Abwehrhaltung: Beim Steinheimer Wen-Do-Kurs lernten Frauen, wie man zudringliche Männer auf Abstand hält. Geleitet wurde der Kurs von Heike Lubs (4. v. l.) und Anita Hummel (5. v. l.). - © Manuela Puls
Abwehrhaltung: Beim Steinheimer Wen-Do-Kurs lernten Frauen, wie man zudringliche Männer auf Abstand hält. Geleitet wurde der Kurs von Heike Lubs (4. v. l.) und Anita Hummel (5. v. l.). | © Manuela Puls

Kreis Höxter/Steinheim Kostenlose Wen-Do-Kurse für Frauen im Kreis Höxter

Frauen lernen, sich selbst zu behaupten und zu verteidigen.Die Tagesseminare sind kostenlos und werden kreisweit angeboten

Manuela Puls

Steinheim. Unangenehme Blicke, aufdringliche Anmache, frauenfeindliche Sprüche, Angst in dunklen Ecken – welche Frau kennt das nicht? Der Arbeitskreis gegen Gewalt an Frauen und Mädchen im Kreis Höxter hat deswegen eine Reihe von Selbstbehauptungs- und Selbstverteidigungskursen organisiert, die kreisweit kostenlos angeboten werden. Zuletzt zum Beispiel in Steinheim. „Ich habe mich hier angemeldet, um nicht mehr das ganz so hilflose Opfer zu sein", sagt eine Teilnehmerin beim eintägigen Kurs im Steinheimer AWO-Familienstützpunkt. Mehr als sechs Stunden üben die Frauen an einem Samstag Wen-Do-Techniken, die in den 70er Jahren von Kampfsportlerinnen in Kanada entwickelt wurden. Wen-Do ist eine Wortschöpfung aus dem englischen „Women" und dem japanischen „Do". Übersetzen könnte man es mit „Weg der Frauen". Fitnesszustand und Alter spielen keine Rolle Der Fitnesszustand oder das Alter der Frauen sind dabei egal. „Wir empfinden in Rollenspielen verletzende, demütigende Situationen nach und besinnen uns auf unsere Waffen", erläutert Wen-Do-Trainerin Heike Lubs das Konzept. Gewalt ist dabei allerdings das letzte Mittel, um unerwünschten Annäherungen zu entgehen: „Ich kann schon allein durch Körperhaltung, Blick und Stimme signalisieren, dass ich keine Kontaktaufnahme will", betont Anita Hummel, die ebenfalls Wen-Do-Trainerin ist. Dazu gehört es unter anderem, den direkten Augenkontakt zu vermeiden. „Wir fixieren stattdessen einen Punkt auf der Stirn. Ich hätte nicht gedacht, dass das so wirkungsvoll sein kann", berichtet eine Teilnehmerin. Entschieden Nein zu sagen, das hat eine andere Kursteilnehmerin aus dem Kurs mitgenommen: „Wir haben geübt, auch verbal zu uns zu stehen – einfach mit lauter, klarer Stimme unmissverständlich Stopp zu sagen." Frauen seien selbst in solchen unangenehmen Situationen oft noch höflich und freundlich. „Ich hätte früher gesagt: Ich möchte das im Moment nicht. Hier habe ich gelernt zu sagen: Nimm die Hand von meinem Po, jetzt!", bringt es eine Kursteilnehmerin auf den Punkt. Peinlich müsse das ja nicht der Frau sein, sondern nur demjenigen, der sie bedrängt, betont Pädagogin Heike Lubs. Es werden auch handfeste Techniken vermittelt Natürlich werden beim Steinheimer Wen-Do-Kurs auch handfeste Techniken vermittelt. „Gezielte Tritte und Schläge, mit denen ich mich beispielsweise aus einer Umklammerung von hinten befreien kann", erläutert Anita Hummel. Wie diese Kniffe allerdings genau funktionieren, will sie lieber nicht verraten. „Diese Methoden leben vom Überraschungseffekt und würden sonst verpuffen", sagt sie. Deswegen sollen die Kursteilnehmerinnen die Wen-Do-Techniken nicht einmal zuhause ihren Männern und Söhnen demonstrieren. „Ich habe viel mehr Kraft, als ich gedacht habe", sagt eine Teilnehmerin nach dem eintägigen Kurs im Steinheimer AWO-Familienstützpunkt. Warum sie sich angemeldet hat? Um zu lernen, wie Frau sich in Gefahrensituationen verhalten sollte. Manche Techniken sind dabei ganz einfach: Wenn ein Mädchen zum Beispiel auf dem Schulhof an den Handgelenken gepackt wird, reicht es oft aus, einfach die Hände nach außen zu drehen. Sogar aus dem Würgegriff gibt es eine solche simple wie effektive Befreiungsmethode: Die Handflächen zusammenlegen und in einer Art Schwimmzug die Arme des Angreifers seitlich wegdrücken. „Dann ist es auch egal, ob da ein 200 Kilo Mann vor mir steht", sagt Anita Hummel. Kurse auch speziell für Mädchen „Ich habe hier innere Stärke und Selbstvertrauen gewonnen", zieht eine Teilnehmerin ein sehr positives Fazit des Kurses. Frauen überwinden durch Wen-Do Hemmschwellen, haben auch Anita Hummel und Heike beobachtet. Sie wollen den Teilnehmerinnen vor allem die Sorge nehmen, sich unangemessen zu benehmen. „Frauen müssen sich nicht tausendmal entschuldigen, wenn sie nur ihr Recht auf Selbstbestimmung einfordern", betonen die beiden Trainerinnen. Sie werden noch weitere Kurse im Kreis Höxter anbieten, darunter auch einige speziell für Mädchen. Die Kurse sind kostenlos, weil sie mit vom Land NRW gefördert werden. Weitere Informationen gibt es bei AWO-Frauenberaterin Mareike Stöver, Tel. (01 60) 93 79 30 35,

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