Bergheim Männersache: Scharfe Klingen, Whiskey und Pomade im Barber-Shop in Bergheim

Friseurmeister Tizian Fischer kümmert sich in Bergheim um die Bärte und das Wohlergehen seiner Kunden. Er ist Experte für die haarige Herrenkultur

Manuela Puls

Bergheim. Natürlich ist Tizian Fischer ein Bartträger – gehört sich wohl auch für einen, der neuerdings seine Brötchen als Barbier verdient. Vor gut zwei Monaten hat der Friseurmeister im Salon von Ulrike Gröbing in Bergheim eine Ecke im Barbershop-Style eingerichtet. „Hier darf man Mann sein – ein reines Männerding eben", bringt der 23-Jährige die Philosophie auf den Punkt und streicht sich über seine eigene, knallrote Gesichtsbehaarung. Früher fand er die Farbe schlimm, heute eher cool. Schon seit frühester Jugend habe der gebürtige Billerbecker seinen Bart stehen lassen, berichtet Tizian Fischer: „Sonst sehe ich aus wie zwölf", lacht der junge Mann im 50er Jahre-Anzug mit Uhrkette. Der Rockabilly-Style muss bei einem Barbier einfach sein. Bei Tizian Fischer kommt noch ein großes Tattoo dazu. „Barber for life" hat er sich in den Unterarm stechen lassen. Hinter ihm dreht sich die obligatorische Barber Pole – eine weiß-rot-blau geringelte, beleuchtete Rolle. Rückzugsort, hier sind Männer unter sich Hier lassen sich die Männer nicht nur den Bart stutzen, die Haare schneiden oder unerwünschte Büschel aus Ohren und Nase entfernen. Sie lassen es sich im Barber-Shop einfach gut gehen. Hier haben sie einen Rückzugsort, können sich entspannen, über Männerthemen quatschen, sind einfach unter sich sein. Wer mag, kann hinterher auch ein Bier oder ein Glas Whiskey genießen. Sogar die Sprayflasche zum Befeuchten der Haare stammt von einem gewissen Jack Daniels. „Sie sollen sich ja nicht besaufen, es geht einfach darum, runterzukommen", sagt Tizian Fischer. Manche kommen aber auch als Fahrgemeinschaft und bleiben dann gerne mal länger. Spätestens alle zwei Wochen fachmännische Pflege An Kundschaft mangelt es dem neuen Bergheimer Barbier nicht: Bärte sind momentan eben absolut angesagt. Die harten, störrischen Gesichtshaare müssen täglich mit Pomade gepflegt und spätestens alle zwei Wochen fachmännisch mit scharfer Klinge und Schere bearbeitet werden. „Vor ein paar Jahren waren Vollbärte noch verpönt, da dachte man gleich an einen Terroristen oder so was", erinnert sich Fischer. Inzwischen sei der Bart in jeglicher Form zum Glück wieder voll gesellschaftsfähig – vom Goatee (Ziegenbart) bis zum Moustache (Schnurrbart). „Die Natur hat es ja auch so gewollt, dass da was wächst", schmunzelt der Friseurmeister. Barber-Shop als Ergänzung des Angebots im Salon Mit den Kollegen im Damensalon nebenan versteht sich Tizian Fischer übrigens bestens. Ulrike Gröbing hat für ihren Salon eine historische Jugendstil-Scheune an der Bergheimer Durchgangsstraße umgebaut. Bei ihr arbeitet seit kurzem auch ein syrischer Flüchtling: Der 20-Jährige macht die Friseur-Lehre zum zweiten Mal, weil seine Ausbildung in der Heimat hier nicht anerkannt wird. Den kleinen Barber-Shop empfindet die Chefin als gute Ergänzung ihres Angebots.

realisiert durch evolver group