussaales in einer Vitrine Kultgegenstände aus den Familien der von den Nazis ermordeten Familien gezeigt werden, während auf der gegenüberliegenden Seite die 1936 von Hanebal geschaffene Büste "Westfälischer Bauer" steht. Das Original dieses Bronze-Abgusses habe Adolf Hitler nach einer Ausstellung bei der "Großen Deutschen Kunstausstellung" in München für seine persönliche Kunstsammlung gekauft, schreibt Thomas Bauer zu seinen Recherchen. "Fakt ist jedenfalls, dass Hanebal sich ab 1933 auf das Nazi-Kunstverständnis eingelassen und es für seine eigene Karriere genutzt hat, statt sich wie viele seiner Künstlerkollegen aus dem Kunstmarkt zurückzuziehen", so Bauer. Interessant ist in diesem Kontext, dass in einem von Will Hanebal im Verlag A. Henn, Düsseldorf, erschienenen Buch nur Werke von vor 1937 und nach 1950 abgebildet sind. Die während der Nazizeit entstanden Skulpturen finden keine Erwähnung. Zu der von Thomas Bauer vorgebrachten Kritik ließ Bürgermeister Carsten Torke am Montag auf Nachfrage erklären, er werde die Angelegenheit intensiv prüfen und mit den Ratsfraktionen erörtern. Gegenüber der Öffentlichkeit werde er sich zu diesem Thema erst anschließend äußern.

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