Steinheim Drei Standorte für neue Windräder in Steinheim

Erneuerbare Energie: Als Windkonzentrationsflächen kommen neben dem Steinheimer Becken noch die beiden kleineren Flächen in Bergheim (Keilberg) und in Hagedorn dazu. Jetzt muss die Politik entscheiden

Wolfgang Tilly

Steinheim. Das Thema Windenergie polarisiert. In Steinheim, wo sich bisher erst vier Anlagen drehen, wird seit längerem von Betreibern nach geeigneten Standorten gesucht - während bei den Bürgern im Gegenzug die Furcht vor Schattenwurf und Lärmbelästigung steigt. Um über den aktuellen Sachstand zu informieren, lud die Verwaltung in die Stadthalle ein. Etwa 150 Bürger folgten der Einladung. Steinheims Bürgermeister Carsten Torke ließ zunächst minuziös das vergangene Jahr der Windpark-Chronologie Revue passieren. Er zeigte ich deutlich irritiert über das planerische Vorpreschen der ProWind GmbH in Hagedorn und auch der Cuxhavener Umwelt Management AG (UMaAG) in Bergheim - weil es noch kein politisches Votum gibt. Insgesamt gibt es für Steinheim drei Szenarien - der Stadtrat will Anfang kommenden Jahres abschließend entscheiden. HAGEDORN Konzentrationsfläche für maximal vier Windräder: ProWind hatte beim Kreis Höxter einen Antrag auf Vorentscheid für drei Windkraftanlagen mit einem Abstand von teilweise nur 721 Metern zur Hagedorner Ortschaft gestellt. Steinheim versagte sein einvernehmen. Zwischenzeitlich hatte der Projektierer bei der Bundesnetzagentur mit den Energiemengen aus diesem Bürgerwindpark an einer offiziellen Ausschreibung teilgenommen. "Uns ist das unternehmerische Risiko bekannt", erklärte der Vorhabenentwickler Christian Engelken. Er meinte damit den möglichen Fall eines Zuschlags der Bundesbehörde und der gleichzeitigen Ablehnung durch die Steinheimer Politik, weil beispielsweise der örtlich gewünschte Mindestabstand von mindestens 1000 Metern nicht eingehalten wird."Das mit dem Vorbescheid ist unglücklich verlaufen", sagte Engelken selbstkritisch und weiter, "wir sind ärgerlich über uns selbst." Die Ortschaft Hagedorn wehrt sich seit Monaten gegen dies Projekt und sieht mit Windrädern halb umstellt, zumal auch die Nachbarkommune Schieder-Schwalenberg in der Grenznähe ebenfalls Windräder plant. STEINHEIMER BECKEN Konzentrationsfläche für mindestens neun Windräder: Die größte der drei infrage kommenden Windkraftflächen befindet sich im Steinheimer Becken. Diese Fläche wird, seitdem im Windkataster des Kreises Höxter veröffentlicht, in den kommunalen Gremien immer wieder heiß diskutiert. Besonders aus Ottenhausen kommt gegen diese Ausweisung starker Gegenwind. Auch zeigte Torke in seinem Vortrag mit der zur Ortschaft Vinsebeck gehörenden Modellfluggruppe Steinheim ein weiteres Problem in diesem Gebiet auf. Nach den Planungen würde genau auf diesem Fluggelände eine Windanlage errichtet. "Diesen Modellflugplatz mit einem Alleinstellungsmerkmal für die Region gibt es schon seit Jahrzehnten" mahnte Torke die Unantastbarkeit dieser Fläche an. Interesse an einem Windpark auf dieser Fläche hat das Stadtwerkenetzwerk Trianel. Das Unternehmen hat bisher aber noch keine Anträge auf den Weg gebracht. Wie zu hören ist, stehen die zu berechneten produktiven Kosten noch in keinem positiven Verhältnis zu den erwarteten Gewinnprognosen. KEILBERG Konzentrationsfläche in Bergheim am Keilberg mit vier Windrädern: Im Grenzbereich zu Himmighausen und Sandebeck ist der Cuxhavener Projektentwickler UMaAG tätig. Der Bürgerwindpark Steinheim-Bergheim GbR hatte Ende Oktober schriftlich beim Bürgermeister um Vorstellung des Projekts gebeten. Anträge wie in Hagedorn seien aber noch nicht bekannt, so Torke zum jetzigen Stand. AUSWAHLVERFAHREN Der Planer Jens-Peter Huesmann referierte über die Kriterien, aus denen die drei Flächen hervorgingen. Der Planer hatte bei alle ausschließenden harten und weichen Kriterien sowie in der dritten Stufe alle ergänzenden umweltfachlichen und Siedlungs- und Kulturlandschaftlichen Kriterien als Raster über das infrage kommende Stadtgebiet gelegt. Es ging aber auch um das anstehende Auswahlverfahren. Das sei aus seiner Sicht nur nötig, wenn der eigentlich rechtlich nicht mehr angreifbare und normalerweise ausreichende Flächennutzungsplan "Lerchenfeld" bei Hagedorn, bestückt mit vier Windrädern, als substanzielle Fläche zu klein ist. Bekanntlicherweise hatten verschiedene Verwaltungsgerichte in der Vergangenheit bis zu zehn Prozent der städtischen Gesamtfläche als substanziell bezeichnet. "Die Stadt Steinheim ist in der Lage, planen zu können, aber nicht, planen zu müssen", kam die juristisch zurate gezogenen Kanzlei Walter-Hoppenberg schon im Mai 2016 zum Ergebnis, in Abstimmung zum für die Gerichte grundlegenden § 35 Bundesbaugesetz. ENTSCHEIDUNG "Jetzt ist die Politik am Zug und muss entscheiden", so Torke und gab als nächste Beratungs- und Entscheidungsstation die nächste Bau- und Planungsausschusssitzung am 5. Dezember bekannt. In dem Fachausschuss soll dann eine Empfehlung ausgesprochen werden, damit der Stadtrat Anfang des Jahres die finale Entscheidung fällen kann.

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